Aus­füh­ren eines Hun­des – als haus­halts­na­he Dienst­leis­tung

Das Aus­füh­ren eines in den Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen auf­ge­nom­me­nen Hun­des kann eine in einem Haus­halt erbrach­te haus­halts­na­he Dienst­leis­tung dar­stel­len 1.

Aus­füh­ren eines Hun­des – als haus­halts­na­he Dienst­leis­tung

Es ist in der Recht­spre­chung des BFH hin­rei­chend geklärt, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen haus­halts­na­he Dienst­leis­tun­gen i.S. von § 35a Abs. 2 Satz 1 EStG "in einem … Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen" erbracht wer­den. Hier­nach wird die haus­halts­na­he Dienst­leis­tung "in" einem Haus­halt erbracht, wenn sie im räum­li­chen Bereich des vor­han­de­nen Haus­halts geleis­tet wird. Der Begriff des Haus­halts ist inso­weit räum­lich-funk­tio­nal aus­zu­le­gen 2.

Des­halb wer­den die Gren­zen des Haus­halts i.S. des § 35a Abs. 2 Satz 1 EStG nicht aus­nahms­los ‑unab­hän­gig von den Eigen­tums­ver­hält­nis­sen- durch die Grund­stücks­gren­zen abge­steckt. Viel­mehr kann auch die Inan­spruch­nah­me von Diens­ten, die jen­seits der Grund­stücks­gren­ze auf frem­dem, bei­spiels­wei­se öffent­li­chem Grund geleis­tet wer­den, nach § 35a Abs. 2 Satz 1 EStG begüns­tigt sein. Es muss sich dabei aller­dings um Tätig­kei­ten han­deln, die ansons­ten übli­cher­wei­se von Fami­li­en­mit­glie­dern erbracht und in unmit­tel­ba­rem räum­li­chen Zusam­men­hang zum Haus­halt durch­ge­führt wer­den und dem Haus­halt die­nen 3. Wo nach die­sen Maß­stä­ben im Ein­zel­fall die Gren­ze des Haus­halts zu zie­hen ist, lässt sich abs­trakt nicht näher bestim­men. Die Fra­ge ist viel­mehr durch Sub­sum­ti­on des jewei­li­gen Sach­ver­halts unter die vor­ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen im Ein­zel­fall zu beant­wor­ten.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat zudem bereits ent­schie­den, dass die Ver­sor­gung und Betreu­ung eines im Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen auf­ge­nom­me­nen Haus­tie­res eine haus­halts­na­he Dienst­leis­tung dar­stellt. Denn Tätig­kei­ten wie das Füt­tern, die Fell­pfle­ge, das Aus­füh­ren und die sons­ti­ge Beschäf­ti­gung des Tie­res oder im Zusam­men­hang mit dem Tier erfor­der­li­che Rei­ni­gungs­ar­bei­ten fal­len regel­mä­ßig an und wer­den typi­scher­wei­se durch den Steu­er­pflich­ti­gen selbst oder ande­re Haus­halts­an­ge­hö­ri­ge erle­digt 4. Das Aus­füh­ren eines im Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen leben­den Hun­des außer­halb der Grund­stücks­gren­zen für ein bis zwei Stun­den kann hier­nach jeden­falls dann räum­lich-funk­tio­nal "in" dem Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen erbracht wer­den, wenn der Hund zum Aus­füh­ren im Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen abge­holt und nach dem Aus­füh­ren dort­hin zurück­ge­bracht wird. Ein sol­ches Aus­füh­ren eines Hun­des wird typi­scher­wei­se durch den Steu­er­pflich­ti­gen selbst oder ande­re Haus­halts­an­ge­hö­ri­ge erle­digt und dient funk­tio­nal dem Haus­halt. Der räum­li­che Bezug zum Haus­halt ergibt sich in einem der­ar­ti­gen Fall dar­aus, dass ein wesent­li­cher Teil der Dienst­leis­tung mit der Abho­lung und dem Zurück­brin­gen des in den Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen auf­ge­nom­me­nen Hun­des räum­lich "in" dem Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen erbracht wird. Die Vor-Ort-Betreu­ung eines in den Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen auf­ge­nom­me­nen Hun­des, zu der auch das Aus­füh­ren des Hun­des gehört 5, weist einen unmit­tel­ba­ren räum­li­chen Bezug zum Haus­halt auf.

Inso­weit liegt auch kei­ne Diver­genz der hier über­prüf­ten Vor­ent­schei­dung des Hes­si­schen Finanz­ge­richts 6 zum Urteil des Finanz­ge­richts Müns­ter vom 25.05.2012 7 liegt hier­nach nicht vor. Zum einen ist nicht dar­ge­legt, dass die Vor­ent­schei­dung und die ver­meint­li­che Diver­genz­ent­schei­dung zu ver­gleich­ba­ren Sach­ver­hal­ten ergan­gen sind. Das Urteil des Finanz­ge­richt Müns­ter in EFG 2012, 1674 betraf Auf­wen­dun­gen für einen Hun­de-Betreu­ungs­ser­vice, der den Hund vom Haus­halt abhol­te und nach Ablauf der Betreu­ungs­zeit dort wie­der ablie­fer­te. Eine Betreu­ung in der Woh­nung oder auf dem Grund­stück des Steu­er­pflich­ti­gen fand nicht statt. Die län­ger­fris­ti­ge außer­häus­li­che Betreu­ung eines Haus­tiers, z.B. über einen gan­zen Tag oder wäh­rend der Feri­en, ist jedoch nicht mit dem blo­ßen Aus­füh­ren eines Hun­des für ein bis zwei Stun­den ver­gleich­bar, das auch wäh­rend der gewöhn­li­chen häus­li­chen Betreu­ung des Tie­res durch den Steu­er­pflich­ti­gen oder ande­re haus­halts­an­ge­hö­ri­ge Per­so­nen anfällt. Im Übri­gen ist das Urteil des Finanz­ge­richt Müns­ter in EFG 2012, 1674 durch die oben bereits auf­ge­führ­te BFH-Recht­spre­chung über­holt, soweit das Finanz­ge­richt Müns­ter das Tat­be­stands­merk­mal "in" einem Haus­halt nur im Sin­ne einer räum­li­chen Abgren­zung, nicht aber räum­lich-funk­tio­nal ver­stan­den hat.

Die Vor­ent­schei­dung weicht auch nicht von dem Urteil des Finanz­ge­richts Rhein­land-Pfalz vom 06.07.2016 8 ab. Sowohl die Vor­ent­schei­dung als auch das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz haben sich aus­drück­lich der Bun­des­fi­nanz­hofs­recht­spre­chung zur räum­lich-funk­tio­na­len Aus­le­gung des Tat­be­stands­merk­mals "in" einem Haus­halt ange­schlos­sen. Damit lie­gen bei­den finanz­ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen und der Recht­spre­chung des BFH die­sel­ben abs­trak­ten Rechts­sät­ze zugrun­de. Die unter­schied­li­chen Ergeb­nis­se der finanz­ge­richt­li­chen Urtei­le beru­hen (ledig­lich) auf der Rechts­an­wen­dung im Ein­zel­fall und ins­be­son­de­re auf den völ­lig anders gela­ger­ten Sach­ver­hal­ten. Das Neu­be­zie­hen von Pols­ter­mö­beln in einer Werk­statt ist hin­sicht­lich des Tat­be­stands­merk­mals "in" einem Haus­halt eben nicht ver­gleich­bar mit dem Aus­füh­ren eines in den Haus­halt auf­ge­nom­me­nen Hun­des.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 25. Sep­tem­ber 2017 – VI B 25/​17

  1. Anschluss an BFH, Urteil vom 03.09.2015 – VI R 13/​15, BFHE 251, 15, BSt­Bl II 2016, 47, und BMF, Schrei­ben vom 09.11.2016, BSt­Bl I 2016, 1213[]
  2. BFH, Urteil vom 03.09.2015 – VI R 18/​14, BFHE 251, 435, BSt­Bl II 2016, 272[]
  3. BFH, Urteil vom 20.03.2014 – VI R 55/​12, BFHE 245, 45, BSt­Bl II 2014, 880[]
  4. BFH, Urteil vom 03.09.2015 – VI R 13/​15, BFHE 251, 15, BSt­Bl II 2016, 47[]
  5. eben­so BMF, Schrei­ben vom 09.11.2016, BSt­Bl I 2016, 1213, Anla­ge 1 "Tier­be­treu­ungs- oder -pfle­ge­kos­ten"[]
  6. Hess. Finanz­ge­richt, Urteil vom 01.02.2017 – 12 K 902/​16[]
  7. FG Müns­ter, Urteil vom 25.05.2012 – 14 K 2289/​11 E, EFG 2012, 1674[]
  8. FG Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 06.07.2016 – 1 K 1252/​16, EFG 2016, 1350[]