Über­stei­gen­de Anschaf­fungs­kos­ten des per­sön­lich haf­ten­den KGaA-Gesell­schaf­ters

Die Ein­la­ge eines per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters einer KGaA über­stei­gen­de Anschaf­fungs­kos­ten sind in einer Ergän­zungs­bi­lanz zu erfas­sen.

Über­stei­gen­de Anschaf­fungs­kos­ten des per­sön­lich haf­ten­den KGaA-Gesell­schaf­ters

Aus einer sol­chen Ergän­zungs­bi­lanz fol­gen­de Gewinn­min­de­run­gen und Gewinn­erhö­hun­gen wir­ken sich weder auf den Betriebs­ver­mö­gens­ver­gleich der KGaA noch auf den Gewinn­an­teil i.S. des § 9 Abs. 1 Nr. 1 KStG und des § 8 Nr. 4 GewStG aus, son­dern gehen aus­schließ­lich in die Ermitt­lung der Ein­künf­te i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 EStG und des Gewer­be­er­trags des per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters ein.

Der Erwerb und die Ein­zie­hung eige­ner Kom­man­ditak­ti­en durch die KGaA füh­ren auch dann nicht zum Ansatz zusätz­li­cher, in einer Ergän­zungs­bi­lanz aus­zu­wei­sen­der Anschaf­fungs­kos­ten des per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters, wenn der Unter­schieds­be­trag zwi­schen dem Nenn­be­trag und dem Kauf­preis der eige­nen Akti­en mit dem vom per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ter auf­ge­brach­ten Eigen­ka­pi­tal ver­rech­net wird [1].

Die Gewer­be­er­trags­er­mitt­lung nach § 7 GewStG erfolgt mate­ri­ell-recht­lich eigen­stän­dig; auch ver­fah­rens­recht­lich stel­len Kör­per­schaft­steu­er- und Fest­stel­lungs­be­schei­de inso­weit kei­ne Grund­la­gen­be­schei­de dar, wel­che die Finanz­ver­wal­tung und das Finanz­ge­richt dar­an hin­dern könn­ten, die steu­er­li­che Ein­ord­nung der Ein­künf­te und deren Höhe im Gewer­be­steu­er­ver­fah­ren anders zu tref­fen als im Kör­per­schaft­steu­er­ver­fah­ren [2]. Eine Ver­pflich­tung zur Aus­set­zung des Kla­ge­ver­fah­rens nach § 74 FGO ergibt sich inso­weit nicht [3].

Bei der Ermitt­lung des Gewinn­an­teils eines per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters einer KGaA i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 EStG sind AfA für die in einer Ergän­zungs­bi­lanz aus­zu­wei­sen­den Anschaf­fungs­kos­ten zu berück­sich­ti­gen.

Im Inter­es­se einer zutref­fen­den Besteue­rung des ein­zel­nen Mit­un­ter­neh­mers i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG sind Ergän­zungs­bi­lan­zen zu bil­den, wenn es einer Kor­rek­tur der sich aus der Gesamt­hand­s­bi­lanz erge­ben­den Wert­an­sät­ze für die Wirt­schafts­gü­ter des Gesell­schafts­ver­mö­gens und damit des Werts der Betei­li­gung eines Mit­un­ter­neh­mers bedarf [4]. Ins­be­son­de­re ist eine Ergän­zungs­bi­lanz bei einem ent­gelt­li­chen Erwerb eines Gesell­schafts­an­teils erfor­der­lich, um die Dif­fe­renz zwi­schen den Anschaf­fungs­kos­ten des Erwer­bers und dem in der Gesell­schafts­bi­lanz fort­zu­füh­ren­den Kapi­tal­kon­to des Ver­äu­ße­rers aus­zu­wei­sen [5].

Einer sol­chen Berich­ti­gung bedarf es auch, wenn ein wei­te­rer Gesell­schaf­ter in eine bereits bestehen­de Gesell­schaft gegen eine Ein­la­ge in das Gesell­schafts­ver­mö­gen ein­tritt und die sich dar­aus erge­ben­den Anschaf­fungs­kos­ten bilan­zi­ell nicht voll­stän­dig in des­sen Kapi­tal­kon­to aus­ge­wie­sen wer­den [6]. Bezugs­grö­ßen sind einer­seits das antei­li­ge Eigen­ka­pi­tal an der Mit­un­ter­neh­mer­schaft und ande­rer­seits die Anschaf­fungs­kos­ten bzw. der Wert der in die Mit­un­ter­neh­mer­schaft ein­ge­brach­ten Wirt­schafts­gü­ter [7].

Hier­bei ist zu beach­ten, dass der Anteil an einer Per­so­nen­ge­sell­schaft steu­er­recht­lich kein Wirt­schafts­gut dar­stellt. Viel­mehr ver­kör­pert er die Sum­me aller Antei­le an den zum Gesell­schafts­ver­mö­gen gehö­ren­den Wirt­schafts­gü­tern [8]. Damit han­delt es sich bei dem ent­gelt­li­chen Erwerb eines Mit­un­ter­neh­mer­an­teils steu­er­recht­lich nicht um die Anschaf­fung eines Gesell­schafts­an­teils, son­dern um die ent­gelt­li­che Anschaf­fung von ent­spre­chen­den Antei­len an den ein­zel­nen zum Gesell­schafts­ver­mö­gen gehö­ren­den Wirt­schafts­gü­tern [9].

Dem­ge­mäß wei­sen Ergän­zungs­bi­lan­zen ‑hin­sicht­lich des auf den ein­zel­nen Mit­un­ter­neh­mer ent­fal­len­den ideel­len Teils- Kor­rek­tu­ren zu den in der Steu­er­bi­lanz der Per­so­nen­ge­sell­schaft vor­ge­nom­me­nen Wert­an­sät­zen für die ein­zel­nen Wirt­schafts­gü­ter des Gesell­schafts­ver­mö­gens aus [10]. Zu die­sem Zweck wer­den die auf den Erwer­ber ent­fal­len­den Buch­wer­te der Wirt­schafts­gü­ter des Gesell­schafts­ver­mö­gens in der Ergän­zungs­bi­lanz durch Kor­rek­tu­ren her­auf- oder her­ab­ge­setzt, die in der Fol­ge ent­spre­chend dem Ver­brauch der Wirt­schafts­gü­ter gewinn­min­dernd oder gewinn­er­hö­hend auf­ge­löst wer­den [11].

Die­se Grund­sät­ze sind ‑ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Hes­si­schen Finanz­ge­richts [12]- auf den per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ter einer KGaA über­trag­bar [13].

Die per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ter einer KGaA wer­den zwar ‑anders als etwa der Kom­ple­men­tär einer KG- im Gesetz nicht als Mit­un­ter­neh­mer bezeich­net. Jedoch stel­len nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 EStG die Gewinn­an­tei­le der per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ter einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft auf Akti­en ‑eben­so wie die Gewinn­an­tei­le eines Mit­un­ter­neh­mers- Ein­künf­te aus Gewer­be­be­trieb dar. Glei­ches gilt ‑inso­weit nahe­zu wort­gleich zu § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG- für Ver­gü­tun­gen, die der Gesell­schaf­ter von der Gesell­schaft für sei­ne Tätig­keit im Dienst der Gesell­schaft oder für die Hin­ga­be von Dar­le­hen oder für die Über­las­sung von Wirt­schafts­gü­tern bezo­gen hat. Vor die­sem Hin­ter­grund sind die per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ter einer KGaA "wie Mit­un­ter­neh­mer" zu behan­deln [14].

Aus die­ser Gleich­stel­lung folgt des Wei­te­ren, dass auch der Erwerb einer Betei­li­gung als per­sön­lich haf­ten­der Gesell­schaf­ter einer KGaA ‑eben­so wie der Erwerb eines Mit­un­ter­neh­mer­an­teils [15]- nicht anders zu behan­deln ist als der Erwerb eines Ein­zel­un­ter­neh­mens. Dem­nach sind ‑auch um eine Besteue­rung nach Maß­ga­be des indi­vi­du­el­len durch die Erzie­lung gewerb­li­cher Ein­künf­te ver­an­lass­ten Auf­wands sicher­zu­stel­len- dem Gewinn­an­teil des per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters des­sen Ver­mö­gens­auf­wen­dun­gen zeit­ge­recht und nicht erst im Zeit­punkt der Ver­äu­ße­rung zuzu­ord­nen [16]. Dies bedingt zugleich, im Fal­le eines in eine KGaA ein­tre­ten­den per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters die des­sen Ein­la­ge über­stei­gen­den Anschaf­fungs­kos­ten in einer Ergän­zungs­bi­lanz zu erfas­sen und erfolgs­wirk­sam fort­zu­ent­wi­ckeln.

Der Ein­be­zie­hung von Ergän­zungs­bi­lan­zen in die Gewinn­ermitt­lung des per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters steht nicht ent­ge­gen, dass die­ser ‑im Gegen­satz zu einem Gesell­schaf­ter einer Per­so­nen­ge­sell­schaft- nicht ding­lich an den Wirt­schafts­gü­tern der KGaA betei­ligt ist. Zwar hat die KGaA eige­nes Ver­mö­gen, das bür­ger­lich-recht­lich ihr allein ‑und im Ver­hält­nis zu ihren Gesell­schaf­tern unein­ge­schränkt- gehört [17]. Ins­be­son­de­re die Ein­la­ge des per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters steht allein der KGaA zu [18]. Jedoch bestimmt sich nach § 278 Abs. 2 AktG das Rechts­ver­hält­nis der gemäß § 278 Abs. 1 AktG den Gesell­schafts­gläu­bi­gern unbe­schränkt per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ter unter­ein­an­der und gegen­über der Gesamt­heit der Kom­man­ditak­tio­nä­re sowie gegen­über Drit­ten, nament­lich die Befug­nis der per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ter zur Geschäfts­füh­rung und zur Ver­tre­tung der Gesell­schaft, nach den Vor­schrif­ten über die Kom­man­dit­ge­sell­schaft. Die dar­aus fol­gen­de Organ­stel­lung und die Außen­haf­tung des per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters recht­fer­ti­gen es, ihn dem aty­pisch stil­len Gesell­schaf­ter gleich­zu­stel­len, der wegen sei­ner schuld­recht­li­chen Betei­li­gung auch an den stil­len Reser­ven und an einem Geschäfts­wert als Mit­un­ter­neh­mer i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG behan­delt wird [19]. Sind für die­sen aber ‑trotz feh­len­der ding­li­cher Berech­ti­gung an den Ver­mö­gens­ge­gen­stän­den der Gesell­schaft- Ergän­zungs­bi­lan­zen zu bil­den [20], muss Glei­ches erst recht für den per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ter einer KGaA gel­ten, der für Zwe­cke des Ertrags­steu­er­rechts einem ding­lich berech­tig­ten Gesell­schaf­ter gleich­steht [21].

Bestä­ti­gung fin­det die­se Beur­tei­lung in § 16 Abs. 2 Satz 1 EStG, nach dem für die Berech­nung des Gewinns sowohl bei der Ver­äu­ße­rung eines gesam­ten Mit­un­ter­neh­mer­an­teils (§ 16 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG) als auch bei der des gesam­ten Anteils eines per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters einer KGaA (§ 16 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 EStG) der Wert des Anteils am Betriebs­ver­mö­gen maß­geb­lich ist. Ist dem­nach für Zwe­cke der Besteue­rung des Ver­äu­ße­rungs­ge­winns von einem Anteil am Betriebs­ver­mö­gen der KGaA aus­zu­ge­hen, so wäre es nicht ein­sich­tig, hier­von im Rah­men der lau­fen­den Besteue­rung des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 EStG abzu­rü­cken.

Aus einer sol­chen Ergän­zungs­bi­lanz fol­gen­de Gewinn­min­de­run­gen und Gewinn­erhö­hun­gen sind aus­schließ­lich in die Ermitt­lung des ‑im Streit­fall nach § 2 Abs. 2 Satz 2 GewStG dem Gewer­be­er­trag der A GmbH als Organ­trä­ge­rin der B GmbH zuzu­rech­nen­den- Gewer­be­er­trags des per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters ein­zu­be­zie­hen [22].

Gemäß § 8 Nr. 4 GewStG sind bei der Ermitt­lung des Gewer­be­er­trags einer KGaA dem Gewinn aus Gewer­be­be­trieb die Gewinn­an­tei­le wie­der hin­zu­zu­rech­nen, die an per­sön­lich haf­ten­de Gesell­schaf­ter einer KGaA auf ihre nicht auf das Grund­ka­pi­tal gemach­ten Ein­la­gen oder als Ver­gü­tung (Tan­tie­me) für die Geschäfts­füh­rung ver­teilt wor­den sind und die als abzugs­fä­hi­ge Auf­wen­dun­gen i.S. des § 9 Abs. 1 Nr. 1 KStG den Gewinn aus Gewer­be­be­trieb zunächst gemin­dert haben. Gleich­zei­tig ist auf Ebe­ne des per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters nach § 9 Nr. 2b GewStG die Sum­me des Gewinns und der Hin­zu­rech­nun­gen um die nach § 8 Nr. 4 GewStG dem Gewer­be­er­trag der KGaA hin­zu­ge­rech­ne­ten Gewinn­an­tei­le zu kür­zen, wenn die­se bei der Ermitt­lung des Gewinns i.S. des § 7 GewStG über § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 EStG ‑bei der B GmbH i.V.m. § 8 Abs. 1 Satz 1 KStG- als gewerb­li­che Ein­künf­te ange­setzt wor­den sind. Damit wird der auf den per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ter ent­fal­len­de Teil des Gewinns i.S. des § 9 Abs. 1 Nr. 1 KStG grund­sätz­lich bei der KGaA der Gewer­be­steu­er unter­wor­fen [23].

Zwar gehen in den Gewer­be­er­trag einer Per­so­nen­ge­sell­schaft auch die Ergeb­nis­se von Ergän­zungs­bi­lan­zen ihrer Gesell­schaf­ter ein [24]. Die Ergän­zungs­bi­lanz eines per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters einer KGaA steht jedoch außer­halb des Anwen­dungs­be­reichs des § 8 Nr. 4 GewStG sowie ‑dazu kor­re­spon­die­rend [25]- der Kür­zung gemäß § 9 Nr. 2b GewStG. § 9 Abs. 1 Nr. 1 KStG und § 8 Nr. 4 GewStG sind Vor­schrif­ten zur Ermitt­lung des Ein­kom­mens bzw. des Gewer­be­er­trags der KGaA. Sie stel­len ‑abwei­chend von § 9 Nr. 2 GewStG- nicht auf die Antei­le des per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters am Gesamt­ge­winn der Mit­un­ter­neh­mer­schaft ab; maß­geb­lich ist nach § 9 Abs. 1 Nr. 1 KStG und § 8 Nr. 4 GewStG viel­mehr der von der KGaA "ver­teil­te" Gewinn und mit­hin eine Bezugs­grö­ße, die durch die indi­vi­du­el­len Anschaf­fungs­kos­ten des per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters nicht beein­flusst wird [26]. Ange­sichts die­ses ein­deu­ti­gen Rege­lungs­in­halts sowie man­gels einer gegen­läu­fi­gen und unmiss­ver­ständ­li­chen Wer­tung des Geset­zes, ist es dem Bun­des­fi­nanz­hof auch ver­wehrt, im Wege der Rechts­fort­bil­dung einen voll­stän­di­gen Gleich­lauf zwi­schen den Rege­lun­gen der §§ 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 und § 16 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 EStG (ggf. i.V.m. § 8 Abs. 1 KStG) einer­seits sowie dem nach den vor­ge­nann­ten Bestim­mun­gen zu erfas­sen­den Gewer­be­er­trag der KGaA ande­rer­seits her­zu­stel­len. Dass damit die Ergän­zungs­bi­lanz des per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters ‑eben­so wie das Son­der­be­triebs­ver­mö­gen [18]- im Ergeb­nis kei­nen Ein­gang in die Bilanz der KGaA fin­det, son­dern allein Bedeu­tung für die Ermitt­lung der Ein­künf­te i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 EStG hat, trägt zudem der Eigen­schaft der KGaA als eigen­stän­di­ges Steu­er­sub­jekt Rech­nung.

Hier­ge­gen lässt sich nicht ein­wen­den, dass bei einer feh­len­den Gewer­be­steu­er­pflicht des per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters Gewinn­min­de­run­gen aus dem Ergän­zungs­be­reich gewer­be­steu­er­recht­lich nicht erfasst wer­den. Der Ein­wand ist im Urteil in BFHE 162, 445, BStBl II 1991, 253 vom Bun­des­fi­nanz­hof bereits im Hin­blick auf die ent­spre­chen­de Behand­lung von Son­der­be­triebs­aus­ga­ben zurück­ge­wie­sen wor­den; auf die Grün­de die­ser Ent­schei­dung wird des­halb Bezug genom­men.

Nach die­sen Maß­stä­ben kommt im Streit­fall die Bil­dung einer Ergän­zungs­bi­lanz aus­schließ­lich hin­sicht­lich eines die Ein­la­ge der per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­te­rin über­stei­gen­den Betrags in Betracht.

Wird ‑wie im hier ent­schie­de­nen Streit­fall- im Rah­men der Über­nah­me einer Betei­li­gung als per­sön­lich haf­ten­der Gesell­schaf­ter einer KGaA ein über den fes­ten Kapi­tal­an­teil hin­aus­ge­hen­der Betrag im Rah­men des Kapi­tal­kon­tos II erfasst, besteht kein Anlass für die Bil­dung einer Ergän­zungs­bi­lanz.

Dabei ist uner­heb­lich, ob das Kapi­tal­kon­to II allein dem per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ter zusteht oder ob ‑wie es die Kom­man­di­tis­tin annimmt- nach der ver­ein­bar­ten Auf­tei­lung des Liqui­da­ti­ons­er­lö­ses das Kapi­tal­kon­to II antei­lig auf die Kom­man­ditak­tio­nä­re ent­fällt. Wäh­rend es im ers­ten Fall inso­weit von vorn­her­ein an einem Aus­ein­an­der­fal­len des auf den per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ter ent­fal­len­den Eigen­ka­pi­tals der KGaA einer­seits und des­sen Anschaf­fungs­kos­ten ande­rer­seits fehlt, wür­de im zwei­ten Fall eine posi­ti­ve Ergän­zungs­bi­lanz Eigen­ka­pi­tal aus­wei­sen, ohne dass die­ser Betrag von den Gesell­schaf­tern auf­ge­bracht wor­den wäre [27]. Glei­ches gilt, wenn der per­sön­lich haf­ten­de Gesell­schaf­ter ‑wie im Streit­fall- weder zugleich als Kom­man­ditak­tio­när an der KGaA betei­ligt ist noch ‑wozu sich das Finanz­ge­richt nicht geäu­ßert hat- ein (mit­tel­ba­res) Betei­li­gungs­ver­hält­nis zu den Kom­man­ditak­tio­nä­ren besteht.

Die­ses Ergeb­nis kann nicht durch eine nega­ti­ve Ergän­zungs­bi­lanz ver­mie­den wer­den. Der Aus­gleich durch eine kor­re­spon­die­ren­de Ergän­zungs­bi­lanz der auf­neh­men­den Gesell­schaft zur Ver­mei­dung eines Ein­brin­gungs­ge­winns wür­de die vom Wort­laut des § 24 Abs. 2 des Umwand­lungs­steu­er­ge­set­zes in der in den Streit­jah­ren gel­ten­den Fas­sung nicht erfass­te voll­stän­di­ge Gleich­stel­lung der KGaA mit einer Per­so­nen­ge­sell­schaft bedeu­ten; sie ist vom Bun­des­fi­nanz­hof mit Urteil in BFHE 255, 427 ver­wor­fen wor­den.

Die sich aus dem Erwerb eige­ner Akti­en durch die KGaA und deren Ein­zie­hung erge­ben­de Min­de­rung des Eigen­ka­pi­tals beruht auf einem durch das Gesell­schafts­ver­hält­nis ver­an­lass­ten Vor­gang [28], der sich ‑auch soweit der Unter­schieds­be­trag zwi­schen dem Nenn­be­trag und dem Kauf­preis der eige­nen Akti­en mit dem vom per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ter auf­ge­brach­ten Eigen­ka­pi­tal ver­rech­net wird- nicht auf den steu­er­li­chen Gewinn aus­wirkt. Die­ses Abzugs­ver­bot darf nicht ‑auch nicht im Rah­men der Gewinn­ermitt­lung des per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters- durch den gegen­läu­fi­gen Ansatz einer Ergän­zungs­bi­lanz und einer hier­auf fußen­den erfolgs­wirk­sa­men Abschrei­bung unter­lau­fen wer­den [29].

Dem kann nicht ent­ge­gen gehal­ten wer­den, dass der Erwerb und die Ein­zie­hung eige­ner Akti­en auf­grund des gegen­läu­fi­gen Ansat­zes einer Ergän­zungs­bi­lanz im Sal­do nicht zu einer Ver­mö­gens­min­de­rung bei der KGaA füh­re [30]. Eine Ergän­zungs­bi­lanz des per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters geht allein in die Ermitt­lung der Ein­künf­te i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 EStG ein; sie ist nicht ‑ins­be­son­de­re nicht als Wert­kor­rek­tur zu dem Kapi­tal­kon­to des per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters- Teil des Betriebs­ver­mö­gens­ver­gleichs der KGaA.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 15. März 2017 – I R 41/​16

  1. Anschluss an BFH, Urteil vom 07.09.2016 – I R 57/​14, BFHE 255, 427[]
  2. stän­di­ge BFH-Recht­spre­chung, z.B. BFH, Beschluss vom 22.04.2008 – X B 154/​07, BFH/​NV 2008, 1361, m.w.N.[]
  3. BFH, Beschluss vom 31.05.2010 – X B 163/​09, BFH/​NV 2010, 2082[]
  4. BFH, Urtei­le vom 22.10.2015 – IV R 37/​13, BFHE 252, 68, BStBl II 2016, 919; vom 28.09.1995 – IV R 57/​94, BFHE 179, 84, BStBl II 1996, 68[]
  5. BFH, Urtei­le vom 19.02.1981 – IV R 41/​78, BFHE 133, 510, BStBl II 1981, 730; vom 30.03.1993 – VIII R 63/​91, BFHE 171, 213, BStBl II 1993, 706; vom 12.12 1996 – IV R 77/​93, BFHE 183, 379, BStBl II 1998, 180; vgl. auch BFH, Urteil vom 30.04.2003 – I R 102/​01, BFHE 202, 455, BStBl II 2004, 804[]
  6. BFH, Urtei­le vom 25.04.1985 – IV R 83/​83, BFHE 144, 25, BStBl II 1986, 350; vom 25.04.2006 – VIII R 52/​04, BFHE 214, 40, BStBl II 2006, 847[]
  7. BFH, Urtei­le vom 12.07.2012 – IV R 39/​09, BFHE 238, 353, BStBl II 2012, 728; – IV R 12/​11, BFH/​NV 2013, 200[]
  8. BFH, Beschluss vom 25.02.1991 – GrS 7/​89, BFHE 163, 1, BStBl II 1991, 691; BFH, Urtei­le vom 04.03.2009 – I R 58/​07, BFH/​NV 2009, 1953; vom 23.07.1975 – I R 165/​73, BFHE 117, 30, BStBl II 1976, 73; für die aty­pisch stil­le Gesell­schaft vgl. BFH, Urteil vom 06.11.1985 – I R 242/​81, BFHE 145, 359, BStBl II 1986, 333[]
  9. vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 10.07.1980 – IV R 136/​77, BFHE 131, 313, BStBl II 1981, 84; in BFHE 144, 25, BStBl II 1986, 350; vom 07.11.1985 – IV R 7/​83, BFHE 145, 194, BStBl II 1986, 176[]
  10. BFH, Urtei­le in BFHE 179, 84, BStBl II 1996, 68; in BFHE 133, 510, BStBl II 1981, 730; vom 21.04.1994 – IV R 70/​92, BFHE 174, 413, BStBl II 1994, 745; vgl. auch BFH, Urteil vom 11.07.1973 – I R 126/​71, BFHE 110, 402, BStBl II 1974, 50[]
  11. BFH, Urtei­le vom 07.02.1995 – VIII R 36/​93, BFHE 178, 110, BStBl II 1995, 770; in BFHE 174, 413, BStBl II 1994, 745; vom 29.10.1991 – VIII R 148/​85, BFHE 167, 309, BStBl II 1992, 647[]
  12. Hess. FG, Urteil vom 31.05.2016 – 4 K 1879/​13; eben­falls ver­nei­nend FG Mün­chen, Urteil vom 10.07.2003 – 5 K 2681/​97, EFG 2003, 1691; Gosch/​Märtens, KStG, 3. Aufl., § 9 Rz 15; Mai in Frotscher/​Drüen, KStG/​GewStG/​UmwStG, § 9 KStG Rz 15; Boochs in Lade­mann, Kör­per­schaft­steu­er­ge­setz, § 9 Rz 4; Kreb­bers-van Heek in Mössner/​Seeger, Kör­per­schaft­steu­er­ge­setz, 3. Aufl., § 9 Rz 149; Koll­russ, Finanz-Rund­schau ‑FR- 2016, 203; der­sel­be, Die Wirt­schafts­prü­fung 2016, 586[]
  13. Schmidt/​Wacker, EStG, 36. Aufl., § 15 Rz 891; Drüen in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 9 KStG Rz 27; Witt in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 15 EStG Rz 905; Kempf, DStR 2015, 1905; Hop­pe, Die Besteue­rung der Kom­man­dit­ge­sell­schaft auf Akti­en zwi­schen Tren­nungs- und Trans­pa­renz­prin­zip, 2014, S. 126; Bie­li­nis, Die Besteue­rung der KGaA, 2013, S. 258 f.; Hage­bö­ke, Das "KGaA-Modell", 2008, S. 232 f.; der­sel­be in Rödder/​Herlinghaus/​Neumann, KStG, § 9 Rz 166, 172; derselbe/​Koetz, DStR 2006, 293; Blümich/​Brandl, § 9 KStG Rz 11; Reiß in Kirch­hof, EStG, 16. Aufl., § 15 Rz 407a; der­sel­be in Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, a.a.O., § 16 Rz D 6; Desens/​Blischke in Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, a.a.O., § 15 Rz D 14[]
  14. BFH, Urtei­le vom 04.05.1965 – I 186/​64 U, BFHE 82, 471, BStBl III 1965, 418; vom 08.02.1984 – I R 11/​80, BFHE 140, 465, BStBl II 1984, 381; vom 23.10.1985 – I R 235/​81, BFHE 145, 76, BStBl II 1986, 72; BFH, Urteil in BFHE 157, 382, BStBl II 1989, 881; vgl. auch BFH, Beschluss vom 04.12 2012 – I R 42/​11, BFH/​NV 2013, 589; BFH, Urtei­le vom 13.04.1994 – II R 57/​90, BFHE 174, 177, BStBl II 1994, 505; BFH, Beschluss vom 27.04.2005 – II B 76/​04, BFH/​NV 2005, 1627[]
  15. BFH, Urteil vom 20.11.2014 – IV R 1/​11, BFHE 248, 28, BStBl II 2017, 34[]
  16. vgl. Wacker, DStR 2017, 197; Hage­bö­ke, Der Kon­zern 2017, 126, 132 f.[]
  17. BFH, Urteil in BFHE 174, 177, BStBl II 1994, 505[]
  18. BFH, Urteil in BFHE 157, 382, BStBl II 1989, 881[][]
  19. s. z.B. BFH, Urteil vom 27.05.1993 – IV R 1/​92, BFHE 171, 510, BStBl II 1994, 700[]
  20. BFH, Beschlüs­se vom 09.08.2010 – IV B 123/​09, BFH/​NV 2010, 2266; vom 15.10.2009 – IV B 123/​08, BFH/​NV 2010, 625[]
  21. BFH, Urteil in BFHE 157, 382, BStBl II 1989, 881; fer­ner aus bewer­tungs­recht­li­cher Sicht BFH, Urteil in BFHE 174, 177, BStBl II 1994, 505[]
  22. Roser in Lenski/​Steinberg, Gewer­be­steu­er­ge­setz, § 8 Nr. 4 Rz 9; s.a. Bru­ski, FR 2002, 181, 188; Wacker, DStR 2017, 197 f.[]
  23. BFH, Urtei­le in BFHE 140, 465, BStBl II 1984, 381; vom 31.10.1990 – I R 32/​86, BFHE 162, 445, BStBl II 1991, 253; vgl. BFH, Urteil vom 28.11.2007 – X R 6/​05, BFHE 219, 329, BStBl II 2008, 363[]
  24. vgl. Beschluss des Gro­ßen Bun­des­fi­nanz­hofs des BFH vom 03.05.1993 – GrS 3/​92, BFHE 171, 246, BStBl II 1993, 616; BFH, Urteil vom 29.11.1960 – I 73/​59 U, BFHE 72, 135, BStBl III 1961, 51; so auch für die KGaA Hage­bö­ke in Rödder/​Herlinghaus/​Neumann, a.a.O., § 9 Rz 167, 172; der­sel­be, Der Kon­zern 2017, 126, 134[]
  25. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2013, 589[]
  26. vgl. auch zu Son­der­be­triebs­aus­ga­ben BFH, Urtei­le in BFHE 162, 445, BStBl II 1991, 253; vom 06.10.2009 – I R 102/​06, BFH/​NV 2010, 462[]
  27. vgl. BFH, Urteil vom 07.09.2016 – I R 57/​14, BFHE 255, 427[]
  28. BFH, Urtei­le vom 06.12 1995 – I R 51/​95, BFHE 179, 326, BStBl II 1998, 781; vom 29.07.1992 – I R 31/​91, BFHE 169, 407, BStBl II 1993, 369; BFH, Beschluss vom 03.03.2009 – I B 51/​08, BFH/​NV 2009, 1280[]
  29. BFH, Urteil in BFHE 255, 427[]
  30. so aber Hage­bö­ke, Der Kon­zern 2017, 126, 134[]