Ver­fah­rens­wert für Ehe­sa­che und Ver­sor­gungs­aus­gleich

Für die Fest­set­zung des Ver­fah­rens­wer­tes in Ehe­sa­chen sind vom gemein­sa­men Net­to­ver­mö­gen der Ehe­gat­ten Frei­be­trä­ge von 15.000 Euro je Ehe­gat­te und von 7.500 Euro je Kind abzu­set­zen.

Ver­fah­rens­wert für Ehe­sa­che und Ver­sor­gungs­aus­gleich

Für die Fest­set­zung des Ver­fah­rens­wer­tes für den Ver­sor­gungs­aus­gleich ist gem. § 2 Abs. 1 VersAus­glG ein Anrecht jeden­falls dann nicht zu berück­sich­ti­gen, wenn die ein­ge­hol­te Aus­kunft ein­deu­tig – das heißt ohne Not­wen­dig­keit ein­ge­hen­der Prü­fung – ergibt, dass es sich über­haupt nicht um ein Anrecht han­delt, das nach sei­ner Art im Ver­sor­gungs­aus­gleich aus­ge­gli­chen wer­den könn­te, oder wäh­rend der Ehe­zeit kei­ne Anrech­te erwor­ben wor­den sind. Dem­ge­gen­über liegt nach der Defi­ni­ti­on in § 2 Abs. 3 VersAus­glG eine Anwart­schaft auch dann vor, wenn am Ende der Ehe­zeit eine für das Anrecht maß­geb­li­che War­te­zeit, Min­dest­be­schäf­ti­gungs­zeit, Min­dest­ver­si­che­rungs­zeit oder ähn­li­che zeit­li­che Vor­aus­set­zung noch nicht erfüllt ist.

Ver­fah­rens­wert in Ehe­sa­chen[↑]

Gemäß § 43 Abs. 1 FamG­KG bestimmt sich der Ver­fah­rens­wert in Ehe­sa­chen unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de des Ein­zel­fal­les, ins­be­son­de­re des Umfangs und der Bedeu­tung der Sache und der Ver­mö­gens- und Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se der Ehe­gat­ten nach dem Ermes­sen des Gerichts.

Bei den Ein­kom­mens­ver­hält­nis­sen ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung aus­zu­ge­hen von den bei­der­sei­ti­gen Net­to­ein­künf­ten zuzüg­lich des Kin­der­gel­des 1 abzüg­lich pau­scha­ler Auf­wen­dun­gen für die Kin­der von je 250 € 2. Dar­aus errech­nen sich 13.152 €.

Für die Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se ist ein gemein­sa­mes Net­to­ver­mö­gen von 500.000 € unstrei­tig. Die abzu­set­zen­den Frei­be­trä­ge belau­fen sich nach stän­di­ger Recht­spre­chung der Karls­ru­her und Frei­bur­ger Fami­li­en­se­na­te auf je 15.000 € für die Ehe­gat­ten und je 7.500 € für die Kin­der 3.

Zwar wird teil­wei­se ver­tre­ten, dass ein Frei­be­trag von 60.000 € je Ehe­gat­te anzu­neh­men ist 4. Im Fall des OLG Stutt­gart war die Beschwer­de aller­dings nicht von dem Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten, son­dern von der Par­tei selbst ein­ge­legt wor­den und das Gericht hat­te daher den von der Par­tei gel­tend gemach­ten Frei­be­trag von 60.000 € als der Par­tei güns­tig akzep­tiert.

Das vor­lie­gen­de Beschwer­de­ver­fah­ren gibt aber kei­nen Anlass, von der gefes­tig­ten Recht­spre­chung der Sena­te des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he abzu­wei­chen. Die Ver­tre­ter der ande­ren Mei­nung ver­wei­sen auf die Ana­lo­gie zu dem bis 1997 gel­ten­den § 6 Ver­mö­gens­steu­er­ge­setz. Ver­mö­gens­steu­er­pflicht und fami­li­en­ge­richt­li­che Ver­fah­rens­wert­fest­set­zung haben jedoch grund­sätz­lich ver­schie­de­ne gesetz­li­che Ziel­set­zun­gen 5. Mit der steu­er­recht­li­chen Frei­stel­lung bestimm­ter (klei­ne­rer) Ver­mö­gen dürf­te der Gesetz­ge­ber zum einen poli­ti­sche Zie­le ver­folgt haben, zum ande­ren aber auch die Steu­er­ver­wal­tung von der Erhe­bung gering­fü­gi­ger Steu­er­be­trä­ge ent­las­ten wol­len. Bei­de Zie­le sind vor­lie­gend nicht unmit­tel­bar ein­schlä­gig, da ein Ver­fah­rens­wert in jedem Fall fest­ge­setzt wird, zumal auf­grund über­schlä­gi­ger Berech­nung. Auch die fort­schrei­ten­de Geld­ent­wer­tung gebie­tet jeden­falls zum jet­zi­gen Zeit­punkt kei­ne erneu­te Anpas­sung, da der Frei­be­trag von ursprüng­lich 20.000 DM in der Fol­ge bereits ganz erheb­lich auf 30.000 DM (jetzt 15.000 €) ange­ho­ben wur­de. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass ein erhöh­ter Frei­be­trag umge­kehrt zu gerin­ge­ren Anwalts­ge­büh­ren und Gerichts­kos­ten führt. Dafür gibt es ange­sichts der allen­falls maß­vol­len Anpas­sun­gen der Gebüh­ren­sät­ze in den letz­ten Jahr­zehn­ten kei­nen Anlass. Die Frei­bur­ger und die Karls­ru­her Fami­li­en­se­na­te haben erst im Jahr 2009 die gemein­sa­me Über­zeu­gung erneu­ert, dass Frei­be­trä­ge von 15.000 € je Ehe­gat­te und von 7.500 je Kind ange­mes­sen sind. Eine Ände­rung der gefes­tig­ten Recht­spre­chung ist nach allem nicht ver­an­lasst.

Ver­fah­rens­wert für den Ver­sor­gungs­aus­gleich[↑]

Nach § 50 Abs. 1 S. 1 FamG­KG ist bei der Ver­fah­rens­wert­fest­set­zung "jedes Anrecht" zu berück­sich­ti­gen. Das OLG Stutt­gart hat in der vom Antrag­stel­ler­ver­tre­ter zitier­ten Ent­schei­dung dar­auf hin­ge­wie­sen, dass nach Vor­schlag des Rechts­aus­schus­ses des Deut­schen Bun­des­ta­ges die For­mu­lie­rung in der Regie­rungs­vor­la­ge "für jedes aus­zu­glei­chen­de Anrecht" geän­dert wur­de in "für jedes Anrecht" 6. Damit soll­te klar­ge­stellt wer­den, dass jedes ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­che Anrecht bei der Bestim­mung des Ver­fah­rens­werts zu berück­sich­ti­gen ist, und zwar auch dann, wenn es im Ergeb­nis nicht zu einem Aus­gleich im Wege einer inter­nen oder exter­nen Tei­lung des Anrechts kommt 7.

Anrech­te im Sin­ne des Ver­sor­gungs­aus­glei­ches sind gem. § 2 Abs. 1 VersAus­glG im In- oder Aus­land bestehen­de Anwart­schaf­ten auf Ver­sor­gun­gen und Ansprü­che auf lau­fen­de Ver­sor­gun­gen. Dar­an fehlt es jeden­falls, wenn die ein­ge­hol­te Aus­kunft ein­deu­tig – das heißt ohne Not­wen­dig­keit ein­ge­hen­der Prü­fung – ergibt, dass es sich über­haupt nicht um ein Anrecht han­delt, das nach sei­ner Art im Ver­sor­gungs­aus­gleich aus­ge­gli­chen wer­den könn­te, oder wäh­rend der Ehe­zeit kei­ne Anrech­te erwor­ben wor­den sind 8. Dem­ge­gen­über liegt nach der Defi­ni­ti­on in § 2 Abs. 3 VersAus­glG eine Anwart­schaft auch dann vor, wenn am Ende der Ehe­zeit eine für das Anrecht maß­geb­li­che War­te­zeit, Min­dest­be­schäf­ti­gungs­zeit, Min­dest­ver­si­che­rungs­zeit oder ähn­li­che zeit­li­che Vor­aus­set­zung noch nicht erfüllt ist.

Ange­sichts die­ser aus­drück­li­chen gesetz­li­chen Rege­lung, die für das FamG­KG eben­so gilt, kann allein mit einer feh­len­den Aus­gleichs­rei­fe eine Her­ab­set­zung nach Bil­lig­keit gem. § 50 Abs. 3 FamG­KG nicht begrün­det wer­den 9.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 16. Sep­tem­ber 2013 – 5 WF 66/​13

  1. OLG Karls­ru­he, Beschluss vom 04.04.2008 – 2 WF 40/​08; OLG Hamm, Beschluss vom 10.01.2012 – 5 WF 173/​11, m.w.N.; vgl. auch die Über­sicht in Schneider/​Herget/​Thiel, Streit­wert­kom­men­tar, 13. Aufl., Rn. 7169a "Kin­der­geld"[]
  2. OLG Karls­ru­he, a.a.O., Rn. 9; OLG Hamm, a.a.O., Rn. 15, aller­dings mit 300 €; vgl. auch die Über­sicht in Schneider/​Herget/​Thiel, a.a.O., Rn. 7180a[]
  3. vgl. etwa Fam­RZ 2008, 2050, 2051; 1999, 1288[]
  4. vgl. etwa OLG Koblenz Fam­RZ 2003, 1681, 1682; OLG Hamm Fam­RZ 2006, 353 – dort sogar 64.000 € je Ehe­gat­te; OLG Stutt­gart, Fam­RZ 2010, 1940; OLG Mün­chen, Beschluss vom 15.04.1998 – 26 WF 1314/​97; vgl. auch die Über­sicht in Schneider/​Herget/​Thiel, a.a.O., Rn. 7223a[]
  5. eben­so Schneider/​Herget/​Thiel, a.a.O., Rn. 7221[]
  6. OLG Stutt­gart, Beschluss vom 13.09.2010 – 16 WF 205/​10[]
  7. BT-Drs. 16/​11903, S. 61[]
  8. eben­so OLG Koblenz, Beschluss vom 05.07.2011 – 7 WF 646/​11; im Ergeb­nis eben­so OLG Stutt­gart, a.a.O., Rn. 9 ff.[]
  9. so aber OLG Stutt­gart, a.a.O., Rn. 8 f.; dage­gen auch Schneider/​Herget/​Thiel, a.a.O., Rn. 8807 f.[]