Häus­li­che Arbeits­zim­mer

Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf hat im Rah­men eines Ver­fah­rens wegen Aus­set­zung der Voll­zie­hung im vor­läu­fi­gen Rechts­schutz ernst­li­che Zwei­fel an der seit dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2007 gel­ten­den Abzugs­be­schrän­kung für häus­li­che Arbeits­zim­mer bejaht. Die Antrag­stel­ler sind Ehe­leu­te. Der Ehe­mann erziel­te Ein­künf­te aus selb­stän­di­ger Tätig­keit als frei­er Jour­na­list. Die Ehe­frau war als Bau­in­ge­nieu­rin im Außen­dienst nicht­selb­stän­dig tätig. In ihren Steu­er­erklä­run­gen für die Streit­jah­re mach­ten sie Auf­wen­dun­gen für das Arbeits­zim­mer der Ehe­frau als Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit gel­tend. Das Finanz­amt ließ die Auf­wen­dun­gen für das Arbeits­zim­mer unter Hin­weis dar­auf, dass das Arbeits­zim­mer nicht den Mit­tel­punkt der gesam­ten beruf­li­chen Tätig­keit der Antrag­stel­le­rin dar­stel­le, nicht zum Abzug zu.

Häus­li­che Arbeits­zim­mer

Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf bejah­te zunächst das Rechts­schutz­in­ter­es­se für den Antrag auf Aus­set­zung der Voll­zie­hung. Die Tat­sa­che, dass das Finanz­amt die Steu­er­fest­set­zun­gen für die Jah­re 2007 und 2008 im Hin­blick auf die Anwen­dung der Abzugs­be­schrän­kung nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG i.d.F. des StÄndG 2007 (i.V.m. § 9 Abs. 5 Satz 1 EStG) für vor­läu­fig im Sin­ne des § 165 AO erklärt hat­te, stün­de dem nicht ent­ge­gen. Auch in der Sache hielt das Finanz­ge­richt den Antrag für begrün­det.

Die Düs­sel­dor­fer Finanz­rich­ter ver­wie­sen hier­zu auf den Beschluss des Finanz­ge­richts Müns­ters, das den dor­ti­gen Rechts­streit dem BVerfG [1] vor­ge­legt hat [2]. Letzt­lich ließ es das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf jedoch offen, ob es die Abzugs­be­schrän­kung des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG i.d.F. des StÄndG 2007 eben­falls für ver­fas­sungs­wid­rig hält. Für die Aus­set­zung der Voll­zie­hung reich­ten ihm die ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken.

Ernst­li­che Zwei­fel gegen die Recht­mä­ßig­keit des ange­foch­te­nen Ver­wal­tungs­akts kön­nen auch durch Beden­ken gegen die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit einer dem Ver­wal­tungs­akt zugrun­de lie­gen­den Norm begrün­det wer­den [3]. Zwar hat die Recht­spre­chung im Hin­blick auf den Gel­tungs­an­spruch jeden for­mell ver­fas­sungs­ge­mäß zustan­de gekom­me­nen Geset­zes bei ernst­li­chen ver­fas­sungs­recht­li­chen Zwei­feln an der Gül­tig­keit einer Rechts­norm ein berech­tig­tes Inter­es­se des Antrag­stel­lers an der Gewäh­rung vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes gefor­dert und eine Inter­es­sen­ab­wä­gung zwi­schen der einer Aus­set­zung ent­ge­gen­ste­hen­den kon­kre­ten Gefähr­dung der öffent­li­chen Haus­halts­füh­rung und den für die Aus­set­zung spre­chen­den indi­vi­du­el­len Grund­rechts­schutz­in­ter­es­sen des Steu­er­pflich­ti­gen vor­ge­nom­men [4]. Jedoch hat der BFH in jüngs­ter Zeit die staat­li­chen Haus­halts­in­ter­es­sen in der Abwä­gung zuneh­mend zurück­ge­stellt und offen gelas­sen, ob die­se Ein­schrän­kung über­haupt auf­recht­erhal­ten wer­den soll [5]. Nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf recht­fer­ti­gen bereits die zuvor geschil­der­ten ernst­li­chen ver­fas­sungs­recht­li­chen Zwei­fel eine Aus­set­zung der Voll­zie­hung des Ein­kom­men­steu­er­be­scheids. Ernst­li­che Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit wie­gen nicht leich­ter als ernst­li­che Zwei­fel an der Ver­ein­bar­keit des Ver­wal­tungs­akts mit ein­fa­chem Recht. Daher zwin­gen nicht nur ernst­li­che Zwei­fel an der ein­fa­chen Recht­mä­ßig­keit, son­dern auch – und zwar erst recht – ernst­li­che Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des Steu­er­be­scheids des­sen Voll­zie­hungs­aus­set­zung [6].

Inso­weit schloss sich das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf der Ent­schei­dung des Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richts [7] an, die der Bun­des­fi­nanz­hof zwi­schen­zeit­lich bestä­tigt hat [8].

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Beschluss vom 21. August 2009 – 11 V 2481/​09 A(E)

  1. dort noch anhän­gig – 2 BvL 13/​09[]
  2. vom 08.05.2009 – 1 K 2872/​08 E[]
  3. vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 05.03.2001 – IX B 90/​00, BFHE 195, 205, BStBl II 2001, 405[]
  4. vgl. BFH, Beschluss vom 06.11.1987 – III B 101/​86, BFHE 151, 428, BStBl II 1988, 134[]
  5. vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 11.06.2003 – IV B 47/​03, BFHE 202, 346, BStBl II 2003, 661; vom 22.12.2003 – IX B 177/​02, BFHE 204, 39, BStBl II 2004, 367; Tipke/​Kruse/​Seer, AO/​FGO, § 69 FGO Rn. 96 m.w.N. zur Recht­spre­chung[]
  6. FG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 23.06.2009 – 11 V 1839/​09, nicht rkr.; Seer, in: Tipke/​Kruse, AO/​FGO, § 69 FGO Rn. 97; eben­so BFH-Beschluss vom 23. August 2007 VI B 42/​07, BFHE 218, 558, BStBl II 2007, 799[]
  7. Nds. FG, Beschluss vom 02.06.2009 – 7 V 76/​09, ZSteu 2009, R523, []
  8. BFH, Beschluss vom 25.08.2009 – VI B 69/​09[]