Feh­len­de Fest­stel­lung eines ver­blei­ben­den Ver­lust­vor­trags

Hat das Finanz­amt den ver­blei­ben­den Ver­lust­vor­trag nur für bestimm­te Ein­kunfts­ar­ten geson­dert fest­ge­stellt, ist eine feh­len­de Fest­stel­lung für eine wei­te­re Ein­kunfts­art nicht in einem Ergän­zungs­be­scheid nach­zu­ho­len.

Feh­len­de Fest­stel­lung eines ver­blei­ben­den Ver­lust­vor­trags

Gemäß § 179 Abs. 3 AO ist eine not­wen­di­ge Fest­stel­lung in einem Ergän­zungs­be­scheid nach­zu­ho­len, soweit die­se Fest­stel­lung in einem Fest­stel­lungs­be­scheid unter­blie­ben ist. Eine not­wen­di­ge Fest­stel­lung ist unter­blie­ben, wenn sie hät­te getrof­fen wer­den müs­sen, aber nicht getrof­fen wor­den ist. Hat das Finanz­amt dage­gen bereits eine –wenn auch nega­ti­ve– Ent­schei­dung über die betref­fen­de Fest­stel­lung getrof­fen, so liegt inso­weit kein unvoll­stän­di­ger Bescheid vor 1. Ergän­zungs­be­schei­de dür­fen einen lücken­haf­ten Fest­stel­lungs­be­scheid ver­voll­stän­di­gen, nicht aber einen unrich­ti­gen Fest­stel­lungs­be­scheid kor­ri­gie­ren oder in ihm getrof­fe­ne Fest­stel­lun­gen ändern; denn in einem sol­chen Fall ist die ursprüng­li­che Fest­stel­lung nicht lücken­haft, son­dern inhalt­lich falsch 2.

Ist der Ver­lust­vor­trag für eine ande­re Steu­er­art aber bereits fest­ge­stellt, ist nach die­sen Grund­sät­zen ein Ergän­zungs­be­scheid nicht zu erlas­sen. Der Fest­stel­lungs­be­scheid über den ver­blei­ben­den Ver­lust­vor­trag ist hin­sicht­lich der feh­len­den Ein­künf­te aus Gewer­be­be­trieb nicht unvoll­stän­dig, son­dern unrich­tig. Denn das Finanz­amt hat durch das Unter­las­sen die­ser Fest­stel­lung die unzu­tref­fen­de Ent­schei­dung getrof­fen, dass für die­se Ein­kunfts­art kein Ver­lust­vor­trag ver­blie­ben ist.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17. Dezem­ber 2008 – IX R 94/​07

  1. vgl. BFH, Urteil vom 22. Sep­tem­ber 1977 IV R 120/​73, BFHE 123, 467, BSt­Bl II 1978, 152[]
  2. BFH, Urteil vom 15. Janu­ar 2002 IX R 21/​98, BFHE 197, 503, BSt­Bl II 2002, 309, m.w.N.[]