C‑Leg-Pro­the­sen für Ober­schen­kel­am­pu­tier­te

Die Kran­ken­kas­se muss nach einem Urteil des Sozi­al­ge­richts Det­mold für eine Ober­schen­kel­am­pu­tier­ten auch eine C‑Leg-Pro­the­se im Wert von 25.000 € finan­zie­ren, wenn der Ampu­tier­te von der Nut­zung vor­aus­sicht­lich pro­fi­tie­ren wird.

C‑Leg-Pro­the­sen für Ober­schen­kel­am­pu­tier­te

Ober­schen­kel­am­pu­tier­te haben Anspruch auf eine tech­nisch hoch­wer­ti­ge pro­the­ti­sche Ver­sor­gung. Ob ein micro­pro­zes­sor­ge­steu­er­tes hydrau­li­sches Gelenk, mit dem ein vari­an­ten­rei­ches Gehen wie­der mög­lich sein kann, für einen Ver­si­cher­ten geeig­net ist, muss auf­grund einer Pro­gno­se ent­schie­den wer­den. Dabei ist der Akti­vi­täts­grad des Betrof­fe­nen sowie sei­ne Fähig­keit zu berück­sich­ti­gen, die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten beim Lau­fen umzu­set­zen.

Die­se Vor­ga­ben hat das Sozi­al­ge­richt Det­mold im Fall eines 54-jäh­ri­gen Klä­gers bestä­tigt 1, der seit 30 Jah­ren mit einem Brems­knie­ge­lenk ver­sorgt war. Die Kran­ken­kas­se konn­te sich nicht dar­auf beru­fen, ent­schied das Sozi­al­ge­richt Det­mold, dass eine Ver­bes­se­rung des Geh­ver­mö­gens wegen der feh­len­den Anpas­sungs­fä­hig­keit unwahr­schein­lich sei. Der akti­ve und bewe­gungs­freu­di­ge Klä­ger hat zwar auch bei einer vier­wö­chi­gen Pro­be mit dem teu­ren Gelenk nur gering­fü­gig die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten (alter­nie­ren­des Trep­pen­stei­gen, Ent­las­tung der nicht­am­pu­tier­ten Kör­per­hälf­te) umset­zen kön­nen. Bei fort­dau­er­en­der Nut­zung der hoch­wer­ti­gen Pro­the­se wird jedoch ein Zuwachs an Sicher­heit, eine Har­mo­ni­sie­rung des Gang­bil­des und eine Ver­rin­ge­rung des Kraft­auf­wan­des wahr­schein­lich sein.

Eine wei­te­re Kla­ge einer 69-jäh­ri­gen Ver­si­cher­ten hat das Sozi­al­ge­richt dage­gen abge­wie­sen 2: Trotz einer 6‑monatigen Pro­be­ver­sor­gung konn­te die Klä­ge­rin nicht auf wei­te­re Hilfs­mit­tel beim Lau­fen ver­zich­ten. Sie war auch nicht in der Lage, den Ein­bein­stand sicher vor­zu­füh­ren. Der sub­jek­tiv emp­fun­de­ne Sicher­heits­ge­winn bei der Nut­zung der tech­nisch hoch­wer­ti­gen Pro­the­se allein recht­fer­tigt nicht die teu­re Ver­sor­gung, auch wenn das Hilfs­mit­tel in mög­lichst weit­ge­hen­der Wei­se die Funk­ti­on der nicht mehr vor­han­de­nen Glied­ma­ße aus­zu­glei­chen hat. Die Kam­mer sah es im Ein­ver­neh­men mit dem Sach­ver­stän­di­gen nicht als erwie­sen an, dass die Klä­ge­rin ihr von Angst und Unsi­cher­heit gepräg­tes Gang­bild bei dau­er­haf­ter Nut­zung des C‑Leg wird umstel­len kön­nen. Deut­li­che Gebrauchs­vor­tei­le gegen­über der her­kömm­li­chen Ver­sor­gung waren nicht erkenn­bar.

Sozi­al­ge­richt Det­mold, Urteil vom 17.Februar 2010 – S 5 KR 196/​08
Sozi­al­ge­richt Det­mold, Urteil vom 03. März 2010 – S 5 KR 307/​07

  1. S 5 KR 307/​07[]
  2. S 5 KR 196/​08[]