Der Teil­neh­mer­ge­winn aus einer Fern­seh­show – und der Fis­kus gewinnt immer…

Das Preis­geld aus einer Teil­nah­me an einer Fern­seh­show stellt kei­nen Spiel­ge­winn dar, denn der Betref­fen­de hat sich in Aus­schei­dungs­spie­len durch Geschick­lich­keit und Wis­sen gegen ande­re Kan­di­da­ten durch­set­zen müs­sen.

Der Teil­neh­mer­ge­winn aus einer Fern­seh­show – und der Fis­kus gewinnt immer…

Mit die­ser Begrün­dung hat das Finanz­ge­richt Müns­ter in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge wei­test­ge­hend abge­wie­sen und das Preis­geld aus einer RTL-Fern­seh­show als steu­er­pflich­tig ange­se­hen. Der Klä­ger gewann die Fern­seh­show "Die Farm", bei der ins­ge­samt zwölf Kan­di­da­ten für bis zu sie­ben Wochen auf einem abge­le­ge­nen und ver­las­se­nen Bau­ern­hof in Nor­we­gen ohne Was­ser- und Strom­an­schluss leb­ten und sich dabei fil­men lie­ßen. Ihre Nah­rung muss­ten sich die Bewoh­ner durch Acker­bau und Vieh­hal­tung im Wesent­li­chen selbst beschaf­fen. In regel­mä­ßi­gen Aus­schei­dungs­spie­len (z.B. Axt­wer­fen oder Mel­ken) wur­de ermit­telt, wer den Bau­ern­hof ver­las­sen muss­te. Dem Gewin­ner des letz­ten Aus­schei­dungs­spiels wur­de als Sie­ger der Show ein "Pro­jekt­ge­winn" ver­trag­lich zuge­sagt. Dane­ben erhielt jeder Kan­di­dat für die Dau­er sei­ner Teil­nah­me Wochen­pau­scha­len.

Das beklag­te Finanz­amt behan­del­te sowohl den "Pro­jekt­ge­winn" als auch die Wochen­pau­scha­len als Ein­künf­te des Klä­gers gemäß § 22 Nr. 3 EStG. Dem­ge­gen­über war der Klä­ger der Ansicht, dass die­se Ein­nah­men ähn­lich wie Gewin­ne aus Glücks­spie­len nicht der Besteue­rung unter­lä­gen, weil die Ergeb­nis­se der Aus­schei­dungs­spie­le stark zufalls­ab­hän­gig gewe­sen sei­en.

Nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Müns­ter habe der Klä­ger die Ein­nah­men als Gegen­leis­tung für sei­ne Teil­nah­me an der Show, sei­ne stän­di­ge Anwe­sen­heit im Bau­ern­haus sowie die Über­las­sung der Ver­wer­tungs­rech­te am Bild- und Ton­ma­te­ri­al erhal­ten. Der Pro­jekt­ge­winn stel­le kei­nen Spiel­ge­winn dar, weil sich der Klä­ger in den Aus­schei­dungs­spie­len durch Geschick­lich­keit und Wis­sen gegen ande­re Kan­di­da­ten habe durch­set­zen müs­sen.

Dane­ben setz­te das Finanz­ge­richt die unent­gelt­li­che Unter­kunft und Ver­pfle­gung nach den amt­li­chen Bezugs­wer­ten als Ein­nah­men an und berück­sich­tig­te im Gegen­zug Ver­pfle­gungs­mehr­auf­wen­dun­gen als Wer­bungs­kos­ten.

Das Finanz­ge­richt hat daher ent­schie­den, dass der Ein­kom­men­steu­er­be­scheid des Klä­gers für 2009 dahin­ge­hend geän­dert wird, dass sons­ti­ge Ein­künf­te aus Leis­tun­gen um 2.777,00 Euro nied­ri­ger als bis­her ange­setzt wer­den.

Finanz­ge­richt Müns­ter, Urteil vom 15. Janu­ar 2014 – 4 K 1215/​12 E