Grund­si­che­rung für Heim­be­woh­ner

Der sozi­al­hil­fe­recht­li­che Grund­si­che­rungs­be­darf für Heim­be­woh­ner bemisst sich nach einem aktu­el­len Urteil des Sozi­al­ge­richts Karls­ru­he nach dem Regel­satz für Haus­halts­an­ge­hö­ri­ge. Die durch­schnitt­li­chen ange­mes­se­nen Unter­kunfts­kos­ten im Heim sind fik­tiv durch Ver­gleichs­be­rech­nung der tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen im Bereich des jewei­li­gen Sozi­al­hil­fe­trä­gers zu ermit­teln.

Grund­si­che­rung für Heim­be­woh­ner

In dem vom SG Karls­ru­he zu ent­schei­den­den Fall begehr­te die 84jährige ver­wit­we­te Klä­ge­rin als Bewoh­ne­rin eines Alten- und Pfle­ge­heims höhe­re ergän­zen­de Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung. Bezo­ge­ne Ren­ten und Pfle­ge­ver­si­che­rungs­leis­tun­gen rei­chen zur Deckung der Heim­kos­ten von mtl. ca. 2.100 € nicht aus. Die Klä­ge­rin wen­det sich gegen die aus ihrer Sicht der Höhe nach unzu­rei­chen­den Bewil­li­gungs­be­schei­de der beklag­ten Stadt. Die Stadt habe bei der Berech­nung des Bedarfs feh­ler­haft den nied­ri­ge­ren Regel­satz für Haus­halts­an­ge­hö­ri­ge (der­zeit mtl. 281 €) zugrun­de gelegt. Ihr ste­he aber der Regel­satz eines Haus­halts­vor­stands (der­zeit mtl. 351 €) zu. Außer­dem sei­en die der Bedarfs­be­rech­nung zugrun­de geleg­ten Unter­kunfts­kos­ten feh­ler­haft fest­ge­stellt wor­den. Die Stadt habe die Unter­kunfts­kos­ten kon­kret-indi­vi­du­ell zu ermit­teln und dür­fe sich nicht mit einer fik­ti­ven Ver­gleichs­be­rech­nung begnü­gen.

Das Sozi­al­ge­richt hat die von der Klä­ge­rin erho­be­ne Kla­ge abge­wie­sen und aus­ge­führt: Bei Leis­tun­gen in sta­tio­nä­ren Ein­rich­tun­gen sei der nied­ri­ge­re Regel­satz für Haus­halts­an­ge­hö­ri­ge maß­geb­lich. Denn Heim­be­woh­ner führ­ten in der Ein­rich­tung kei­nen eigen­stän­di­gen Haus­halt. In der Ein­rich­tung ent­stün­den für sie auch kei­ne Kos­ten, die außer­halb der Ein­rich­tung für einen Haus­halts­vor­stand anfie­len. Hin­zu kom­me, das der, der Klä­ge­rin zusätz­lich gewähr­te Bar­be­trag von mtl. 92 € den Regel­satz teil­wei­se erset­ze, mit der Fol­ge, dass eine Par­al­lel­ge­wäh­rung von vol­lem Regel­satz für Haus­halts­vor­stän­de und Bar­be­trag eine vom Gesetz­ge­ber nicht vor­ge­se­he­ne Leis­tungs­dop­pe­lung zur Fol­ge hät­te. Hin­sicht­lich der Unter­brin­gungs­kos­ten in Hei­men sei eine fik­ti­ve Berech­nung der Unter­kunfts- und Heiz­kos­ten gesetz­lich vor­ge­se­hen; die vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt für den all­ge­mei­nen Woh­nungs­markt ent­wi­ckel­te Recht­spre­chung der kon­kret-indi­vi­du­el­len Maß­stabs­bil­dung sei bei der Ange­mes­sen­heits­prü­fung von Leis­tun­gen für Unter­kunft und Hei­zung in sta­tio­nä­ren Ein­rich­tun­gen schon dem Grun­de nach nicht anwend­bar.

Sozi­al­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 29. Janu­ar 2009 – S 4 SO 5189/​07