Zin­sen auf Steu­er­erstat­tun­gen

Im Juni 2010 hat­te der Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­den, dass Erstat­tungs­zin­sen, also gesetz­li­che Zin­sen, die das Finanz­amt auf­grund von Ein­kom­men­steu­er­erstat­tun­gen an den Steu­er­pflich­ti­gen zahlt, nicht der Ein­kom­men­steu­er unter­lie­gen1. Die­ses Urteil hat der Gesetz­ge­ber durch das Jah­res­steu­er­ge­setz 20102 zu kor­ri­gie­ren ver­sucht. Und das Finanz­ge­richt Müns­ter beur­teilt nun die­se durch das Jah­res­steu­er­ge­setz 2010 rück­wir­kend ange­ord­ne­te Besteue­rung von Zin­sen, die vom Fis­kus auf Steu­er­erstat­tun­gen gezahlt wer­den, als ver­fas­sungs­ge­mäß.

Zin­sen auf Steu­er­erstat­tun­gen

Das Urteil des Finanz­ge­richts ist aller­dings noch nicht rechts­kräf­tig. Die – vom Finanz­ge­richt Müns­ter zuge­las­se­ne – Revi­si­on hier­ge­gen ist beim Bun­des­fi­nanz­hof anhän­gig3.

In dem vom Finanz­ge­richt Müns­ter ent­schie­de­nen Fall hat­ten die Klä­ger im Streit­jahr auf­grund von Ein­kom­men­steu­er­erstat­tun­gen sog. Erstat­tungs­zin­sen (§ 233a AO) vom Finanz­amt erhal­ten. Aller­dings muss­ten sie gleich­zei­tig wegen Steu­er­for­de­run­gen für ande­re Jah­re sog. Nach­zah­lungs­zin­sen zah­len. Die Klä­ger waren der Mei­nung, dass ent­we­der die Erstat­tungs­zin­sen steu­er­frei oder aber die Nach­zah­lungs­zin­sen steu­er­lich absetz­bar sei­en.

Die­se Auf­fas­sung teilt das Finanz­ge­richt Müns­ter nicht und ent­schied statt des­sen, dass Erstat­tungs­zin­sen nach der durch das Jah­res­steu­er­ge­setz 2010 geän­der­ten Fas­sung des § 20 Abs. 1 Nr. 7 Satz 3 EStG steu­er­pflich­ti­ge Erträ­ge aus Kapi­tal­for­de­run­gen sind. Die Geset­zes­än­de­rung sei – dies sehe das Jah­res­steu­er­ge­setz vor – auf alle Fäl­le anwend­bar, in denen die Steu­er noch nicht rechts­kräf­tig fest­ge­setzt sei. Sie gel­te daher auch im Streit­fall. Die sich hier­aus erge­ben­de Rück­wir­kung der Neu­re­ge­lung ver­sto­ße nicht gegen die Ver­fas­sung. Zwar sei eine ech­te Rück­wir­kung nur unter engen Vor­aus­set­zun­gen zuläs­sig. Die­se sei­en im Streit­fall aber gege­ben, denn der Gesetz­ge­ber habe mit der Neu­re­ge­lung ledig­lich eine Geset­zes­la­ge geschaf­fen, die der – vor der Ände­rung der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­ho­fes – gefes­tig­ten Recht­spre­chung und Rechts­pra­xis ent­spre­che.

Ursprüng­lich sei­en Erstat­tungs­zin­sen von der Recht­spre­chung als Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen ange­se­hen wor­den. Die­se Recht­spre­chung habe der Bun­des­fi­nanz­hof erst in einer Ent­schei­dung vom 15. Juni 2010 auf­ge­ge­ben. Hier­auf habe der Gesetz­ge­ber reagiert und mit der Ände­rung des § 20 Abs. 1 Nr. 7 Satz 3 EStG die vor­mals gel­ten­de Rechts­la­ge wie­der her­ge­stellt.

Soweit die Klä­ger hilfs­wei­se die Berück­sich­ti­gung der von ihnen ent­rich­te­ten Nach­zah­lungs­zin­sen als Son­der­aus­ga­ben begehr­ten, blieb die Kla­ge eben­falls ohne Erfolg. Die ursprüng­li­che Abzugs­mög­lich­keit bestehe – so das Gericht – bereits seit 1999 nicht mehr. Die kla­re gesetz­ge­be­ri­sche Ent­schei­dung, einer­seits Erstat­tungs­zin­sen als Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen zu besteu­ern und ande­rer­seits Nach­zah­lungs­zin­sen nicht zum Abzug zuzu­las­sen, sei nicht zu bean­stan­den. Der Gesetz­ge­ber sei nicht ver­pflich­tet, par­al­le­le Rege­lun­gen zu schaf­fen.

Finanz­ge­richt Müns­ter, Urteil vom 16. Dezem­ber 2010 – 5 K 3626/​03 E

  1. BFH, Urteil vom 15.06.2010 – VIII R 33/​07 []
  2. vom 08.12.2010 []
  3. BFH – VIII R 1/​11 []
  4. BFH, Urteil vom 15.06.2010 – VIII R 33/​07 []