Der nicht nach­ge­las­se­ne Schrift­satz – und die Wie­der­eröff­nung der münd­li­chen Ver­hand­lung

Nach § 121 Satz 1, § 93 Abs. 3 Satz 2 FGO hat das Gericht nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen zu ent­schei­den, ob eine bereits geschlos­se­ne münd­li­che Ver­hand­lung wie­der­eröff­net wird.

Der nicht nach­ge­las­se­ne Schrift­satz – und die Wie­der­eröff­nung der münd­li­chen Ver­hand­lung

Das Ermes­sen ist aller­dings auf null redu­ziert, wenn durch die Ableh­nung der Wie­der­eröff­nung wesent­li­che Pro­zess­grund­sät­ze ver­letzt wür­den, z.B. weil ande­ren­falls der Anspruch eines Betei­lig­ten auf recht­li­ches Gehör ver­letzt oder die Sach­auf­klä­rung unzu­rei­chend ist.

Eine Wie­der­eröff­nung kann des­halb gebo­ten sein, wenn ein Betei­lig­ter in der münd­li­chen Ver­hand­lung mit Hin­wei­sen oder Fra­gen des Gerichts über­rascht wur­de, zu denen er nicht sofort Stel­lung neh­men konn­te, und ihm das Gericht kei­ne Mög­lich­keit mehr zur Stel­lung­nah­me gege­ben hat 1.

Vor­lie­gend hat das Finanz­amt vor Schlie­ßung der münd­li­chen Ver­hand­lung kei­ne wei­te­re Schrift­satz­frist bean­tragt. Der nach Schlie­ßung der münd­li­chen Ver­hand­lung bei dem Bun­des­fi­nanz­hof ein­ge­gan­ge­ne Schrift­satz des Finanz­am­tes gebot kei­ne Wie­der­eröff­nung der münd­li­chen Ver­hand­lung. Denn der Bun­des­fi­nanz­hof kommt auch unter Berück­sich­ti­gung der dar­in ent­hal­te­nen Aus­füh­run­gen zu kei­nem ande­ren Ent­schei­dungs­er­geb­nis.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 7. Dezem­ber 2017 – IV R 23/​14

  1. z.B. BFH, Beschluss vom 07.07.2006 – IV B 94/​05, BFH/​NV 2006, 2266; BFH, Urteil vom 17.12 2014 – IV R 57/​11, BFHE 248, 66, BSt­Bl II 2015, 536[]