Abzieh­ba­rer Auf­wand bei abge­kürz­tem Ver­trags­weg

Erhal­tungs­auf­wen­dun­gen kön­nen Wer­bungs­kos­ten des Steu­er­pflich­ti­gen bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung sein, wenn sie auf einem von einem Drit­ten im eige­nen Namen, aber im Inter­es­se des Steu­er­pflich­ti­gen abge­schlos­se­nen Werk­ver­trag beru­hen und der Drit­te dem Steu­er­pflich­ti­gen den Betrag zuwen­det. Eine sol­che Zuwen­dung kann auch in einer ver­deck­ten Gewinn­aus­schüt­tung zu Guns­ten des Steu­er­pflich­ti­gen lie­gen.

Abzieh­ba­rer Auf­wand bei abge­kürz­tem Ver­trags­weg

Wer­bungs­kos­ten im Sin­ne des § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG sind nach § 9 Abs. 1 Satz 2 EStG bei der Ein­kunfts­art Ver­mie­tung und Ver­pach­tung abzu­zie­hen, wenn sie bei ihr erwach­sen, und das heißt, durch die sie ver­an­lasst sind. Fal­len die­se schon an, bevor damit zusam­men­hän­gen­de Ein­nah­men erzielt wer­den, kön­nen sie als vor­ab ent­stan­de­ne Wer­bungs­kos­ten berück­sich­tigt wer­den, wenn ein aus­rei­chend bestimm­ter wirt­schaft­li­cher Zusam­men­hang zwi­schen dem Auf­wand und der Ein­kunfts­art Ver­mie­tung und Ver­pach­tung besteht [1]. Ein dahin gehen­der Zusam­men­hang besteht von dem Zeit­punkt an, zu dem sich anhand objek­ti­ver Umstän­de fest­stel­len lässt, dass der Steu­er­pflich­ti­ge den Ent­schluss, durch den Erwerb eines Gebäu­des Ein­künf­te aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung zu erzie­len, end­gül­tig gefasst und (noch) nicht wie­der auf­ge­ge­ben hat [2].

Schließt ein Drit­ter im eige­nen Namen einen Werk­ver­trag über Erhal­tungs­ar­bei­ten am ver­mie­te­ten Grund­stück des Steu­er­pflich­ti­gen ab und leis­tet er die ver­ein­bar­te Ver­gü­tung, kann der Steu­er­pflich­ti­ge die­sen Auf­wand auch dann bei sei­nen Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung abzie­hen, wenn der Drit­te dem Steu­er­pflich­ti­gen den Betrag zuwen­det [3].

In dem jetzt vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall bil­de­ten die Auf­wen­dun­gen damit Wer­bungs­kos­ten der Klä­ge­rin, auch wenn die L‑GmbH –im Inter­es­se der Klä­ge­rin– mit den Hand­wer­kern Ver­trä­ge abschloss und die auf sie lau­ten­den Rech­nun­gen bezahl­te. Die Klä­ge­rin hat­te bereits bei Anmie­tung der Alt­bau­woh­nung die Absicht, durch deren (Unter-)Vermietung an die L‑GmbH Ein­künf­te aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung zu erzie­len. Die­se Absicht hat die Klä­ge­rin auch dann auf­recht­erhal­ten, als abseh­bar war, dass die L‑GmbH in ande­re Räum­lich­kei­ten ein­zie­hen wird. Soweit die L‑GmbH die in den Streit­jah­ren ange­fal­le­nen Reno­vie­rungs­auf­wen­dun­gen allei­ne in Auf­trag gege­ben hat, obwohl sie im Rah­men einer zuläs­si­gen teil­ge­werb­li­chen Nut­zung nur antei­lig über die Alt­bau­woh­nung hät­te ver­fü­gen kön­nen, hat sie dies im Inter­es­se der Klä­ge­rin getan. Soweit die L‑GmbH die ihr hier­für in Rech­nung gestell­ten Kos­ten auch allei­ne bezahlt hat, ohne sie (antei­lig) von der Klä­ge­rin zurück­zu­for­dern, hat sie die­se der Klä­ge­rin zuge­wen­det. Dar­in hat das für die Besteue­rung der L‑GmbH zustän­di­ge Finanz­amt auch zutref­fend eine vGA gese­hen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 28. Sep­tem­ber 2010 – IX R 42/​09

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. z.B. BFH, Urteil vom 12.05.2009 – IX R 40/​08, BFH/​NV 2009, 1629[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 19.12.2007 – IX R 50/​07, BFH/​NV 2008, 1111[]
  3. BFH, Urtei­le vom 15.11.2005 – IX R 25/​03, BFHE 211, 318, BStBl II 2006, 623; und vom 15.01.2008 – IX R 45/​07, BFHE 220, 264, BStBl II 2008, 572[]