Pflicht zum Not­fall­dienst für den Beleg­arzt

Ein gesetz­li­cher Not­fall­dienst ist auch von Beleg­ärz­ten zu leis­ten. Grund­sätz­lich ist jeder Ver­trags­arzt zum Not­fall­dienst ver­pflich­tet, so dass auch Beleg­ärz­te zum gesetz­li­chen Not­fall­dienst her­an­ge­zo­gen wer­den kön­nen.

Pflicht zum Not­fall­dienst für den Beleg­arzt

Im hier ent­schie­de­nen Fall gab das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len in Essen damit – eben­so wie in der Vor­in­stanz bereits das Sozi­al­ge­richt Dort­mund 1 – im einst­wei­li­gen Rechts­schutz end­gül­tig der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung West­fa­len-Lip­pe Recht, die einen Gynä­ko­lo­gen aus Müns­ter zu Sitz- und Fahr­diens­ten im Not­fall­dienst her­an­ge­zo­gen hat­te. Der Arzt hat­te sich dage­gen mit dem Argu­ment gewandt, der Not­fall­dienst im Bezirk Gre­ven /​Münster/​Warendorf kol­li­die­re mit sei­nen Not – , Nacht- und Wochen­end­diens­ten als Beleg­arzt im evan­ge­li­schen Kran­ken­haus Müns­ter. Inner­halb sei­ner Tätig­keit für die Ver­si­cher­ten sei er so eng ein­ge­bun­den, dass es ihm nicht zuzu­mu­ten sei, zusätz­lich noch zu einem Not­fall­dienst her­an­ge­zo­gen zu wer­den.

Dage­gen war das Lan­des­so­zi­al­ge­richt ande­rer Auf­fas­sung: Grund­sätz­lich sei jeder zuge­las­se­ne Ver­trags­arzt gesetz­lich zum Not­fall­dienst ver­pflich­tet. Der ein­zel­ne Ver­trags­arzt wer­de dadurch, dass die gesam­te Ärz­te­schaft einen Not­fall­dienst orga­ni­sie­re, von der täg­li­chen Dienst­be­reit­schaft rund um die Uhr ent­las­tet. Dafür müs­se er aber den Not­fall­dienst gleich­wer­tig mit­tra­gen. Der dar­in lie­gen­de Ein­griff in die vom Grund­ge­setz geschütz­te Berufs­frei­heit sei auch dann hin­zu­neh­men, wenn er für den ein­zel­nen Ver­trags­arzt beson­de­re, über das übli­che Maß hin­aus­ge­hen­de Unan­nehm­lich­kei­ten und Erschwer­nis­se mit sich brin­ge. Nur schwer­wie­gen­de Grün­de könn­ten im Ein­zel­fall die Befrei­ung von der Not­fall­dienst­ver­pflich­tung gebie­ten, etwa wenn der Beleg­arzt anders die Not­dienst­be­reit­schaft für sei­ne sta­tio­när unter­ge­brach­ten Pati­en­ten nicht mehr gewähr­leis­ten kön­ne. Ob der Antrag­stel­ler aus die­sem oder aus einem ande­ren schwer­wie­gen­den Grund aus­nahms­wei­se eine Befrei­ung von der grund­sätz­lich bestehen­den Pflicht zum Not­fall­dienst ver­lan­gen kann, ist Gegen­stand eines geson­der­ten Ver­wal­tungs­ver­fah­rens.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len, Beschluss vom 29. August 2011 – L 11 KA 57/​11 B ER (rechts­kräf­tig)

  1. SG Dort­mund, Beschluss vom 04.02.2011 – S 9 KA 16/​11 ER[]