Der Ver­stoß des Gerichts gegen die Sach­auf­klä­rungs­pflicht – und die Pflicht des Bevoll­mäch­tig­ten zur Wahr­neh­mung der Rech­te sei­nes Man­dan­ten

Wird ein Ver­stoß gegen die Sach­auf­klä­rungs­pflicht mit der Begrün­dung gerügt, das Finanz­ge­richt hät­te auch ohne ent­spre­chen­den Beweis­an­tritt von Amts wegen den Sach­ver­halt wei­ter auf­klä­ren müs­sen, sind nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs Aus­füh­run­gen dazu erfor­der­lich, wel­che Bewei­se das Finanz­ge­richt von Amts wegen hät­te erhe­ben bzw. wel­che Tat­sa­chen es hät­te auf­klä­ren müs­sen, aus wel­chen Grün­den sich ihm die Not­wen­dig­keit einer Beweis­erhe­bung auch ohne Antrag hät­te auf­drän­gen müs­sen, wel­che ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Tat­sa­chen sich bei einer Beweis­auf­nah­me vor­aus­sicht­lich erge­ben hät­ten und inwie­fern die Beweis­erhe­bung auf der Grund­la­ge des mate­ri­ell-recht­li­chen Stand­punkts des Finanz­ge­richt zu einer ande­ren Ent­schei­dung hät­te füh­ren kön­nen 1.

Der Ver­stoß des Gerichts gegen die Sach­auf­klä­rungs­pflicht – und die Pflicht des Bevoll­mäch­tig­ten zur Wahr­neh­mung der Rech­te sei­nes Man­dan­ten

War der Klä­ger ‑wie hier- bereits vor dem Finanz­ge­richt sach­kun­dig ver­tre­ten, hat er zusätz­lich dar­zu­le­gen, wes­halb er nicht schon vor dem Tat­sa­chen­ge­richt die Erhe­bung wei­te­rer Bewei­se bean­tragt hat 2.

Im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren hat­te der Klä­ger kei­ne hin­rei­chen­den Grün­de dafür dar­legt, wes­halb er nicht schon vor dem Finanz­ge­richt wei­te­re Beweis­erhe­bun­gen bean­tragt hat­te. Er behaup­tet zwar, den Ein­druck gehabt zu haben, das Gericht mit der­ar­ti­gen Anträ­gen "zu ener­vie­ren". Der Umstand, dass in der münd­li­chen Ver­hand­lung unter­schied­li­che Inter­es­sen­la­gen zwi­schen dem der Ver­fah­rens­be­schleu­ni­gung ver­pflich­te­ten Gericht einer­seits und den auf die Durch­set­zung ihrer Stand­punk­te bedach­ten Betei­lig­ten ande­rer­seits bestehen kön­nen –-wofür im kon­kre­ten Fall aus­weis­lich des vor­lie­gen­den Pro­to­kolls aller­dings nichts ersicht­lich ist‑, ent­bin­det einen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten jedoch nicht davon, die ver­fah­rens­recht­li­chen Rech­te sei­nes Man­dan­ten bereits vor dem Finanz­ge­richt ‑und nicht erst im Rechts­mit­tel­ver­fah­ren- wahr­zu­neh­men und erfor­der­li­chen­falls auch auf einer Pro­to­kol­lie­rung gestell­ter (Beweis-)Anträ­ge, wesent­li­cher Vor­gän­ge der Ver­hand­lung (§ 160 Abs. 2 ZPO) oder sons­ti­ger Vor­gän­ge oder Äuße­run­gen (§ 160 Abs. 4 ZPO) zu bestehen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 30. Janu­ar 2014 – X B 63/​13

  1. BFH, Beschlüs­se vom 18.05.2011 – X B 124/​10, BFH/​NV 2011, 1838, unter II. 2.d; und vom 22.08.2012 – X B 155/​11, BFH/​NV 2012, 2015, unter II. 1.a[]
  2. BFH, Urteil vom 19.10.2005 – XI R 64/​04, BFHE 211, 475, BSt­Bl II 2006, 371, unter II. 1.[]