Die Sach­auf­klä­rungs­rü­ge in der Revi­si­ons­be­grün­dung

Die Revi­si­ons­be­grün­dung muss – neben der Erklä­rung, inwie­weit das Urteil ange­foch­ten und des­sen Auf­he­bung bean­tragt wird (Revi­si­ons­an­trä­ge) – die Anga­be der Revi­si­ons­grün­de ent­hal­ten, und zwar die bestimm­te Bezeich­nung der Umstän­de, aus denen sich die Rechts­ver­let­zung ergibt und – soweit die Revi­si­on dar­auf gestützt wird, dass das Gesetz in Bezug auf das Ver­fah­ren ver­letzt sei – die Bezeich­nung der Tat­sa­chen, die den Man­gel erge­ben, § 120 FGO.

Die Sach­auf­klä­rungs­rü­ge in der Revi­si­ons­be­grün­dung

Wird ein Ver­stoß gegen die Sach­auf­klä­rungs­pflicht mit der Begrün­dung gerügt, das Finanz­ge­richt hät­te von Amts wegen den Sach­ver­halt wei­ter auf­klä­ren müs­sen, so sind nach § 120 FGO Aus­füh­run­gen dazu erfor­der­lich,

  • wel­che kon­kre­ten Tat­sa­chen das Finanz­ge­richt hät­te auf­klä­ren sol­len,
  • war­um die Klä­ge­rin nicht von sich aus ent­spre­chen­de Beweis­an­trä­ge gestellt hat,
  • war­um sich die Beweis­erhe­bung dem Finanz­ge­richt auch ohne beson­de­ren Antrag als erfor­der­lich hät­te auf­drän­gen müs­sen und
  • wel­che ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Tat­sa­chen sich bei einer wei­te­ren Sach­auf­klä­rung oder Beweis­auf­nah­me vor­aus­sicht­lich erge­ben hät­ten [1].

Hier­an fehl­te es im hier vom Bun­des­fi­nanz­of ent­schie­de­nen Streit­fall: Die Klä­ge­rin hat ins­be­son­de­re nicht dar­ge­tan, zu wel­chem Ergeb­nis die von ihr für erfor­der­lich gehal­te­nen bei­den unter­las­se­nen Zeu­gen­ein­ver­nah­men sowie die Bei­brin­gung von Unter­la­gen geführt hät­ten [2] und inwie­weit dies auf Basis der Rechts­auf­fas­sung des Finanz­ge­richt zu einem ande­ren Ergeb­nis hät­te füh­ren kön­nen.

Außer­dem hat die Klä­ge­rin im hier ent­schie­de­nen Fall durch ihr Ver­hal­ten in der münd­li­chen Ver­hand­lung des Finanz­ge­richts (rüge­lo­ses Ver­han­deln zur Sache) ihr Rüge­recht gemäß § 155 Satz 1 FGO i.V.m. § 295 ZPO ver­lo­ren [3].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 11. März 2020 – XI R 18/​18

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Beschlüs­se vom 29.01.2010 – III B 50/​09, BFH/​NV 2010, 919, Rz 6; vom 12.12.2012 – XI B 70/​11, BFH/​NV 2013, 705, Rz 34; vom 19.12.2016 – XI B 57/​16, BFH/​NV 2017, 599, Rz 18; vgl. auch Gräber/​Ratschow, Finanz­ge­richts­ord­nung, 9. Aufl., § 120 Rz 70[]
  2. kri­tisch zum Vor­lie­gen der ver­fah­rens­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen inso­weit auch Hein­richs­ho­fen, UStB 2018, 222, 223[]
  3. vgl. all­ge­mein die stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Beschluss vom 02.01.2019 – VIII B 131/​18, BFH/​NV 2019, 286, Rz 4; Thür­mer in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 76 FGO Rz 209, m.w.N.[]