Kos­ten­bei­trä­ge für die Kin­der­ta­ges­pfle­ge

Für die Erhe­bung von Kos­ten­bei­trä­gen für die Inan­spruch­nah­me von Kin­der­ta­ges­pfle­ge im Rah­men der Jugend­hil­fe bedür­fen die Jugend­äm­ter in Nie­der­sach­sen einer Sat­zung.

Kos­ten­bei­trä­ge für die Kin­der­ta­ges­pfle­ge

Anlass für die­ses Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Göt­tin­gen war die Kla­ge einer jun­gen Mut­ter, die sich gegen die Nach­for­de­rung von Kos­ten­bei­trä­gen für die vom Jugend­amt des beklag­ten Land­krei­ses Ostero­de am Harz geför­der­te Inan­spruch­nah­me einer Kin­der­ta­ges­pfle­ge­per­son gewandt hat. Der Land­kreis hat­te den Kos­ten­bei­trag der Klä­ge­rin, den er zunächst auf 0,50 € pro Pfle­ge­stun­de fest­ge­setzt hat­te auf 1,90 € je Stun­de erhöht, nach­dem die Klä­ge­rin ein höhe­res Ein­kom­men erzielt hat­te. Den Dif­fe­renz­be­trag in Höhe von ins­ge­samt etwa 1.200,00 € for­der­te er von der Klä­ge­rin nach. Dage­gen wand­te sich die­se mit ihrer Kla­ge und trug vor, die Berech­nung der Nach­for­de­rung sei für sie nicht nach­voll­zieh­bar.

Die­sem Ein­wand schloss sich das Ver­wal­tungs­ge­richt Göt­tin­gen an: Die vom Land­kreis Ostero­de am Harz erlas­se­nen Rege­lun­gen ent­hiel­ten kei­ne Aus­sa­gen dazu, wie sich das zu berück­sich­ti­gen­de Ein­kom­men, aus dem sich der Stun­den­satz erge­be, errech­ne.

Dar­über hin­aus waren die Göt­tin­ger Ver­wal­tungs­rich­ter aber auch der Ansicht, dass es an der erfor­der­li­chen gesetz­li­chen Grund­la­ge für die Erhe­bung des Kos­ten­bei­tra­ges feh­le. Der Land­kreis hät­te eine vom Kreis­tag zu beschlie­ßen­de Kos­ten­bei­trags­sat­zung erlas­sen müs­sen. Tat­säch­lich sei­en die Kos­ten­bei­trä­ge aber ledig­lich auf­grund einer ver­wal­tungs­in­ter­nen Richt­li­nie des Jugend­am­tes erho­ben wor­den. Dies ver­sto­ße gegen den Grund­satz, dass Ein­grif­fe in Rechts­po­si­tio­nen des Bür­gers einer gesetz­li­chen Grund­la­ge bedür­fen. Zwar sei in der ent­spre­chen­den Vor­schrift des Kin­der- und Jugend­hil­fe­ge­set­zes vor­ge­se­hen, dass für die Inan­spruch­nah­me von Kin­der­ta­ges­pfle­ge Kos­ten­bei­trä­ge erho­ben wer­den kön­nen, die je nach Ein­kom­men zu staf­feln sei­en. Dies recht­fer­ti­ge jedoch ledig­lich die Erhe­bung die­ser Bei­trä­ge dem Grun­de nach. Die Aus­ge­stal­tung im Ein­zel­nen müs­se, wenn es wie in Nie­der­sach­sen eine lan­des­ge­setz­li­che Rege­lung nicht gebe, der Orts­ge­setz­ge­ber regeln und dür­fe sie nicht der Ver­wal­tung über­las­sen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Göt­tin­gen, Urteil vom 5. August 2010 – 2 A 118/​09