Ren­te ab 63 – und der Arbeits­lo­sen­geld­be­zug in den letz­ten zwei Jah­ren

Zei­ten des Arbeits­lo­sen­geld­be­zu­ges in den letz­ten zwei Jah­ren vor Ren­ten­be­ginn sind nach einem Urteil des Bun­des­so­zi­al­ge­richts auf die 45-jäh­ri­ge War­te­zeit für die soge­nann­te Ren­te ab 63 grund­sätz­lich auch dann nicht anrech­nungs­fä­hig, wenn sie vor dem Inkraft­tre­ten der dies regeln­den Norm am 1. Juli 2014 lie­gen.

Ren­te ab 63 – und der Arbeits­lo­sen­geld­be­zug in den letz­ten zwei Jah­ren

Außer­dem liegt eine voll­stän­di­ge Geschäfts­auf­ga­be des Arbeit­ge­bers als Vor­aus­set­zung für die aus­nahms­wei­se mög­li­che Anre­chen­bar­keit von Zei­ten des Arbeits­lo­sen­geld­be­zu­ges in den letz­ten zwei Jah­ren vor Ren­ten­be­ginn auf die War­te­zeit nur dann vor, wenn das gesam­te Unter­neh­men des Arbeit­ge­bers als Basis vor­han­de­ner Beschäf­ti­gun­gen weg­fällt.

Die soge­nann­te Ren­te ab 63 – Alters­ren­te für beson­ders lang­jäh­rig Ver­si­cher­te – setzt unter ande­rem die Erfül­lung einer 45-jäh­ri­gen War­te­zeit vor­aus. Auf die­se wer­den grund­sätz­lich Zei­ten des Arbeits­lo­sen­geld­be­zu­ges ange­rech­net, es sei denn die­ser erfolgt in den letz­ten zwei Jah­ren vor Ren­ten­be­ginn. Von der Aus­nah­me sind die Fäl­le rück­aus­ge­nom­men, in denen der Leis­tungs­be­zug durch eine Insol­venz oder voll­stän­di­ge Geschäfts­auf­ga­be des Arbeit­ge­bers bedingt ist. In die­sen Fäl­len ist eine Anrech­nung auf die War­te­zeit also mög­lich. Der Begriff der voll­stän­di­gen Geschäfts­auf­ga­be ist im Gesetz nicht näher umschrie­ben und auch durch den Sprach­ge­brauch nicht ein­deu­tig bestimmt. Wie der Senat wei­ter aus­ge­führt hat, ist die­ser Begriff ins­be­son­de­re nach Sinn und Zweck der Norm im Sin­ne des Weg­falls des gesam­ten Unter­neh­mens des kon­kre­ten recht­li­chen Arbeit­ge­bers zu ver­ste­hen, um eine miss­bräuch­li­che Früh­ver­ren­tung von vorn­her­ein aus­zu­schlie­ßen. Dafür spre­chen auch sys­te­ma­ti­sche Bezü­ge zum recht­lich gleich­ge­ord­ne­ten Rück­aus­nah­me­tat­be­stand der Insol­venz1.

Die genann­ten Rege­lun­gen (§ 51 Absatz 3a Satz 1 Num­mer 3 Buch­sta­be a Teil­sät­ze 2 und 3 SGB VI) begeg­nen nach Ansicht des Bun­des­so­zi­al­ge­richts auch kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 38. Juni 2018 – B 5 R 25/​17 R

  1. vgl. hier­zu BSG, Urteil vom 17.8.2017 – B 5 R 8/​16 R – SozR 4 – 2600 § 51 Num­mer 1 Rand­num­mer 23 ff []