Steu­er­frei­heit für Finanz­rich­ter?

Ein Rich­ter am Finanz­ge­richt kann einen Anspruch auf Steu­er­frei­stel­lung eines Drit­tels sei­ner Ein­nah­men nicht dar­aus her­lei­ten, dass die Gesamt­be­zü­ge von Abge­ord­ne­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges zu ca. einem Drit­tel aus einer steu­er­frei­en Kos­ten­pau­scha­le bestehen. Dies hat in einem heu­te ver­öf­fent­lich­ten Urteil das Finanz­ge­richt Müns­ter ent­schie­den.

Steu­er­frei­heit für Finanz­rich­ter?

In dem der Ent­schei­dung zugrun­de lie­gen­den Fall ver­trat der Klä­ger die Ansicht, die durch die Aus­übung sei­nes Beru­fes erziel­ten Ein­nah­men sei­en zu einem Drit­tel steu­er­frei zu belas­sen, da auch die Bezü­ge der Abge­ord­ne­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges zu ca. einem Drit­tel aus einer steu­er­frei­en Kos­ten­pau­scha­le bestün­den. Die Steu­er­ver­güns­ti­gung für die Abge­ord­ne­ten stel­le eine gegen Art. 3 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes ver­sto­ßen­de Ungleich­be­hand­lung dar, der durch Aus­deh­nung der Steu­er­ver­güns­ti­gung auf alle Steu­er­bür­ger zu begeg­nen sei.

Der 10. Senat des Finanz­ge­richts Müns­ter teil­te die­se Auf­fas­sung nicht und wies die Kla­ge ab. Der Klä­ger habe kei­nen Anspruch auf Ein­be­zie­hung in die begüns­ti­gen­de Rege­lung. Es kön­ne dahin­ge­stellt blei­ben, ob die Steu­er­frei­heit der Kos­ten­pau­scha­le für Abge­ord­ne­te des Deut­schen Bun­des­ta­ges ins­ge­samt oder hin­sicht­lich bestimm­ter Tei­le gegen Art. 3 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes ver­sto­ße, denn eine Nich­tig­keits­er­klä­rung der begüns­ti­gen­den Rege­lung füh­re nicht zu einer Bes­ser­stel­lung des Klä­gers. Ein Anspruch auf Gewäh­rung einer ver­gleich­ba­ren Steu­er­ver­güns­ti­gung erge­be sich auch nicht aus einer gleich­heits­wid­ri­gen Belas­tung des Klä­gers. Denn der Klä­ger gehö­re kei­ner Grup­pe von Steu­er­pflich­ti­gen an, der im Zusam­men­hang mit der Aus­übung ihrer Tätig­keit in ver­gleich­ba­rer Wei­se wie Abge­ord­ne­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges häu­fig Mehr­auf­wen­dun­gen für dop­pel­te Haus­halts­füh­rung und Ver­pfle­gung sowie erheb­li­che Fahrt­kos­ten ent­stün­den. Es lie­ge inner­halb des dem Gesetz­ge­ber zuste­hen­den Gestal­tungs­spiel­raums, typi­sie­rend an unter­schied­li­che Sach­ver­hal­te unter­schied­li­che Rechts­fol­gen zu knüp­fen.

Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig, das Finanz­ge­richt Müns­ter hat die Revi­si­on zum Bun­des­fi­nanz­hof zuge­las­sen.

FG Müns­ter, Urteil vom 23. Janu­ar 2006 – 10 K 2114/​04 E