Kei­ne Kin­der­geld­be­rech­ti­gung gedul­de­ter Aus­län­der

Für gedul­de­te Aus­län­der besteht kei­ne Kin­der­geld­be­rech­ti­gung.

Kei­ne Kin­der­geld­be­rech­ti­gung gedul­de­ter Aus­län­der

Nach § 62 Abs. 2 EStG n.F. berech­tigt ein Auf­ent­halt in Deutsch­land auf­grund einer Dul­dung (§ 60a Auf­en­thG) nicht zum Bezug von Kin­der­geld. Der BFH hat sich bereits mehr­fach mit der Fra­ge befasst, ob die­se Rege­lung, auch wenn sich die gedul­de­ten Aus­län­der über einen län­ge­ren Zeit­raum in Deutsch­land auf­hal­ten, ver­fas­sungs­ge­mäß ist. Er hat ent­schie­den, dass hier­ge­gen kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken bestehen [1]. Die Erwä­gung des Gesetz­ge­bers, das Kin­der­geld nur Aus­län­dern zu gewäh­ren, die auf­grund eines Auf­ent­halts­ti­tels einen recht­mä­ßi­gen dau­er­haf­ten Auf­ent­halt in Deutsch­land begrün­det haben und bei denen im Unter­schied zu ledig­lich gedul­de­ten Aus­län­dern auch eine lang­fris­ti­ge Inte­gra­ti­on ihrer Fami­li­en in Deutsch­land beab­sich­tigt ist, stellt einen sach­lich hin­rei­chen­den Grund für die vor­ge­nom­me­ne Dif­fe­ren­zie­rung dar [2].

Eine erneu­te Prü­fung ist nicht mit Blick auf die Beschlüs­se des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 7. Febru­ar 2012 [3] und vom 10. Juli 2012 [4] erfor­der­lich.

Der erst­ge­nann­te Beschluss erging zu Art. 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 des Baye­ri­schen Lan­des­er­zie­hungs­geld­ge­set­zes, der die Anspruchs­be­rech­ti­gung nur Per­so­nen ein­räum­te, die die Staats­an­ge­hö­rig­keit eines Mit­glied­staa­tes der Euro­päi­schen Uni­on oder eines ande­ren Ver­trags­staats des Abkom­mens über den Euro­päi­schen Wirt­schafts­raum besa­ßen. Das BVerfG sah die­se Rege­lung als mit Art. 3 Abs. 1 GG unver­ein­bar an, weil die Dif­fe­ren­zie­rung nach der Staats­an­ge­hö­rig­keit kein geeig­ne­tes Kri­te­ri­um sei, den zu för­dern­den Per­so­nen­kreis zutref­fend zu erfas­sen [5]. Aus die­ser Ent­schei­dung las­sen sich aber schon des­halb kei­ne Fol­ge­run­gen für den Streit­fall ablei­ten, weil die Kin­der­geld­be­rech­ti­gung nach § 62 Abs. 2 EStG n.F. nicht an den Besitz einer bestimm­ten Staats­an­ge­hö­rig­keit, son­dern an den Besitz einer der in die­ser Bestim­mung genann­ten Auf­ent­halts­ti­tel anknüpft.

Der zweit­ge­nann­te Beschluss erging zu den mit § 62 Abs. 2 Nr. 3 Buchst. b EStG n.F. wort­glei­chen § 1 Abs. 6 Nr. 3 Buchst. b des Geset­zes zum Erzie­hungs­geld und zur Eltern­zeit und § 1 Abs. 7 Nr. 3 Buchst. b des Geset­zes zum Eltern­geld und zur Eltern­zeit. Das BVerfG hat die­se Bestim­mun­gen wegen Ver­sto­ßes gegen Art. 3 Abs. 1 GG und gegen Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG für nich­tig erklärt. Maß­geb­lich hier­für war, dass die beschäf­ti­gungs­be­zo­ge­nen Vor­aus­set­zun­gen unge­eig­net sind, die Auf­ent­halts­dau­er der betrof­fe­nen Per­so­nen vor­her­zu­sa­gen [6]. Die­ser Beschluss betraf aber Aus­län­der, die im Besitz einer in § 62 Abs. 2 Nr. 2 Buchst. c EStG genann­ten Auf­ent­halts­er­laub­nis waren. Mit der dem Streit­fall zugrun­de­lie­gen­den Rechts­fra­ge, ob ein nur gedul­de­ter Aus­län­der vom Kin­der­geld aus­ge­schlos­sen wer­den darf, hat sich das BVerfG hin­ge­gen nicht befasst.

Ein erneu­ter Klä­rungs­be­darf ergibt sich auch nicht aus dem Ein­wand, wonach sich die Situa­ti­on gedul­de­ter Aus­län­der, was die Dau­er des Auf­ent­halts, die Arbeits­mög­lich­kei­ten, Schul­be­such usw. ange­he, nicht von der von Inha­bern einer Auf­ent­halts­er­laub­nis nach § 62 Abs. 2 Buchst. c EStG n.F. unter­schei­de. Als maß­geb­lich hier­für sieht der Bun­des­fi­nanz­hof nach wie vor den Umstand an, dass eine Dul­dung nicht geeig­net ist, einen recht­mä­ßi­gen Auf­ent­halt zu begrün­den. Da sie die vor­über­ge­hen­de Aus­set­zung der Abschie­bung (§ 60a Abs. 1, Abs. 2 Auf­en­thG) bezweckt, dient sie gera­de nicht der Vor­be­rei­tung oder Absi­che­rung eines recht­mä­ßi­gen dau­er­haf­ten Auf­ent­halts in Deutsch­land.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 14. Juni 2013 – III B 119/​12

  1. z.B. BFH, Urtei­le vom 15.03.2007 – III R 93/​03, BFHE 217, 443, BStBl II 2009, 905; und – III R 54/​05, BFH/​NV 2007, 1298, sowie vom 22.11.2007 – III R 54/​02, BFHE 220, 45, BStBl II 2009, 913[]
  2. z.B. BFH, Urteil in BFHE 217, 443, BStBl II 2009, 905, unter II.4.b[]
  3. BVerfG vom 07.02.2012 – 1 BvL 14/​07, BVerfGE 130, 240[]
  4. BVerfG, Beschluss vom 10.07.2012 – 1 BvL 2 – 4/​10, 3/​11, BGBl I 2012, 1898[]
  5. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 130, 240, unter B.II.2.[]
  6. BVerfG, Beschluss in BGBl I 2012, 1898, unter C.I.3.b und II.3.[]