Anfech­tung eines Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheids – und der Streit­wert

In sei­nem Beschluss vom 27.11.2013 1 hat der Bun­des­fi­nanz­hof dar­ge­legt, dass in Fäl­len, in denen die Auf­he­bung eines Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheids bean­tragt wird, grund­sätz­lich der gesam­te Gewinn Gegen­stand des Rechts­streits ist.

Anfech­tung eines Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheids – und der Streit­wert

Bei der Kla­ge nur eines Gesell­schaf­ters gegen einen Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid ist der Streit­wert dabei von dem (antei­li­gen) Betrag zu berech­nen, um den der Gewinn­an­teil des kla­gen­den Gesell­schaf­ters zu ver­min­dern wäre 2.

Glei­ches gilt hin­sicht­lich der Beschei­de über die Ein­heits­wer­te des Betriebs­ver­mö­gens. Im Ver­fah­ren der geson­der­ten und ein­heit­li­chen Fest­stel­lung von Besteue­rungs­grund­la­gen bemisst sich dabei der Streit­wert nach der typi­sier­ten ein­kom­men­steu­er­li­chen oder kör­per­schaft­steu­er­li­chen Bedeu­tung für den Klä­ger. Die Bedeu­tung ist dabei grund­sätz­lich mit 25 % des strei­ti­gen Gewinns oder Ver­lusts zu bemes­sen 3. Nur aus­nahms­wei­se kommt der Ansatz eines höhe­ren oder nied­ri­ge­ren Pro­zent­sat­zes dann in Betracht, wenn ohne beson­de­re Ermitt­lun­gen im Gewinn­fest­stel­lungs­ver­fah­ren erkenn­bar ist, dass der Pau­schal­satz von 25 % den tat­säch­li­chen steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen nicht gerecht wird 4.

In die­sem Zusam­men­hang ist bereits geklärt, dass bei einem Rechts­streit, der wegen Nicht­be­stehens einer Mit­un­ter­neh­mer­schaft die ersatz­lo­se Auf­he­bung des Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheids zum Gegen­stand hat, der Ansatz eines nied­ri­ge­ren Pro­zent­sat­zes (z.B. 1 %) nicht zur Anwen­dung kommt 5. Das gilt auch dann, wenn der Bescheid in Gän­ze auf­ge­ho­ben wird, weil eine aty­pisch stil­le Gesell­schaft nicht besteht.

Wen­det man die vor­ge­nann­ten Grund­sät­ze auf die Fest­set­zung des Streit­werts für die Anfech­tung/​Aufhebung der Gewinn­fest­stel­lungs­be­schei­de an, so ergibt sich, dass hier ein pau­scha­lier­ter Satz in Höhe von 25 % zur Anwen­dung kom­men muss, weil kein Fall vor­liegt, in dem aus­nahms­wei­se ein höhe­rer oder nied­ri­ge­rer Pro­zent­satz anzu­set­zen wäre.

Soweit das Finanz­amt vor­trägt, es sei des­halb nur ein pau­scha­ler Satz von 1 % anzu­wen­den, weil die gewer­be­steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen unbe­rück­sich­tigt zu las­sen sei­en, ist dem nicht zu fol­gen. Nach der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung sind die gewer­be­steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen zwar nur zu berück­sich­ti­gen, soweit sie sich unmit­tel­bar auf die fest­ge­stell­ten Ein­künf­te aus­wir­ken. Der Wert des Streit­ge­gen­stan­des wird aber durch die Min­de­rung der Gewer­be­steu­er­rück­stel­lung beein­flusst, die sich bei einem für den Steu­er­pflich­ti­gen posi­ti­ven Aus­gang des Rechts­streits als Fol­ge einer Gewinn­min­de­rung ergibt 6. Der Erfolg der Revi­si­on der Klä­ge­rin führt aber ‑wor­auf die Klä­ge­rin auch zu Recht hin­ge­wie­sen hat- zu einer Min­de­rung der Gewer­be­steu­er­rück­stel­lung.

Im vor­lie­gen­den Fall sah der Bun­des­fi­nanz­hof aller­dings auch kei­ne Ver­an­las­sung, einen höhe­ren pau­scha­len atz als 25 % anzu­wen­den: In der Recht­spre­chung ist zwar nach den Aus­füh­run­gen im BFH, Beschluss vom 27.11.2013 – IV S 14/​13 geklärt, dass aus­nahms­wei­se der Ansatz eines höhe­ren Pro­zent­sat­zes in Betracht zu zie­hen ist, wenn es erkenn­bar zu einer höhe­ren ein­kom­men­steu­er­li­chen Aus­wir­kung kommt 7. Glei­ches gilt, wenn es sich ‑wie im vor­lie­gen­den Fall- bei der Klä­ge­rin um eine Kör­per­schaft im Sin­ne des Kör­per­schaft­steu­er­ge­set­zes (KStG) han­delt; dann ist der anzu­wen­den­de Satz nach den kör­per­schaft­steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen zu bemes­sen 8. Bei der typi­siert erfol­gen­den Ermitt­lung der kör­per­schaft­steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen darf aber bereits nicht unbe­rück­sich­tigt blei­ben, dass unter dem im Streit­fall anzu­wen­den­den Anrech­nungs­ver­fah­ren nicht nur der The­sau­rie­rungs­steu­er­satz in Höhe von 45 % (§ 23 Abs. 1 KStG in der in den Streit­jah­ren gel­ten­den Fas­sung ‑KStG a.F.-) und der Aus­schüt­tungs­steu­er­satz in Höhe von 30 % (§ 27 Abs. 1 KStG a.F.) zur Anwen­dung kom­men konn­te, son­dern auch die Mög­lich­keit bestand, dass Beträ­ge für die Aus­schüt­tung ver­wen­det wur­den, die § 30 Abs. 1 Nr. 3 i.V.m. Abs. 2 KStG a.F. unter­fie­len und nicht mit Kör­per­schaft­steu­er zu belas­ten waren. In Fäl­len, in denen sich ‑wie im Streit­fall- die steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen auf die Höhe der Ein­künf­te nur auf die Ände­rung der Gewer­be­steu­er­rück­stel­lung bezie­hen, ist zudem kein Fall gege­ben, in wel­chem der Pau­schal­satz von 25 % den tat­säch­li­chen steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen nicht gerecht wür­de. Ent­spre­chend besteht auch kein Bedürf­nis, einen höhe­ren pau­scha­lier­ten Satz anzu­wen­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 22. Janu­ar 2015 – IV S 17/​14

  1. BFH, Beschluss vom 27.11.2013 – IV S 14/​13[]
  2. stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Beschluss vom 29.09.2005 – IV E 5/​05, BFH/​NV 2006, 315, m.w.N.[]
  3. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2013, 248, m.w.N.[]
  4. vgl. z.B. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2006, 315, m.w.N.[]
  5. BFH, Beschlüs­se vom 11.09.1975 – IV B 22/​71, BFHE 116, 530, BSt­Bl II 1976, 22; vom 26.09.2011 – VIII E 2/​11, BFH/​NV 2012, 444[]
  6. BFH, Beschluss vom 28.05.1980 – IV R 135/​79, BFHE 130, 484, BSt­Bl II 1980, 591[]
  7. vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 29.02.2012 – IV E 1/​12, BFH/​NV 2012, 1153, m.w.N.[]
  8. vgl. BFH, Beschluss in BFH/​NV 1986, 481[]