Das vom Gesell­schaf­ter ver­bürg­ten Dar­lehn als ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tung

Die Über­nah­me einer durch eine Bürg­schaft der Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­re­rin gesi­cher­ten Dar­le­hens­ver­bind­lich­keit stellt kei­ne ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tung (vGA) dar, wenn das eigen­be­trieb­li­che Inter­es­se der Gesell­schaft das aus­lö­sen­de Moment für die Zah­lung war.

Das vom Gesell­schaf­ter ver­bürg­ten Dar­lehn als ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tung

Unter einer vGA i. S. des § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG (für die Gewer­be­steu­er i. V. m. § 7 Satz 1 GewStG), ist bei einer Kapi­tal­ge­sell­schaft eine Ver­mö­gens­min­de­rung oder ver­hin­der­te Ver­mö­gens­meh­rung zu ver­ste­hen, die durch das Gesell­schafts­ver­hält­nis ver­an­lasst ist, sich auf die Höhe des Unter­schieds­be­tra­ges gemäß § 4 Abs. 1 Satz 1 EStG i. V. m. § 8 Abs. 1 KStG aus­wirkt und in kei­nem Zusam­men­hang mit einer offe­nen Aus­schüt­tung steht 1. Eine Ver­an­las­sung durch das Gesell­schafts­ver­hält­nis ist anzu­neh­men, wenn die Kapi­tal­ge­sell­schaft ihrem Gesell­schaf­ter einen Ver­mö­gens­vor­teil zuwen­det, den sie bei Anwen­dung der Sorg­falt eines ordent­li­chen und gewis­sen­haf­ten Geschäfts­lei­ters einem Nicht­ge­sell­schaf­ter nicht gewährt hät­te 2.

Steht die Absicht, einem Gesell­schaf­ter einen Ver­mö­gens­vor­teil zuzu­wen­den, im Vor­der­grund, so ver­drängt die­se Ver­an­las­sung die mög­li­cher­wei­se dane­ben bestehen­de eigen­be­trieb­li­che Absicht der Kapi­tal­ge­sell­schaft. Es ist nicht aus­rei­chend, eine eigen­be­trieb­li­che Mit­ver­an­las­sung fest­zu­stel­len. Auf­grund einer Gewich­tung und Abwä­gung der die Auf­wen­dun­gen aus­lö­sen­den Momen­te ist fest­zu­stel­len, wel­ches aus­lö­sen­de Moment das letzt­lich maß­ge­ben­de war 3.

Die objek­ti­ve Fest­stel­lungs­last dafür, dass die Vor­aus­set­zun­gen einer vGA vor­lie­gen, obliegt grund­sätz­lich dem Finanz­amt. Das betrifft sowohl das Vor­lie­gen einer Ver­mö­gens­min­de­rung (oder ver­hin­der­ten Ver­mö­gens­meh­rung) als auch die Fra­ge nach der Ver­an­las­sung die­ser Ver­mö­gens­min­de­rung (oder ver­hin­der­ten Ver­mö­gens­meh­rung) durch das Gesell­schafts­ver­hält­nis. Spricht der fest­ge­stell­te Sach­ver­halt dafür, dass die­se Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind, kann es aller­dings Sache des Steu­er­pflich­ti­gen sein, den dadurch gesetz­ten Anschein zu wider­le­gen. Es gel­ten die all­ge­mei­nen Grund­sät­ze zur Beweis­ri­si­ko­ver­tei­lung 4.

Es ist mit dem Han­deln eines ordent­li­chen und gewis­sen­haf­ten Geschäfts­füh­rers ver­ein­bar, wenn eine Gesell­schaft, die von einer ande­ren Gesell­schaft die Abwick­lung von Bau­vor­ha­ben über­nom­men hat, auch zunächst nicht abseh­ba­re Auf­wen­dun­gen in Form einer Dar­le­hens-Unter­de­ckung sowie von nach­träg­li­chen Bau­kos­ten auf­grund eines Was­ser­scha­dens über­nimmt und die­se Auf­wen­dun­gen – eben­so wie die übri­gen Kos­ten – über ein Ver­rech­nungs­kon­to, das mit jähr­lich 6 % ver­zinst wird, ver­bucht. Dies gilt umso mehr, als dass fest­steht, dass die GmbH die­se Auf­wen­dun­gen nicht zur Abwen­dung der Inan­spruch­nah­me von Frau A aus der über­nom­me­nen Bürg­schaft, son­dern aus eigen­be­trieb­li­chen Inter­es­sen über­nom­men hat, ins­be­son­de­re um gegen­über der finan­zie­ren­den Bank, die gera­de ein wei­te­res, gro­ßes Bau­pro­jekt der GmbH betreu­te, als ver­läss­li­cher Geschäfts­part­ner auf­zu­tre­ten.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 19. Juni 2014 – 3 K 74/​13

  1. BFH, Urtei­le vom 23.10.2013 – I R 60/​12, BFHE 244, 256, HFR 2014, 421; vom 11.09.2013 – I R 26/​12, BFH7NV 2014, 728[]
  2. BFH, Urtei­le vom 23.10.2013 – I R 60/​12, BFHE 244, 256, HFR 2014, 421; vom 26.06.2013 – I R 39/​12, BFHE 242, 305, BSt­Bl II 2014, 174[]
  3. BGH, Urteil vom 28.11.1991 – I R 13/​90, BFHE 166, 251, BSt­Bl II 1992, 359[]
  4. vgl. BFH, Urteil vom 04.04.2002, – I B 140/​01, BFH/​NV 2002, 1179[]