Akti­vie­rung von Pro­vi­si­ons­an­sprü­chen eines Ver­si­che­rungs­ver­tre­ters

Nach § 92 Abs. 4 HGB hat der Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter (§ 92 Abs. 1 HGB) Anspruch auf Pro­vi­si­on (§ 87a Abs. 1 HGB), sobald der Ver­si­che­rungs­neh­mer die Prä­mie gezahlt hat, aus der sich die Pro­vi­si­on nach dem Ver­trags­ver­hält­nis berech­net. Hier­nach kann ‑je nach der Ver­trags­ab­re­de- bei meh­re­ren Prä­mi­en­zah­lun­gen der gesam­te Pro­vi­si­ons­an­spruch bereits mit der Leis­tung der ers­ten Prä­mi­en­zah­lung oder ratier­lich ent­spre­chend den ein­zel­nen Prä­mi­en­zah­lun­gen ent­ste­hen 1.

Akti­vie­rung von Pro­vi­si­ons­an­sprü­chen eines Ver­si­che­rungs­ver­tre­ters

§ 92 Abs. 4 HGB ist aber dar­über hin­aus auch inso­weit dis­po­ni­bel, als die Aus­zah­lung des mit der ers­ten Prä­mi­en­zah­lung ent­ste­hen­den Pro­vi­si­ons­an­spruchs an die Prä­mi­en­zah­lung des Ver­si­che­rungs­neh­mers gebun­den wer­den kann; eine sol­che Abre­de hin­dert nicht das sofor­ti­ge Ent­ste­hen des Pro­vi­si­ons­an­spruchs, son­dern führt ledig­lich dazu, dass der Zeit­punkt der Fäl­lig­keit des Anspruchs, d.h. der Zeit­punkt zu dem der Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter die Pro­vi­si­ons­leis­tung ver­lan­gen kann, hin­aus­ge­scho­ben wird 2.

Ansprü­che aus Lie­fe­run­gen und sons­ti­gen Leis­tun­gen sind jeden­falls dann zu akti­vie­ren, wenn der Leis­tungs­ver­pflich­te­te sei­ne Ver­pflich­tung (wirt­schaft­lich) erfüllt hat und der Zah­lungs­an­spruch ent­stan­den ist. Auf die Fäl­lig­keit des Anspruchs kommt es nicht an 3. Glei­ches gilt dem­ge­mäß für die Pro­vi­sio­nen eines Han­dels- oder Ver­si­che­rungs­ver­tre­ters 4.

Das Risi­ko, dass die noch nicht fäl­li­gen Pro­vi­si­ons­tei­le nicht aus­be­zahlt wer­den, ist ‑je nach den Umstän­den des Ein­zel­falls- ent­we­der bei der Bewer­tung der For­de­rung oder durch die Pas­si­vie­rung einer ent­spre­chen­den Rück­stel­lung zu berück­sich­ti­gen 5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 9. Okto­ber 2013 – I R 15/​12

  1. s. dazu BFH, Urteil vom 17.03.2010 – X R 28/​08, BFH/​NV 2010, 2033, m.w.N.[]
  2. vgl. dazu auch BMF, Schrei­ben vom 28.05.2002[]
  3. BFH, Urteil vom 03.08.2005 – I R 94/​03, BFHE 210, 398, BSt­Bl II 2006, 20; BFH, Beschluss vom 14.04.2011 – X B 104/​10, BFH/​NV 2011, 1343[]
  4. BFH, Urteil vom 15.04.1970 – I R 107/​68, BFHE 99, 31, BSt­Bl II 1970, 517; BFH, Urteil in BFH/​NV 2010, 2033, zu II. 1.; BMF, Schrei­ben vom 28.05.2002[]
  5. BFH, Urtei­le in BFHE 99, 31, BSt­Bl II 1970, 517; vom 15.01.1963 – I 259/​61 S, BFHE 76, 699, BSt­Bl III 1963, 256; BFH, Urteil vom 17.01.1963 – IV 335/​59 S, BFHE 76, 702, BSt­Bl III 1963, 257[]