Kein Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug für Nach­for­de­rungs­zin­sen

Nach § 12 Nr. 3 EStG 2004 dür­fen –vor­be­halt­lich vor­lie­gend nicht ein­schlä­gi­ger Aus­nah­me­tat­be­stän­de– die Steu­ern vom Ein­kom­men sowie die hier­auf ent­fal­len­den Neben­leis­tun­gen weder bei den ein­zel­nen Ein­kunfts­ar­ten noch vom Gesamt­be­trag der Ein­künf­te abge­zo­gen wer­den. Zu den Steu­ern vom Ein­kom­men im Sin­ne die­ser Vor­schrift sind auch die Rück­for­de­rung über­höh­ter Ein­kom­men­steu­er­erstat­tun­gen (hier: Erstat­tung auf­grund über­höh­ter anzu­rech­nen­der Kör­per­schaft­steu­er) und dem­nach zu den Neben­leis­tun­gen die hier­durch aus­ge­lös­ten –und im anhän­gi­gen Ver­fah­ren strei­ti­gen– Nach­for­de­rungs­zin­sen (§ 233a AO) zu rech­nen.

Kein Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug für Nach­for­de­rungs­zin­sen

§ 12 Nr. 3 EStG 2004 kommt mit Rück­sicht dar­auf, dass die Ein­kom­men­steu­er als per­sön­li­che Steu­er einer natür­li­chen Per­son –bei wer­ten­der Beur­tei­lung– der Pri­vat­sphä­re zuzu­rech­nen und des­halb ihr Abzug als Betriebs­aus­ga­be oder Wer­bungs­kos­ten bereits nach den §§ 4 Abs. 4, 9 Abs. 1 Satz 1 EStG 2004 –d.h. man­gels Ver­an­las­sung durch die Erwerbs­sphä­re des Steu­er­pflich­ti­gen– aus­ge­schlos­sen ist, grund­sätz­lich nur dekla­ra­to­ri­sche Bedeu­tung zu. Glei­ches gilt für Neben­leis­tun­gen zur Ein­kom­men­steu­er (§ 3 Abs. 4 AO), da sie –wie­der­um bei wer­ten­der Betrach­tung– das Schick­sal der Haupt­schuld tei­len 1.

Aus dem pri­va­ten Cha­rak­ter der Ein­kom­men­steu­er ergibt sich des Wei­te­ren, dass die Erstat­tung über­zahl­ter Ein­kom­men­steu­er an den Steu­er­pflich­ti­gen (§ 36 Abs. 4 Satz 2 EStG 2004 i.V.m. § 37 Abs. 1 letz­ter Halb­satz AO), selbst wenn sie im Zusam­men­hang mit betrieb­li­chen Ein­künf­ten des Steu­er­pflich­ti­gen steht, nicht als Betriebs­ein­nah­me anzu­set­zen, son­dern gleich­falls der nicht steu­er­ba­ren (pri­va­ten) Sphä­re zuge­wie­sen ist 2. Hier­nach berech­tigt auch die Rück­for­de­rung einer über­höh­ten Ein­kom­men­steu­er­erstat­tung durch den Steu­er­gläu­bi­ger (§ 37 Abs. 2 AO) nicht zu der Annah­me, es han­de­le sich hier­bei um einen betrieb­lich ver­an­lass­ten Auf­wand.

Fol­ge hier­von ist fer­ner, dass nach § 12 Nr. 3 Halb­satz 2 EStG 2004 i.V.m. § 3 Abs. 4 AO auch die Ver­zin­sung eines sol­chen Rück­for­de­rungs­an­spruchs gemäß § 233a AO (sog. Nach­zah­lungs­zin­sen) zu den nicht als Betriebs­aus­ga­ben anzu­set­zen­den Neben­leis­tun­gen gehört.

Das in § 12 Nr. 3 EStG gere­gel­te Abzugs­ver­bot gilt unab­hän­gig davon, ob der auf­grund der ursprüng­li­chen Steu­er­fest­set­zung oder Steu­er­an­rech­nung erstat­te­te Betrag für pri­va­te Zwe­cke oder zur Erzie­lung steu­er­ba­rer Ein­künf­te ein­ge­setzt wor­den ist. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat bereits ent­schie­den 3, dass Nach­zah­lungs­zin­sen (§ 233a AO) auch dann nach § 12 Nr. 3 EStG vom Wer­bungs­kos­ten­ab­zug aus­ge­schlos­sen sind, wenn der nach­zu­zah­len­de Betrag zuvor zur Erzie­lung von Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen ver­wen­det wor­den ist; zugleich hat er erkannt und aus­führ­lich erläu­tert, dass gegen die­se Wür­di­gung kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken bestehen 4. Dem­nach kann der Zuord­nung der Nach­zah­lungs­zin­sen zu den Neben­leis­tun­gen im Sin­ne von § 12 Nr. 3 EStG nicht ent­ge­gen­ste­hen, dass die auf der über­höh­ten Fest­stel­lung der anzu­rech­nen­den Kör­per­schaft­steu­er beru­hen­de Steu­er­erstat­tung der Finan­zie­rung betrieb­li­cher Auf­wen­dun­gen dien­te.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 21. Okto­ber 2010 – IV R 6/​08

  1. sog. Annex­qua­li­fi­ka­ti­on; vgl. –zu allem– BFH, Urteil vom 28.11.1991 – IV R 122/​90, BFHE 166, 257, BSt­Bl II 1992, 342, mit umfang­rei­chen Nach­wei­sen[]
  2. vgl. –zur Kör­per­schaft­steu­er– BFH, Urteil vom 04.12.1991 – I R 26/​91, BFHE 167, 32, BSt­Bl II 1992, 686: actus con­tra­ri­us zur Zah­lung; all­ge­mein Blümich/​Wied, § 4 EStG Rz 545; Schmidt/​Hei­ni­cke, EStG, 29. Aufl., § 4 Rz 460, unter Abfin­dun­gen, zu e/​bb[]
  3. BFH, Urteil in BFHE 223, 15, BSt­Bl II 2010, 25 []
  4. vgl. zur Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit: auch BFH, Urteil vom 15.11.2006 – XI R 73/​03, BFHE 216, 61, BSt­Bl II 2007, 387; sowie zu § 10 Nr. 2 KStG 2002: BFH, Urteil vom 06.10.2009 – I R 39/​09, BFH/​NV 2010, 470[]