Ver­trä­ge zur Dau­er­grab­pfle­ge – und die Bilanz der Friedhofsgärtnerei

Wie sind die von einer Fried­hofs­gärt­ne­rei geschlos­se­nen Ver­trä­ge zur Dau­er­grab­pfle­ge und die hier­auf erhal­te­nen Anzah­lun­gen bilan­zi­ell zu erfas­sen. Mit die­ser Fra­ge hat­te sich jetzt der Bun­des­fi­nanz­hof zu befassen:

Ver­trä­ge zur Dau­er­grab­pfle­ge – und die Bilanz der Friedhofsgärtnerei

Mit der Annah­me, dass eine Fried­hofs­gärt­ne­rei für Zah­lun­gen, die Kun­den für zukünf­ti­ge Grab­pfle­ge­leis­tun­gen geleis­tet haben, in ihrer Bilanz

  • erhal­te­ne Anzah­lun­gen zu pas­si­vie­ren habe, soweit Zah­lun­gen von noch nicht ver­stor­be­nen Kun­den für zukünf­ti­ge eige­ne Grab­stel­len geleis­tet wor­den seien, 
  • für die übri­gen Ver­pflich­tun­gen einen pas­si­ven Rech­nungs­ab­gren­zungs­pos­ten über die ver­blei­ben­de Rest­lauf­zeit der Ver­pflich­tun­gen zu bil­den habe, 
  • zukünf­ti­ge Kos­ten­stei­ge­run­gen bei der Berech­nung des pas­si­ven Rech­nungs­ab­gren­zungs­pos­tens nicht zu berück­sich­ti­gen sei­en und
  • eine pau­scha­le Ver­zin­sung von 6 % p.a. für sämt­li­che Kun­den­gut­ha­ben nicht zu berück­sich­ti­gen sei, wenn die Ent­ste­hung des Anspruchs der Kun­den auf Zah­lung von Zin­sen nicht hin­rei­chend nach­ge­wie­sen sei, 

weicht ein Finanz­ge­richt nicht von der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs1 ab.

Eine sol­che Diver­genz liegt bereits des­halb nicht vor, weil der BFH im BFH, Urteil in BFHE 195, 440, BStBl II 2003, 810 in Rz 22 aus­ge­führt hat, dass bei Grab­pfle­ge­leis­tun­gen meh­re­re Fall­ge­stal­tun­gen mit unter­schied­li­chen steu­er­li­chen Fol­gen mög­lich sind. U.a. ist es mög­lich, dass die Zah­lun­gen des Auf­trag­ge­bers Vor­aus­zah­lun­gen sind2. Davon ist das Finanz­ge­richt im Streit­fall aus­ge­gan­gen, wie sich schon an der Pas­si­vie­rung der Ver­pflich­tun­gen als Anzah­lun­gen zeigt, bei denen der Auf­trag­ge­ber noch lebt.

Unab­hän­gig davon liegt den bei­den Urtei­len außer­dem kein ver­gleich­ba­rer Sach­ver­halt zugrunde.

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Nach der Rz 3 des BFH, Urteils in BFHE 195, 440, BStBl II 2003, 810 erziel­te die dor­ti­ge Klä­ge­rin durch die ver­zins­li­che Anla­ge des Kapi­tals (auf ihren Namen) höhe­re als die mit den Auf­trag­ge­bern ver­ein­bar­ten Zin­sen und stell­te auf einer Kar­tei­kar­te für jede Dau­er­grab­pfle­ge­stel­le das ein­ge­zahl­te Kapi­tal, des­sen Erhö­hung um die ver­ein­bar­ten Zin­sen, die Min­de­run­gen durch die tat­säch­lich ent­stan­de­nen Kos­ten und den jewei­li­gen Stand der Ver­trags­sum­me fest.

Im hier Streit­fall fehlt es dar­an. Weder ist nach­ge­wie­sen, dass die Klä­ge­rin durch die ver­zins­li­che Anla­ge des Kapi­tals (auf ihren Namen) Zin­sen erwirt­schaf­te­te, noch hat­te sie mit den Auf­trag­ge­bern eine bestimm­te Zins­hö­he ver­ein­bart. Außer­dem hielt sie das auf die ein­zel­ne Grab­pfle­ge­ver­pflich­tung des jewei­li­gen Auf­trag­ge­bers ent­fal­len­de Gut­ha­ben und die für den jewei­li­gen Auf­trag­ge­ber erwirt­schaf­te­ten Zin­sen nicht geson­dert fest, son­dern ermit­tel­te eine Gesamt­rück­stel­lung mit einem pau­scha­len, nicht nach­ge­wie­se­ner­ma­ßen erwirt­schaf­te­ten Zins­satz und berück­sich­tig­te außer­dem, anders als dort, pau­scha­le Kostensteigerungen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 7. April 2021 – XI B 53/​20

  1. BFH, Urteil vom 21.06.2001 – V R 80/​99, BFHE 195, 440, BStBl II 2003, 810[]
  2. BFH, Urteil in BFHE 195, 440, BStBl II 2003, 810, unter II. 2., Rz 23[]

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