Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Höhe des Grund- und des Kin­der­frei­be­trags im Jahr 2011

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat kei­ne ernst­li­chen Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Höhe von Grund­frei­be­trag und Kin­der­frei­be­trag im Jahr 2011.

Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Höhe des Grund- und des Kin­der­frei­be­trags im Jahr 2011

Zur Höhe des Grund­frei­be­trags

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des BVerfG [1] ist dem Steu­er­pflich­ti­gen das Exis­tenz­mi­ni­mum zu belas­sen. Die Höhe die­ses Exis­tenz­mi­ni­mums, wel­ches unter Berück­sich­ti­gung des Art. 6 Abs. 1 GG für eine Fami­lie zu betrach­ten ist, ori­en­tiert sich dabei am Min­dest­be­darf, wie ihn das Sozi­al­recht in Form der Sozi­al­hil­fe­leis­tun­gen kon­kre­ti­siert [2]. Zur ver­fas­sungs­recht­li­chen Über­prü­fung der Höhe des steu­er­li­chen Grund­frei­be­trags ist die­ser dem Min­dest­be­darf gegen­über­zu­stel­len.

Für zusam­men­ver­an­lag­te Steu­er­pflich­ti­ge betrug der Grund­frei­be­trag gemäß § 32a Abs. 1 und 5 EStG 16.008 €.

Was die Höhe des für 2011 anzu­set­zen­den Min­dest­be­darfs angeht, ent­nimmt der Bun­des­fi­nanz­hof die maß­geb­li­chen Daten dem Sieb­ten und ergän­zend auch dem Ach­ten Exis­tenz­mi­ni­mum­be­richt der Bun­des­re­gie­rung [3]. Zwar wird der nur alle zwei Jah­re vor­zu­le­gen­de Bericht [4] für ein bestimm­tes Jahr und für das Fol­ge­jahr ‑in pro­gnos­ti­scher Art und Wei­se- auf­ge­stellt, so dass eigent­lich aus­schließ­lich der für das Jahr 2010 erstell­te Sieb­te Exis­tenz­mi­ni­mum­be­richt her­an­zu­zie­hen wäre. Jedoch berück­sich­tigt der Ach­te Bericht die in Fol­ge der ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung (des sog. „Hartz IV“-Urteils) [5] erfolg­te Neu­er­mitt­lung der Regel­be­dar­fe zum 1.01.2011. Bei der gesetz­li­chen Fest­le­gung des „neu­en“ Regel­be­darfs (§ 20 SGB II; Anla­ge zu § 28 SGB XII) wur­den die ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben beach­tet [6]. Mit dem Vor­la­ge­be­schluss des Sozi­al­ge­richts Ber­lin, in dem die Über­zeu­gung von der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des „neu­en“ Regel­be­darfs geäu­ßert wird [7], hat sich das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in den Grün­den sei­ner Entscheidung(en) aus­ein­an­der­ge­setzt. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat die Argu­men­ta­ti­on des Sozi­al­ge­richts Ber­lin nicht geteilt. Ver­fas­sungs­be­schwer­den, die gegen die Ent­schei­dun­gen des Bun­des­so­zi­al­ge­richts ein­ge­legt wur­den, hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men [8]. Der Bun­des­fi­nanz­hof schließt sich der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts an und legt sei­ner Ent­schei­dung in Über­ein­stim­mung mit dem Ach­ten Exis­tenz­mi­ni­mum­be­richt die „neu­en“ Regel­be­darfs­sät­ze zugrun­de.

Nach den Exis­tenz­mi­ni­mum­be­rich­ten setzt sich der Sozi­al­hil­fe­be­darf aus drei Posi­tio­nen zusam­men (Regel­satz, Kos­ten der Unter­kunft, Heiz­kos­ten). Zu unter­schei­den sind drei Per­so­nen­grup­pen (Allein­ste­hen­de, Ehe­paa­re, Kin­der). Da die Antrag­stel­ler ver­hei­ra­tet sind, kön­nen ent­ge­gen ihren Berech­nun­gen in der Beschwer­de­schrift nicht die Daten für Allein­ste­hen­de her­an­ge­zo­gen und ein­fach ver­dop­pelt wer­den. Denn bei Ehe­paa­ren ist im Hin­blick auf den Regel­be­darf ‑die Exis­tenz­mi­ni­mum­be­rich­te spre­chen nicht vom Regel­be­darf, son­dern vom Regel­satz- eine Haus­halts­er­spar­nis zu berück­sich­ti­gen, die sich auf des­sen Höhe aus­wirkt [9]. Auch was die Unter­kunfts- und Hei­zungs­kos­ten angeht, sind aus­schließ­lich die für Ehe­paa­re gel­ten­den Daten (ange­mes­se­ne Woh­nungs­grö­ße u.ä.) anzu­set­zen.

Beim Regel­satz ist bei Ehe­paa­ren von einem Betrag in Höhe von 656 €/​Monat, also jähr­lich von 7.872 € aus­zu­ge­hen (2 x 328 € gemäß § 20 Abs. 4 SGB II und Regel­be­darfs­stu­fe 2 gemäß Anla­ge A zu § 28 SGB XII, jeweils in der im Streit­jahr gel­ten­den Fas­sung) [10]. Das sog. sozio-kul­tu­rel­le Exis­tenz­mi­ni­mum wur­de bei der Berech­nung des „neu­en“ Regel­sat­zes bereits erfasst [11].

Bei den Kos­ten der Unter­kunft geht der Bun­des­fi­nanz­hof auf der Grund­la­ge der im Sieb­ten und Ach­ten Bericht ange­ge­be­nen Daten von einem Jah­res­be­trag in Höhe von 4.272 € aus (die Mul­ti­pli­ka­ti­on der durch­schnitt­li­chen monat­li­chen Brut­to­kalt­mie­te pro qm in Höhe von 5, 93 € mit der ange­mes­se­nen Woh­nungs­grö­ße von 60 m² ergibt einen Monats­be­trag von 356 €). Der X. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs hat bei den Wohn­kos­ten die im Fünf­ten Exis­tenz­mi­ni­mum­be­richt [12] nie­der­ge­leg­te Bedarfs­er­mitt­lung für das Jahr 2005 aus­führ­lich über­prüft und aus­drück­lich gebil­ligt [13]. Der III. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs schließt sich die­ser Auf­fas­sung an. Er kann kei­ne Argu­men­te erken­nen, die eine abwei­chen­de Beur­tei­lung recht­fer­ti­gen wür­den. Auf die auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge, ob für einen Allein­ste­hen­den eine Woh­nungs­grö­ße von 30 m², so die Exis­tenz­mi­ni­mum­be­rich­te, oder von 50 m² ange­mes­sen ist, kommt es für den Streit­fall nicht an, da die Antrag­stel­ler zusam­men leben. Für Ehe­paa­re hat der Bun­des­fi­nanz­hof in Über­ein­stim­mung mit dem Bericht eine Woh­nungs­grö­ße von 60 m² als ange­mes­sen erach­tet [13]. Die ‑aller­dings erst am 3. April 2012 erlas­se­ne [14]- Wohn­auf­wen­dun­gen­ver­ord­nung (WAV) Ber­lin weist in ihrer Anla­ge 1 für einen Zwei­per­so­nen­haus­halt eben­falls eine 60 m²-Woh­nung als ange­mes­sen aus [15]. Auch gegen die Her­lei­tung der Durch­schnitts­mie­ten aus der Wohn­geld­sta­tis­tik hat der Bun­des­fi­nanz­hof kei­ne Ein­wen­dun­gen erho­ben [13]. Soweit auch dies­be­züg­lich auf die WAV Ber­lin ver­wie­sen wird, ist zum einen anzu­mer­ken, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt eine Regio­na­li­sie­rung des Grund­frei­be­trags im Hin­blick auf die Kos­ten der Unter­kunft nicht gefor­dert hat. Viel­mehr hat es dar­auf abge­stellt, dass ange­sichts des erheb­li­chen Preis­ge­fäl­les Preis­un­ter­schie­de durch das Wohn­geld aus­ge­gli­chen wer­den kön­nen [16]. Zum ande­ren weist die WAV Ber­lin für Zwei-Per­so­nen-Haus­hal­te nur gering­fü­gig höhe­re Brut­to­kalt­mie­ten aus als der Exis­tenz­mi­ni­mum­be­richt. Soweit in der Lite­ra­tur teil­wei­se die Not­wen­dig­keit gese­hen wird, die Bal­lungs­raum­pro­ble­ma­tik bei den Kos­ten der Unter­brin­gung im Rah­men der Bemes­sung des Grund­frei­be­trags zu berück­sich­ti­gen [17], kön­nen die Antrag­stel­ler hier­aus kei­nen Vor­teil für sich ablei­ten. Denn das Miet­ni­veau in Ber­lin bleibt deut­lich hin­ter ver­gleich­ba­ren Groß­städ­ten wie Mün­chen oder Ham­burg zurück.

Die dem Exis­tenz­mi­ni­mum­be­richt zugrun­de lie­gen­de Berech­nung der Heiz­kos­ten auf der Basis der Ein­kom­mens- und Ver­brauchs­stich­pro­be (EVS) begeg­net kei­nen durch­grei­fen­den Beden­ken [18]. Für das Jahr 2011 ist danach für Ehe­paa­re von einem Jah­res­be­trag von 835 € aus­zu­ge­hen [19]. Dass die­ser Betrag aus­rei­chend ist, bestä­tigt der Blick in ande­re öffent­lich ver­füg­ba­re Quel­len, wie z.B. den durch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Umwelt, Natur­schutz und Reak­tor­si­cher­heit geför­der­ten bun­des­wei­ten Heiz­kos­ten­spie­gel. Danach kos­te­te das Behei­zen einer 70-m²-Woh­nung im Abrech­nungs­jahr 2011 mit Heiz­öl durch­schnitt­lich 890 €, mit Erd­gas 715 € und mit Fern­wär­me 785 €.

Damit beträgt der Min­dest­be­darf von Ehe­paa­ren 12.979 €. Zwi­schen die­ser Sum­me und dem steu­er­li­chen Frei­be­trag in Höhe von 16.008 € besteht eine Dif­fe­renz von 3.029 €. Der Bun­des­fi­nanz­hof ver­mag bei der gebo­te­nen sum­ma­ri­schen Prü­fung nicht zu erken­nen, durch wel­che zusätz­li­chen Bedarfs­po­si­tio­nen die­ser „Puf­fer“ auf­ge­zehrt wer­den könn­te. Für den von den Antrag­stel­lern befür­wor­te­ten pau­scha­len 25 %-igen Zuschlag auf den Regel­satz zur Abgel­tung von ein­ma­li­gen Hil­fen und Mehr­be­dar­fen ‑dies ent­spricht einem Betrag von 1.968 EUR- ist kein Raum. Der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts lässt sich nicht ent­neh­men, dass die­ser Bedarf über­haupt und auf die­se Wei­se berück­sich­tigt wer­den müss­te. Die maß­geb­li­chen Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts sind zur Rechts­la­ge nach dem Bun­des­so­zi­al­hil­fe­ge­setz (BSHG) ergan­gen. Das Ver­fas­sungs­ge­richt hat die fol­gen­den im BSHG vor­ge­se­he­nen Leis­tun­gen als Maß­grö­ße für das ein­kom­men­steu­er­recht­li­che Exis­tenz­mi­ni­mum her­an­ge­zo­gen:

  • Regel­satz;
  • Leis­tun­gen für Unter­kunft und die Hei­zung;
  • ein­ma­li­ge Hil­fen, die einen zusätz­li­chen Grund­be­darf berück­sich­ti­gen, der durch die lau­fen­den Leis­tun­gen nicht gedeckt ist;
  • Mehr­be­darf für Erwerbs­tä­ti­ge [16]

. Danach sind Mehr­be­dar­fe, die das BSHG bei­spiels­wei­se für Schwan­ge­re, Allein­er­zie­hen­de oder Behin­der­te aner­kann­te (§ 23 BSHG i.d.F. vom 20.01.1987; vgl. jetzt auch § 21 SGB II und § 30 SGB XII), nicht Teil des sozi­al­hil­fe­recht­li­chen Min­dest­be­darfs, der all­ge­mein durch Hil­fen zum not­wen­di­gen Lebens­un­ter­halt an jeden Bedürf­ti­gen befrie­digt wird. Die im Zuge der sog. Hartz-Refor­men erfolg­ten Ände­run­gen im Sozi­al­recht haben dazu geführt, dass ein­ma­li­ge Bei­hil­fen zum Lebens­un­ter­halt, von weni­gen Aus­nah­men (§ 24 Abs. 3 SGB II, § 31 Abs. 1 SGB XII) abge­se­hen, nicht mehr gewährt wer­den [20]. Dem Weg­fall der vom BSHG noch zahl­reich vor­ge­se­he­nen ein­ma­li­gen Bei­hil­fen (z.B. zur Anschaf­fung von Klei­dung oder Gebrauchs­gü­tern län­ge­rer Nut­zungs­dau­er) wur­de durch eine Erhö­hung der Regel­leis­tung und neu ein­ge­führ­te Son­der­be­darf­s­tat­be­stän­de (vgl. z.B. § 24 Abs. 3 SGB II) Rech­nung getra­gen [21]. Das SGB II und das SGB XII sehen im Unter­schied zu § 23 Abs. 4 Nr. 1 BSHG (in der zum 1.01.1987 gel­ten­den Fas­sung) auch kei­nen Mehr­be­darf für Erwerbs­tä­ti­ge mehr vor. Es erscheint daher nahe­lie­gend, dass die­ser Bedarf bei der Ermitt­lung des Min­dest­be­darfs auch nicht mehr zu berück­sich­ti­gen ist [22].

Aus den genann­ten Grün­den kann es jeden­falls nicht ange­hen, pau­schal 25 % des ‑erhöh­ten- Regel­be­darfs als Teil des sozi­al­hil­fe­recht­li­chen Min­dest­be­darfs anzu­er­ken­nen, um Mehr­be­darfs­la­gen und ein­ma­li­gen Leis­tungs­ge­wäh­run­gen Rech­nung zu tra­gen. Im Übri­gen wür­de der oben erwähn­te „Puf­fer“ aus­rei­chen, um selbst einen ‑auf die­se Wei­se ermit­tel­ten- zusätz­li­chen Bedarf auch noch abzu­de­cken.

Zur Höhe des Kin­der­frei­be­trags (Frei­be­trä­ge nach § 32 Abs. 6 EStG)

Es ist für den Bun­des­fi­nanz­hof auch nicht ernst­lich zwei­fel­haft, dass im Streit­jahr das Kin­der­exis­tenz­mi­ni­mum steu­er­lich ver­schont wur­de.

Was die Steu­er­frei­heit des Exis­tenz­mi­ni­mums der Kin­der des Steu­er­pflich­ti­gen angeht, gesteht das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt [23] dem Gesetz­ge­ber einer­seits zu, die steu­er­li­che Ent­las­tung in Höhe des Exis­tenz­mi­ni­mums der Kin­der für alle Alters­stu­fen und im gan­zen Bun­des­ge­biet ein­heit­lich fest­zu­le­gen, erkennt ande­rer­seits aber, dass die Leis­tun­gen der Sozi­al­hil­fe weder für alle in Betracht kom­men­den Alters­stu­fen der Kin­der noch in allen Bun­des­län­dern ein­heit­lich sind. Dar­aus fol­gert es, dass für den Ver­gleich aus den unter­schied­li­chen Sät­zen ein Durch­schnitts­satz des im Sozi­al­hil­fe­recht aner­kann­ten Bedarfs gebil­det wer­den muss. Die Kri­te­ri­en für die Ermitt­lung des sozi­al­recht­li­chen Min­dest­be­darfs hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­nem Beschluss vom 10. Novem­ber 1998 [24] dahin­ge­hend wei­ter prä­zi­siert, dass der Wohn­be­darf des Kin­des nicht nach der Pro-Kopf-Metho­de, son­dern nach dem Mehr­be­darf zu ermit­teln ist.

Auf der Basis die­ser Grund­sät­ze ver­mag der Bun­des­fi­nanz­hof nicht zu erken­nen, dass die für 2011 gel­ten­den Frei­be­trä­ge ver­fas­sungs­recht­lich zu bean­stan­den sein könn­ten. Die ver­glei­chen­de Betrach­tung mit dem Min­dest­be­darf zeigt, dass aus­ge­hend von den Daten der Exis­tenz­mi­ni­mum­be­rich­te die Frei­be­trä­ge aus­rei­chend bemes­sen waren.

Im Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2011 waren gemäß § 32 Abs. 6 EStG Frei­be­trä­ge für das säch­li­che Exis­tenz­mi­ni­mum in Höhe von 4.368 € und für den Betreu­ungs- oder Erzie­hungs- und Aus­bil­dungs­be­darf eines Kin­des in Höhe von 2.640 € zu gewäh­ren. Nach dem Sieb­ten bezie­hungs­wei­se Ach­ten Exis­tenz­mi­ni­mum­be­richt betrug das säch­li­che Exis­tenz­mi­ni­mum eines Kin­des für das Jahr 2010 3.864 € und für das Jahr 2012 4.272 €.

Bei der Ermitt­lung des Min­dest­be­darfs geht der Ach­te Exis­tenz­mi­ni­mum­be­richt unter Zif­fer 5.1.1 zunächst von dem seit 1. Janu­ar 2011 gel­ten­den „neu­en“ Regel­be­darf aus. Alters­ab­hän­gi­ge Unter­schie­de wer­den durch die Berech­nung eines nach Lebens­jah­ren gewich­te­ten durch­schnitt­li­chen Regel­be­darfs berück­sich­tigt, wobei nur min­der­jäh­ri­ge Kin­der ein­be­zo­gen wur­den. Regio­na­le Unter­schie­de blei­ben unbe­ach­tet. Das alles ist metho­disch nicht zu bean­stan­den, was sich inzi­dent aus der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ergibt. Im Ver­fah­ren 1 BvR 1022/​88 hat es die ver­gleich­ba­ren Berech­nun­gen des Bun­des­mi­nis­ters für Fami­lie und Senio­ren wie­der­ge­ge­ben und nicht ver­wor­fen [25]. Auch der Exis­tenz­mi­ni­mum­be­richt für das Jahr 1999 vom 17. Dezem­ber 1997 [26], der Grund­la­ge für die eige­nen Berech­nun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts im Ver­fah­ren 2 BvL 42/​93 war [27], beruht auf der­sel­ben Vor­ge­hens­wei­se.

Hil­fe zum Lebens­be­darf umfasst auch die mit Wir­kung ab 2011 neu­ge­re­gel­ten Bil­dungs- und Teil­ha­be­leis­tun­gen für Kin­der (§ 28 SGB II und § 34 SGB XII) [28]. Der Ach­te Exis­tenz­mi­ni­mum­be­richt (Ach­ter Exis­tenz­mi­ni­mum­be­richt, Tz.05.01.2) setzt hier­für ‑unter Aus­gren­zung von Son­der­be­darfs­la­gen (z.B. Nach­hil­fe­un­ter­richt, mehr­tä­gi­ge Klas­sen­fahr­ten)- pro Kind und Monat 19 € an (100 € jähr­lich für Schul­be­darf, 3 € monat­lich für Aus­flü­ge sowie 10 € monat­lich ins­be­son­de­re für Ver­eins­mit­glied­schaf­ten, vgl. § 28 Abs. 3 und 7 SGB II, § 34 Abs. 3 und 7 SGB XII). Der Betrag wur­de als nach Lebens­jah­ren gewich­te­ter Durch­schnitt berech­net. Der Bericht qua­li­fi­ziert die­se Leis­tun­gen als Teil des säch­li­chen Exis­tenz­mi­ni­mums, der dem ent­spre­chen­den steu­er­li­chen Frei­be­trag in Höhe von 4.368 € gegen­über­ge­stellt wird. Dies erscheint dem Bun­des­fi­nanz­hof zwei­fel­haft, weil offen­kun­dig auch ein Bedarf befrie­digt wird, der steu­er­lich durch den Frei­be­trag für Betreu­ungs- und Erzie­hungs- oder Aus­bil­dungs­be­darf zusätz­lich abge­gol­ten wird. Ange­sichts der im Bericht voll­zo­ge­nen sach­lich nach­voll­zieh­ba­ren Abgren­zung zwi­schen Son­der- und Regel­be­darfs­la­gen, der schlüs­si­gen Berech­nun­gen und des ohne­hin bestehen­den „Puf­fers“ zwi­schen Exis­tenz­mi­ni­mum und den Frei­be­trä­gen des § 32 Abs. 6 EStG sieht der Bun­des­fi­nanz­hof kei­ne hin­rei­chen­den Anhalts­punk­te für eine ver­fas­sungs­recht­li­che Bean­stan­dung. Sol­che erge­ben sich ins­be­son­de­re auch nicht aus der Beschwer­de­be­grün­dung.

Bei der Berech­nung der Kos­ten der Unter­kunft wird für ein Kind eine Wohn­flä­che von 12 qm zugrun­de gelegt [29]. Die Metho­de stellt damit auf den für Kin­der not­wen­di­gen Mehr­be­darf an Wohn­raum ab und nicht auf eine Auf­tei­lung der Wohn­kos­ten nach Köp­fen. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die Ermitt­lung nach der Mehr­be­darfs­me­tho­de aus­drück­lich ver­langt [27]. Der Ach­te Exis­tenz­mi­ni­mum­be­richt legt sodann die bei kin­der­lo­sen Ehe­paa­ren berück­sich­tig­te monat­li­che Brut­to­kalt­mie­te pro Qua­drat­me­ter Wohn­flä­che auch für Kin­der zugrun­de. Beim Mie­ten­ni­veau wer­den somit Allein­er­zie­hen­de mit einem Kind einem Zwei-Per­so­nen-Haus­halt gleich­ge­stellt. Bereits im Exis­tenz­mi­ni­mum­be­richt für 1999 [30], der den Berech­nun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts im soeben zitier­ten Beschluss vom 10. Novem­ber 1998 zugrun­de lag, wur­de der Wohn­be­darf auf die­se Wei­se ermit­telt.

Da in der EVS die Heiz­kos­ten nicht kind­be­zo­gen erfasst sind, wer­den im Ach­ten Exis­tenz­mi­ni­mum­be­richt die Heiz­kos­ten für Kin­der als Rela­ti­on zu deren Brut­to­kalt­mie­te ent­spre­chend dem Ver­hält­nis der Heiz­kos­ten eines kin­der­lo­sen Paa­res zu des­sen Brut­to­kalt­mie­te in Ansatz gebracht.

Da es bei der Ermitt­lung des kind­be­zo­ge­nen Min­dest­be­darfs ange­sichts der gro­ßen regio­na­len und alters­be­ding­ten Band­brei­ten letzt­end­lich nur dar­um geht, einen Richt­wert auf sta­tis­tisch nach­voll­zieh­ba­re Wei­se zu erhal­ten, sind für den Bun­des­fi­nanz­hof kei­ne Grün­de dafür ersicht­lich, war­um die im Exis­tenz­mi­ni­mum­be­richt ver­ar­bei­te­ten Daten und die dort ange­wand­ten Berech­nungs­me­tho­den die­sem Zweck nicht genü­gen soll­ten.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 19. März 2014 – III B 74/​13

  1. BVerfG, Beschlüs­se vom 25.09.1992 – 2 BvL 5/​91, 2 BvL 8/​91, 2 BvL 14/​91, BVerfGE 87, 153, BStBl II 1993, 413; vom 13.02.2008 – 2 BvL 1/​06, BVerfGE 120, 125, m.w.N.[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 87, 153, BStBl II 1993, 413[]
  3. BT-Drs. 16/​11065 und 17/​5550[]
  4. Beschluss des Deut­schen Bun­des­tags vom 31.05.1995, BT-Drs. 13/​1558[]
  5. BVerfG, Urteil vom 09.02.2010 – 1 BvL 1/​09, 1 BvL 3/​09, 1 BvL 4/​09, BVerfGE 125, 175[]
  6. BSG, Urtei­le vom 12.07.2012 – B 14 AS 153/​11 R, BSGE 111, 211; B 14 AS 189/​11 R; vom 28.03.2013 – B 4 AS 12/​12 R, SozR 4–4200 § 20 Nr. 18[]
  7. SG Ber­lin, Beschluss vom 25.04.2012 – S 55 AS 9238/​12[]
  8. BVerfG, Beschlüs­se vom 20.11.2012 – 1 BvR 2203/​12; vom 27.12 2012 – 1 BvR 2471/​12; vgl. Beh­rend in juris­PK-SGB II, § 20 Rz 109.9[]
  9. vgl. BFH, Urteil vom 18.11.2009 – X R 34/​07, BFHE 227, 99, BStBl II 2010, 414; BSG, Urteil in SozR 4–4200 § 20 Nr. 18, Rz 25 der Grün­de[]
  10. Ach­ter Exis­tenz­mi­ni­mum­be­richt unter Zif­fer 4.1.1[]
  11. vgl. Beh­rend in juris­PK-SGB II, § 20 Rz 43 f.[]
  12. BT-Drs. 15/​2462[]
  13. BFH, Urteil in BFHE 227, 99, BStBl II 2010, 414[][][]
  14. GVBL. Ber­lin 2012, 99[]
  15. vgl. auch Pie­pen­stock in juris­PK-SGB II, § 22 Rz 69[]
  16. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 87, 153, BStBl II 1993, 413[][]
  17. z.B. Dziad­kow­ski, Finanz-Rund­schau 2008, 124[]
  18. vgl. BFH, Urteil in BFHE 227, 99, BStBl II 2010, 414[]
  19. vgl. Ach­ter Exis­tenz­mi­ni­mum­be­richt, Zif­fer 4.1.3[]
  20. Schmidt in Oestrei­cher, SGB II/​SGB XII, § 20 SGB II Rz 12 und 26[]
  21. vgl. BVerfG, Urteil in BVerfGE 125, 175, m.w.N.[]
  22. a.A. wohl Sar­to­ri­us, Das Exis­tenz­mi­ni­mum im Recht, 2000, S. 188 f.[]
  23. BVerfG, Beschluss vom 14.06.1994 – 1 BvR 1022/​88, BVerfGE 91, 93, BStBl II 1994, 909, unter C.II. 1.c, m.w.N.[]
  24. BVerfG, Beschluss vom 10.11.1998 – 2 BvL 42/​93, BVerfGE 99, 246, BStBl II 1999, 174[]
  25. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 91, 93, BStBl II 1994, 909[]
  26. BT-Drs. 13/​9561, Zif­fer 4.1[]
  27. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 99, 246, BStBl II 1999, 174[][]
  28. vgl. hier­zu Luik in juris­PK-SGB XII, § 34 Rz 10 ff. und 25[]
  29. Ach­ter Exis­tenz­mi­ni­mum­be­richt, Zif­fer 5.1.3[]
  30. BT-Drs. 13/​9561, Zif­fer 5.3[]