Die Sozie­tät als Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ter – und die Ableh­nung des Ter­mins­ver­le­gungs­an­trags

Nach gefes­tig­ter höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung ist die Ver­hin­de­rung eines Pro­zess­ver­tre­ters nicht als erheb­li­cher Grund i.S. des § 227 Abs. 1 ZPO anzu­se­hen, wenn die Pro­zess­voll­macht einer Sozie­tät erteilt wor­den ist und der betref­fen­de Ter­min durch ein ande­res Mit­glied der Sozie­tät sach­ge­recht wahr­ge­nom­men wer­den kann 1.

Die Sozie­tät als Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ter – und die Ableh­nung des Ter­mins­ver­le­gungs­an­trags

Letz­te­res zu beur­tei­len hängt von den Ver­hält­nis­sen des Ein­zel­falls ab, wobei der Pro­zess­stoff und die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se der Betei­lig­ten und ihrer Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten eben­so zu berück­sich­ti­gen sind wie der Umstand, dass das Finanz­ge­richt im steu­er­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren die ein­zi­ge Tat­sa­chen­in­stanz ist und die Betei­lig­ten ein Recht dar­auf haben, ihre Sache in einer münd­li­chen Ver­hand­lung vor­zu­tra­gen 2.

Regel­mä­ßig kann davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass (zumin­dest) alle Sozii glei­cher­ma­ßen in der Lage sind, das Anlie­gen des Man­dan­ten der Sozie­tät in der münd­li­chen Ver­hand­lung zu ver­tre­ten 3. Abwei­chend hier­von wird ein Ver­weis auf eine ander­wei­ti­ge Ter­mins­ver­tre­tung nicht für zuläs­sig erach­tet, wenn die Wahr­neh­mung des Ter­mins durch eine ande­re Per­son als den eigent­li­chen Sach­be­ar­bei­ter nicht zumut­bar ist. Dies ist nament­lich dann der Fall, wenn der als Ver­tre­ter in Betracht kom­men­den Per­son kei­ne hin­rei­chen­de Ein­ar­bei­tungs­zeit zur Ver­fü­gung steht oder wenn wegen der beson­de­ren Kom­ple­xi­tät oder wegen bestimm­ter Eigen­tüm­lich­kei­ten des Ver­fah­rens anzu­neh­men ist, dass nur der mit dem Fall ver­trau­te Sach­be­ar­bei­ter die Belan­ge des Man­dan­ten ange­mes­sen ver­tre­ten kann. Sol­che Beson­der­hei­ten müs­sen indes­sen, sofern sie nicht offen­kun­dig sind, im Ein­zel­nen vor­ge­tra­gen wer­den. Geschieht dies nicht, muss von dem Bestehen einer Ver­tre­tungs­mög­lich­keit aus­ge­gan­gen und dem­ge­mäß das Vor­lie­gen erheb­li­cher Grün­de für eine Ter­mins­ver­le­gung ver­neint wer­den 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 17. Juli 2014 – XI B 87/​13

  1. vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 26.10.1998 – I B 3/​98, BFH/​NV 1999, 626; vom 10.04.2007 – XI B 58/​06, BFH/​NV 2007, 1672; vom 14.10.2013 – III B 58/​13, BFH/​NV 2014, 356[]
  2. vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 07.12 1990 – III B 102/​90, BFHE 163, 115, BSt­Bl II 1991, 240; in BFH/​NV 2007, 1672[]
  3. vgl. BFH, Beschlüs­se in BFH/​NV 1999, 626, und in BFH/​NV 2014, 356[][]