Pen­si­ons­zu­sa­ge an den Gesell­schaf­ter-Ehe­gat­ten ohne Pro­be­zeit

Die Zusa­ge einer Pen­si­on an den bei der GmbH als (wei­te­ren) Geschäfts­füh­rer beschäf­tig­ten Ehe­gat­ten des beherr­schen­den (99%) Gesell­schaf­ters ohne eine aus­rei­chen­de Erpro­bung stellt nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs eine ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tung dar.

Pen­si­ons­zu­sa­ge an den Gesell­schaf­ter-Ehe­gat­ten ohne Pro­be­zeit

Unter einer ver­deck­ten Gewinn­aus­schüt­tung (vGA) im Sin­ne des § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG ist bei einer Kapi­tal­ge­sell­schaft eine Ver­mö­gens­min­de­rung (ver­hin­der­te Ver­mö­gens­meh­rung) zu ver­ste­hen, die durch das Gesell­schafts­ver­hält­nis ver­an­lasst ist, sich auf die Höhe des Unter­schieds­be­tra­ges gemäß § 4 Abs. 1 Satz 1 EStG i.V.m. § 8 Abs. 1 KStG aus­wirkt und in kei­nem Zusam­men­hang zu einer offe­nen Aus­schüt­tung steht. Für den größ­ten Teil der ent­schie­de­nen Fäl­le hat der Bun­des­fi­nanz­hof die Ver­an­las­sung durch das Gesell­schafts­ver­hält­nis ange­nom­men, wenn die Kapi­tal­ge­sell­schaft ihrem Gesell­schaf­ter oder einer die­sem nahe ste­hen­den Per­son einen Ver­mö­gens­vor­teil zuwen­det, den sie bei der Sorg­falt eines ordent­li­chen und gewis­sen­haf­ten Geschäfts­lei­ters einem Nicht­ge­sell­schaf­ter nicht gewährt hät­te 1.

Wie der Bun­des­fi­nanz­hof wie­der­holt ent­schie­den hat 2, ist davon aus­zu­ge­hen, dass ein ordent­li­cher und gewis­sen­haf­ter Geschäfts­lei­ter einer GmbH deren Geschäfts­füh­rer eine Pen­si­on erst dann zusa­gen wird, wenn er die Leis­tungs­fä­hig­keit des neu bestell­ten Geschäfts­füh­rers zuver­läs­sig abzu­schät­zen ver­mag. Ohne Erpro­bung des Geschäfts­füh­rers wür­de eine Pen­si­on nicht zuge­sagt wer­den. An die­ser Recht­spre­chung ist fest­zu­hal­ten.

Aller­dings hat der Senat das Erfor­der­nis einer Pro­be­zeit bei sol­chen Unter­neh­men für ver­zicht­bar gehal­ten, die aus eige­ner Erfah­rung Kennt­nis­se über die Befä­hi­gung des Geschäfts­lei­ters haben. Die­se Kri­te­ri­en sind bei einem Unter­neh­men als erfüllt ange­se­hen wor­den, das seit Jah­ren tätig war und ledig­lich sein Rechts­kleid ändert, wie bei­spiels­wei­se bei Begrün­dung einer Betriebs­auf­spal­tung oder einer Umwand­lung 3. Glei­cher­ma­ßen ver­hält es sich bei einem sog. Manage­ment-buy-out, wenn bis­he­ri­ge lei­ten­de Ange­stell­te eines Unter­neh­mens die­ses "auf­kau­fen" und sodann in Gestalt eines ande­ren Unter­neh­mens fort­füh­ren 4.

Das erst­in­stanz­lich mit die­sem Rechts­streit befass­te Finanz­ge­richt des Saar­lands 5 hat die­se Grund­sät­ze auf den Streit­fall ange­wandt. Es hat den­noch aus­ge­schlos­sen, dass ein ordent­li­cher und gewis­sen­haf­ter Geschäfts­lei­ter unter den Gege­ben­hei­ten des Streit­fal­les auch einem gesell­schafts­frem­den Geschäfts­füh­rer bereits knapp sechs Wochen nach der Bestel­lung zum Geschäfts­füh­rer eine ver­gleich­ba­re Pen­si­on zuge­sagt hät­te. Die Ehe­frau habe zwar bereits län­ge­re Zeit für die GmbH gear­bei­tet, jedoch nicht in füh­ren­der Stel­lung, son­dern als Büro­an­ge­stell­te und damit wei­sungs­ge­bun­den. Die Klä­ge­rin habe kei­ne Umstän­de dar­ge­tan, die erkenn­bar auf die Eig­nung der Ehe­frau als Geschäfts­füh­re­rin hin­wie­sen. Ein ordent­li­cher und gewis­sen­haf­ter Geschäfts­lei­ter hät­te daher auf eine ange­mes­se­ne Pro­be­zeit nicht ver­zich­tet.

Die­se Sach­ver­halts­wür­di­gung des Finanz­ge­richts mag nicht zwin­gend sein, so nun der Bun­des­fi­nanz­hof. Sie lässt jedoch kei­ne Ver­stö­ße gegen Denk­ge­set­ze oder Erfah­rungs­sät­ze erken­nen und ist des­we­gen aus revi­si­ons­recht­li­cher Sicht nicht zu bean­stan­den. Die Fest­stel­lung, dass die Zusa­ge einer Alters­ver­sor­gung durch das Gesell­schafts­ver­hält­nis (mit-)veranlasst ist, beruht im Wesent­li­chen auf Schluss­fol­ge­run­gen tat­säch­li­cher Art, die zu den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen i.S. von § 118 Abs. 2 FGO gehö­ren und des­halb das Revi­si­ons­ge­richt grund­sätz­lich bin­den. Soweit die Klä­ge­rin gel­tend macht, die vor­he­ri­ge Tätig­keit der E als kauf­män­ni­sche Ange­stell­te rei­che aus, um sich ein Bild von ihren Fähig­kei­ten als Geschäfts­füh­re­rin zu machen, setzt sie nur ihre eige­ne Wür­di­gung anstel­le der­je­ni­gen des FG.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 17. März 2010 – I R 19/​09

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. BFH, Urteil vom 16.03.1967 – I 261/​63, BFHE 89, 208, BSt­Bl III 1967, 626[]
  2. vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 23.02.2005 – I R 70/​04, BFHE 209, 252, BSt­Bl II 2005, 882; und vom 24.04.2002 – I R 18/​01, BFHE 199, 144, BSt­Bl II 2002, 670, m.w.N.[]
  3. vgl. BFH, Urtei­le vom 29.10.1997 – I R 52/​97, BFHE 184, 487, BSt­Bl II 1999, 318; vom 18.02.1999 – I R 51/​98, BFH/​NV 1999, 1384; vom 18.08.1999 – I R 10/​99, BFH/​NV 2000, 225[]
  4. BFHE 199, 144, BSt­Bl II 2002, 670[]
  5. FG Saar­land, Urteil vom 03.12.2008 – 1 K 1377/​04, EFG 2009, 774[]