Die nach­träg­lich berich­tig­te Zustel­lungs­ur­kun­de

Nach § 182 Abs. 1 Satz 2 i.V.m. § 418 Abs. 1 ZPO, der auch im finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren gilt 1, begrün­det die Zustel­lungs­ur­kun­de vol­len Beweis des dar­in bezeug­ten Zustel­lungs­vor­gangs.

Die nach­träg­lich berich­tig­te Zustel­lungs­ur­kun­de

Inwie­fern Durch­strei­chun­gen die Beweis­kraft der Urkun­de ganz oder teil­wei­se auf­he­ben oder min­dern, ent­schei­det das Gericht gemäß § 419 ZPO nach frei­er Über­zeu­gung.

Eine nach­träg­li­che Berich­ti­gung, etwa durch einen von dem Zustel­ler unter­zeich­ne­ten Ver­merk auf der Urkun­de, ist mög­lich 2 und eben­falls nach § 419 ZPO zu wür­di­gen 3.

Die Beweis­kraft einer Zustel­lungs­ur­kun­de kann nicht durch die blo­ße Behaup­tung, das Schrift­stück nicht erhal­ten zu haben, besei­tigt wer­den 4. Ein Gegen­be­weis erfor­dert viel­mehr den Beweis der Unrich­tig­keit der in der Zustel­lungs­ur­kun­de bezeug­ten Tat­sa­chen 5.

Das Gericht hat die Beweis­kraft der Zustel­lungs­ur­kun­de und die Beweis­kraft etwai­ger Gegen­be­weis­mit­tel gegen­ein­an­der abzu­wä­gen 6.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 23. Novem­ber 2016 – IV B 39/​16

  1. BFH, Beschluss vom 18.01.2011 – IV B 53/​09[]
  2. BVerwG, Urteil vom 26.06.1984 – 9 CB 1092/​81; Zöller/​Stöber, ZPO, 31. Aufl., § 182 Rz 20[]
  3. BGH, Urteil vom 19.07.2007 – I ZR 136/​05[]
  4. BFH, Beschluss vom 21.08.2002 – VIII B 58/​02, BFH/​NV 2003, 176[]
  5. BFH, Urteil vom 20.02.1992 – V R 39/​88, BFH/​NV 1992, 580, m.w.N.; BFH, Beschluss vom 18.01.2011 – IV B 53/​09[]
  6. BFH, Urteil vom 28.07.2015 – VIII R 50/​13[]