Kin­der­geld für ein Kind, das sein eige­nes Kind betreut

Der BFH hat bereits ent­schie­den, dass ein voll­jäh­ri­ges Kind, das sei­ne Berufs­aus­bil­dung zur Betreu­ung des eige­nen Kin­des im Rah­men der Eltern­zeit (vgl. §§ 15, 20 Abs. 1 BErz­GG; ab 1.01.2007: §§ 15, 20 Abs. 1 BEEG) unter­bricht, sich in die­ser Zeit nicht in Berufs­aus­bil­dung befin­det 1. Eben­so ist geklärt, dass sich ein voll­jäh­ri­ges Kind, das sich wegen der Betreu­ung des eige­nen Kin­des im zeit­li­chen Rah­men des § 15 BErz­GG bzw. § 15 BEEG nicht ernst­haft um einen Aus­bil­dungs­platz bemüht, nicht als Aus­bil­dungs­platz suchen­des Kind zu berück­sich­ti­gen ist 2.

Kin­der­geld für ein Kind, das sein eige­nes Kind betreut

Der Bun­des­fi­nanz­hof geht in den genann­ten Ent­schei­dun­gen davon aus, dass gegen die­se Geset­zes­aus­le­gung ins­be­son­de­re des­halb kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken bestehen, weil es sich hier­bei um eine mit Blick auf die vor­ran­gi­ge Unter­halts­pflicht des ande­ren Eltern­teils des Kin­des­kin­des zuläs­si­ge Typi­sie­rung han­delt (vgl. §§ 1360, 1361 Abs. 1, § 1570, § 1608 und § 1615l Abs. 2 Satz 2 f., Abs. 3, Abs. 4 BGB), zumal eine steu­er­li­che Ent­las­tung der Eltern im Rah­men des § 33a EStG mög­lich ist.

Die Berück­sich­ti­gungs­fä­hig­keit eines Kin­des, das sich nicht in Aus­bil­dung befin­det, eine Aus­bil­dung aber anstrebt, rich­tet sich nach § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. c EStG. Dies­be­züg­lich hat der Bun­des­fi­nanz­hof bereits ent­schie­den, dass ein Kind nach die­ser Vor­schrift nicht berück­sich­tigt wer­den kann, wenn es ein eige­nes Kind betreut 3. Grund für die Berück­sich­ti­gungs­fä­hig­keit eines Kin­des nach § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. c EStG ist der objek­ti­ve Man­gel an Aus­bil­dungs­plät­zen bei gege­be­ner Aus­bil­dungs­wil­lig­keit des Kin­des 4.

Damit ist bereits nach Gesetz und höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung hin­rei­chend geklärt, dass ein Man­gel an Krip­pen­plät­zen für die Berück­sich­ti­gungs­fä­hig­keit eines Kin­des nicht aus­reicht. Außer­dem sind unzu­rei­chen­de oder als unzu­rei­chend emp­fun­de­ne Fremd­be­treu­ungs­mög­lich­kei­ten, deren Ursa­chen höchst viel­fäl­tig sein kön­nen, mit den von der Recht­spre­chung als kin­der­gel­dunschäd­lich aner­kann­ten vor­über­ge­hen­den Aus­bil­dungs­un­ter­bre­chungs­grün­den wie Krank­heit, Unter­su­chungs­haft oder dem Beschäf­ti­gungs­ver­bot gemäß § 3 Abs. 2, § 6 Abs. 1 Satz 1 des Mut­ter­schutz­ge­set­zes 5 nicht ver­gleich­bar. Es fehlt an der Unmit­tel­bar­keit des Aus­bil­dungs­hin­der­nis­ses.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 26. April 2013 – III S 34/​12 (PKH)

  1. z.B. BFH, Urteil vom 24.09.2009 – III R 79/​06, BFH/​NV 2010, 614; BFH, Urteil vom 15.07.2003 – VIII R 47/​02, BFHE 203, 106, BSt­Bl II 2003, 848[]
  2. BFH, Urteil vom 24.09.2009 – III R 83/​08, BFH/​NV 2010, 619[]
  3. BFH, Urteil in BFH/​NV 2010, 619[]
  4. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 07.04.2011 – III R 24/​08, BFHE 233, 44, BSt­Bl II 2012, 210[]
  5. vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 203, 106, BSt­Bl II 2003, 848, und in BFH/​NV 2010, 614[]