Der nicht mit­ge­teil­te Tod der geschie­de­nen Ehe­frau und die zu gerin­ge Pen­si­on

Es besteht kei­ne Infor­ma­ti­ons­pflicht der Ren­ten­ver­si­che­rung, den Tod der ren­ten­ver­si­cher­ten Ehe­frau dem geschie­de­nen Pen­sio­när mit­zu­tei­len, damit die­ser den Weg­fall einer durch den Ver­sor­gungs­aus­gleich bewirk­ten Pen­si­ons­kür­zung bean­tra­gen kann.

Der nicht mit­ge­teil­te Tod der geschie­de­nen Ehe­frau und die zu gerin­ge Pen­si­on

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall einem Pen­sio­när den Aus­gleich sei­ner Pen­si­ons­kür­zun­gen im Wege des Scha­dens­er­sat­zes ver­wei­gert. Im Rah­men eines 1989 durch­ge­führ­ten Ver­sor­gungs­aus­gleichs wur­den Anwart­schaf­ten in der Beam­ten­ver­sor­gung des heu­te 72 Jah­re alten Klä­gers aus Schwer­te auf das Ren­ten­kon­to sei­ner geschie­de­nen Ehe­frau über­tra­gen. Des­we­gen erhielt der Klä­ger spä­ter eine um ca. 550 Euro monat­lich gekürz­te Pen­si­on. Nach dem Tode der Ehe­frau im Juli 2007 bean­trag­te er (erst) im August 2010 den Weg­fall der Pen­si­ons­kür­zung, weil er – so sei­ne Dar­stel­lung – erst zu die­sem Zeit­punkt vom Tode sei­ner geschie­de­nen Ehe­frau erfah­ren habe. Mit der Begrün­dung, die Ren­ten­ver­si­che­rung habe es amts­pflicht­wid­rig ver­säumt, ihm den Tod sei­ner ehe­ma­li­gen Ehe­frau mit­zu­tei­len, hat er von die­ser im Wege des Scha­dens­er­sat­zes den Aus­gleich sei­ner Pen­si­ons­kür­zun­gen von Juli 2007 bis August 2010 in Höhe von ins­ge­samt ca. 21.000 Euro bean­tragt. Nach­dem die Kla­ge bereits vom Land­ge­richt Hagen abge­wie­sen wor­den war, hat der Klä­ger sein Ziel vor dem Ober­lan­des­ge­richt Hamm wei­ter ver­folgt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm sei die Beklag­te nicht ver­pflich­tet gewe­sen, den Klä­ger über den Tod sei­ner im Jah­re 2007 ver­stor­be­nen, ehe­ma­li­gen Ehe­frau zu infor­mie­ren: Eine der­ar­ti­ge Infor­ma­ti­ons­pflicht erge­be sich nicht aus einer inter­nen Arbeits­an­wei­sung der Beklag­ten, weil die­se die Beklag­te nur gegen­über ihren Mit­glie­dern ver­pflich­te. Die in § 14 SGB I gere­gel­te Bera­tungs­pflicht der Ren­ten­ver­si­che­rung gel­te eben­falls nicht gegen­über Berech­tig­ten der Beam­ten­ver­sor­gung.

Auf eine ent­spre­chen­de Anwen­dung der genann­ten gesetz­li­chen Rege­lung kön­ne sich der Klä­ger jeden­falls im vor­lie­gen­den Fall nicht beru­fen. Zum Einen habe er die zur Über­prü­fung eines Weg­falls der Pen­si­ons­kür­zung erfor­der­li­chen Anga­ben von der Beklag­ten jeder­zeit erfra­gen kön­nen und hät­te dann Aus­kunft über den Tod sei­ner ehe­ma­li­gen Ehe­frau erhal­ten. Zum Ande­ren habe nach der im Jah­re 2007 gel­ten­den Rechts­la­ge eine Pen­si­ons­kür­zung rück­wir­kend kor­ri­giert wer­den kön­nen, so dass der Klä­ger nach dem sei­ner­zeit gel­ten­den Recht durch eine ver­zö­ger­te Antrag­stel­lung kei­nen Nach­teil erlit­ten hät­te.

Die­se Rechts­la­ge habe sich erst zum 01.09.2009 geän­dert, nach­dem der Gesetz­ge­ber die Mög­lich­keit abge­schafft habe, die Kür­zung von Ren­teno­der Ver­sor­gungs­be­zü­gen – bezo­gen auf die Antrag­stel­lung – auch rück­wir­kend zu besei­ti­gen. Nach die­ser Rechts­än­de­rung habe die Beklag­te den Klä­ger eben­falls nicht auf den bereits im Jah­re 2007 ein­ge­tre­te­nen Tod sei­ner Ehe­frau hin­wei­sen müs­sen. Aus Sicht der Beklag­ten habe es kei­nen Anlass zu einer – vom Klä­ger auch nicht nach­ge­frag­ten – Bera­tung gege­ben. Der Vor­gang sei bei ihr bereits über zwei Jah­re abge­schlos­sen und nicht Gegen­stand wei­te­rer Prü­fun­gen gewe­sen. Eine Geset­zes­än­de­rung ver­pflich­te die Beklag­te dann nicht dazu, vor­sorg­lich von sich aus abge­schlos­se­ne Vor­gän­ge im Hin­blick auf recht­li­che Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten ihrer Mit­glie­der oder gar Drit­ter noch ein­mal zu über­prü­fen.

Eine Amts­pflicht­ver­let­zung der beklag­ten Ren­ten­ver­si­che­rung hat das Ober­lan­des­ge­richt nicht fest­ge­stellt. Die Rechts­fra­ge, ob die Beklag­te zur Infor­ma­ti­on eines aus­gleich­pflich­ti­gen Nicht­mit­glie­des oder des­sen Ver­sor­gungs­trä­ger ver­pflich­tet sei, wenn sie vom Tod des aus­gleich­be­rech­tig­ten Mit­glie­des erst nach dem 01.09.2009 erfah­ren habe, hat das Ober­lan­des­ge­richt nicht zu ent­schei­den gehabt.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 27. Novem­ber 2013 – 11 U 33/​13