Kos­ten­fest­set­zungs­be­schluss – und die Auf­rech­nung mit Steu­er­an­sprü­chen

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist eine Auf­rech­nung des Finanz­amt mit einem Steu­er­an­spruch gegen einen Kos­ten­fest­set­zungs­an­spruch des Steu­er­pflich­ti­gen nach Maß­ga­be des § 226 AO grund­sätz­lich zuläs­sig [1].

Kos­ten­fest­set­zungs­be­schluss – und die Auf­rech­nung mit Steu­er­an­sprü­chen

Hier­zu muss dem Finanz­amt im Zeit­punkt der Auf­rech­nung ein fäl­li­ger Anspruch i.S. des § 226 Abs. 1 AO aus einer Steu­er­fest­set­zung gegen den Gläu­bi­ger des Kos­ten­fest­set­zungs­be­schlus­ses zuste­hen. Die bei­den For­de­run­gen ste­hen in einem Gegen­sei­tig­keits­ver­hält­nis (§ 406 BGB).

Der Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch ist bereits vor dem Erlass des Kos­ten­fest­set­zungs­be­schlus­ses bestimm­bar und fäl­lig, so dass das Finanz­amt vor Erlass die­ses Beschlus­ses nicht an der Auf­rech­nung gehin­dert ist. Nach der Recht­spre­chung der Zivil­ge­rich­te hat der Kos­ten­fest­set­zungs­be­schluss kei­ne rechts­ge­stal­ten­de, anspruchs- oder fäl­lig­keits­be­grün­den­de Funk­ti­on [2]. Dem­zu­fol­ge ist eine Auf­rech­nung mit einer Kos­ten­er­stat­tungs­for­de­rung nicht nur dann zuläs­sig, wenn die Kos­ten rechts­kräf­tig fest­ge­stellt sind, son­dern auch ohne Kos­ten­fest­set­zungs­be­schluss, wenn die Höhe der zu erstat­ten­den Kos­ten zwi­schen den Par­tei­en unstrei­tig ist.

Für eine Auf­rech­nung reicht somit der Erlass der Kos­ten­grund­ent­schei­dung aus [3]. Soweit im Schrift­tum die Auf­fas­sung ver­tre­ten wird, die Auf­rech­nung gegen einen pro­zes­sua­len Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch kön­ne grund­sätz­lich erst nach Erlass des Kos­ten­fest­set­zungs­be­schlus­ses erfol­gen [4], gilt dies nicht, wenn über den Bestand und die Höhe der Aktiv­for­de­rung und über die Auf­rech­nungs­la­ge kein Streit besteht. Dar­über hin­aus ist zu berück­sich­ti­gen, dass im Streit­fall die Auf­rech­nung außer­halb des Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­rens erfolgt ist, so dass es nicht zu einer dem Rechts­pfle­ger nicht zuste­hen­den Ent­schei­dung i.S. des § 322 Abs. 2 der Zivil­pro­zess­ord­nung über die Aktiv­for­de­rung kom­men kann, die die zitier­te Mei­nung im Schrift­tum durch die Annah­me der Unzu­läs­sig­keit der Auf­rech­nung vor Erlass des Kos­ten­fest­set­zungs­be­schlus­ses ver­hin­dern will.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 16. März 2016 – VII B 102/​15

  1. BFH, Beschlüs­se vom 12.07.1999 – VII B 29/​99, BFH/​NV 2000, 4; und vom 30.07.1996 – VII B 7/​96, BFH/​NV 1997, 93, m.w.N.[]
  2. BGH, Urtei­le vom 08.01.1976 – III ZR 146/​73, MDR 1976, 475; und OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 19.05.1988 – 2 W 25/​88, NJW-RR 1989, 503, m.w.N.; sowie BFH, Beschluss vom 18.07.1967 – GrS 8/​66, BFHE 90, 156, BStBl II 1968, 59, nach dem ein Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch bereits mit dem Erlass der gericht­li­chen Kos­ten­ent­schei­dung auf­lö­send bedingt durch deren Rechts­kraft ent­steht[]
  3. OLG Frank­furt, Beschluss vom 03.08.2011 – 18 W 130/​11; Bran­den­bur­gi­sches OLG, Beschluss vom 27.07.2006 – 5 U 160/​05, Neue Jus­tiz 2006, 509; OLG Mün­chen, Beschluss vom 11.04.2000 – 11 WF 745/​00, MDR 2000, 850[]
  4. Gurs­ky in Stau­din­ger, Kom­men­tar zum BGB, § 387 Rz 118[]