Steu­er­be­ra­tung durch Haus­ver­wal­ter

§ 4 Nr. 4 StBerG erlaubt nur eine Hil­fe­leis­tung in Steu­er­sa­chen "hin­sicht­lich des Ver­mö­gens" und der dar­aus erziel­ten Ein­künf­te. Bei einem Haus­ver­wal­ter umfasst dies nicht die Erstel­lung oder Abga­be der Erklä­rung zur geson­der­ten und ein­heit­li­chen Fest­stel­lung der Besteue­rungs­grund­la­gen sowie der Umsatz­steu­er­erklä­rung. Inso­fern sind nur Vor­ar­bei­ten zuläs­sig, die sich auf die Ein­künf­te bzw. Umsät­ze aus dem die Haus­ver­wal­tung betref­fen­den Miet­wohn­grund­stück beschrän­ken.

Steu­er­be­ra­tung durch Haus­ver­wal­ter

Nach § 80 Abs. 5 AO sind Bevoll­mäch­tig­te und Bei­stän­de zurück­zu­wei­sen, wenn sie geschäfts­mä­ßig Hil­fe in Steu­er­sa­chen leis­ten, ohne dazu befugt zu sein. Im Streit­fall kann sich eine sol­che Befug­nis allein aus § 4 Nr. 4 StBerG erge­ben. Die­se Rege­lung gilt für Ver­wah­rer und Ver­wal­ter frem­den oder zu treu­en Hän­den oder zu Siche­rungs­zwe­cken über­eig­ne­ten Ver­mö­gens, soweit sie hin­sicht­lich die­ses Ver­mö­gens Hil­fe in Steu­er­sa­chen leis­ten.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat in sei­nem Urteil vom 09.11.1982 1 ent­schie­den, § 4 Nr. 4 StBerG sei nicht restrik­tiv aus­zu­le­gen. Ins­be­son­de­re set­ze die Ver­wal­ter­tä­tig­keit kei­ne Ver­fü­gungs­macht über das ver­wal­te­te Ver­mö­gen vor­aus. Dar­über hin­aus sei die Hil­fe in Steu­er­sa­chen nicht nur hin­sicht­lich des ver­wal­te­ten Ver­mö­gens, son­dern auch hin­sicht­lich der Ein­künf­te aus dem ver­wal­te­ten Ver­mö­gen erlaubt. Der­je­ni­ge, dem der Steu­er­pflich­ti­ge die Ver­mö­gens­ver­wal­tung über­tra­gen habe, sol­le die steu­er­li­chen Ange­le­gen­hei­ten die­ses Ver­mö­gens mit­er­le­di­gen kön­nen, wobei an sei­ne steu­er­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on kei­ne höhe­ren Anfor­de­run­gen zu stel­len sei­en als an die des Steu­er­pflich­ti­gen selbst. Ein Ver­mö­gen brau­che im Übri­gen nicht aus meh­re­ren Ver­mö­gens­ge­gen­stän­den zu bestehen.

Die­se Recht­spre­chung ist auch im Streit­fall anwend­bar. Denn ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Thü­rin­ger Finanz­ge­richt 2 beschränkt sie sich nicht auf amt­li­che Ver­mö­gens­ver­wal­ter. Das Thü­rin­ger Finanz­ge­richt geht inso­fern unzu­tref­fend davon aus, dass die Ent­schei­dung vom 09.11.1982 – VIII R 217/​79 zu einem Tes­ta­ments­voll­stre­cker ergan­gen ist. Gegen­stand war aber die rechts­ge­schäft­lich ver­ein­bar­te Ver­wal­tung eines Erb­an­teils, der ledig­lich einen durch einen Tes­ta­ments­voll­stre­cker ver­wal­te­ten Nach­lass betraf. Dar­über hin­aus sind auch die Umsatz­steu­er­erklä­run­gen nicht von vor­ne­her­ein aus­ge­nom­men. Das vom Thü­rin­ger Finanz­ge­richt zitier­te BFHUr­teil vom 01.03.1983 3 ist nicht zu den sach­lich und per­sön­lich ein­ge­schränk­ten Befug­nis­sen zur Hil­fe­leis­tung in Steu­er­sa­chen nach § 4 StBerG, son­dern zur voll­stän­di­gen Aus­klam­me­rung bestimm­ter Tätig­kei­ten vom Ver­bot der unbe­fug­ten Hil­fe­leis­tung in Steu­er­sa­chen nach § 6 StBerG ergan­gen.

Aller­dings erlaubt § 4 Nr. 4 StBerG nur eine Hil­fe­leis­tung "hin­sicht­lich des Ver­mö­gens" und ‑unter Berück­sich­ti­gung des Urteils vom 09.11.1982 1- der dar­aus erziel­ten Ein­künf­te.

Wie das Finanz­ge­richt zutref­fend aus­ge­führt hat, darf ein Haus­ver­wal­ter des­halb den aus dem Miet­wohn­grund­stück erziel­ten Ein­nah­men-Aus­ga­ben-Über­schuss ermit­teln, über Abschrei­bungs­mög­lich­kei­ten bera­ten und die ent­spre­chen­de Anla­ge zur Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung aus­fül­len. Ent­spre­chen­de ‑auf die Ein­künf­te bzw. Umsät­ze aus dem Miet­wohn­grund­stück beschränk­te- Vor­ar­bei­ten sind dar­über hin­aus auch im Rah­men einer Erklä­rung über die geson­der­te und ein­heit­li­che Fest­stel­lung der Besteue­rungs­grund­la­gen sowie im Rah­men von Umsatz­steu­er­erklä­run­gen zuläs­sig.

Ins­be­son­de­re ist die Befug­nis nach § 4 Nr. 4 StBerG nicht allein des­halb aus­ge­schlos­sen, weil sich die Haus­ver­wal­tung ledig­lich auf den ein­zel­nen Ver­mö­gens­ge­gen­stand Miet­wohn­grund­stück bezieht 4. Eine sol­che Ein­schrän­kung lässt sich der wei­ten For­mu­lie­rung "Ver­wah­rer und Ver­wal­ter" in § 4 Nr. 4 StBerG nicht ent­neh­men, auch wenn der Haus­ver­wal­ter in der für die Rechts­be­ra­tung gel­ten­den Par­al­lel­vor­schrift des Art. 1 § 5 Nr. 3 RBerG zusätz­lich zum Ver­mö­gens­ver­wal­ter genannt wur­de (nun­mehr § 5 Abs. 2 Nr. 2 RDG). Viel­mehr zeigt die all­ge­mei­ne Ein­be­zie­hung der Treu­hand­ab­re­den und ins­be­son­de­re der Siche­rungs­über­eig­nun­gen, dass sich die Ver­wal­tung nach § 4 Nr. 4 StBerG auch auf ein­zel­ne Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de bezie­hen darf.

Bei einem Haus­ver­wal­ter ist die zuläs­si­ge Hil­fe­leis­tung "hin­sicht­lich des Ver­mö­gens" aber über­schrit­ten, wenn es um die Erstel­lung oder gar Abga­be der voll­stän­di­gen Erklä­rung zur geson­der­ten und ein­heit­li­chen Fest­stel­lung der Besteue­rungs­grund­la­gen oder der Umsatz­steu­er­erklä­rung geht. Da sich die­se Erklä­run­gen nicht allein auf das Grund­stück bezie­hen, son­dern auch die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se des Erklä­rungs­pflich­ti­gen und des­sen wei­te­re Tätig­kei­ten umfas­send berück­sich­ti­gen müs­sen, fehlt ein aus­rei­chen­der sach­li­cher Zusam­men­hang mit der Ver­wal­tung des Miet­wohn­grund­stücks und des­sen Ein­künf­ten.

Dies gilt selbst dann, wenn es sich bei dem Grund­stück um den ein­zi­gen Ver­mö­gens­ge­gen­stand des Erklä­rungs­pflich­ti­gen han­delt, wie im Streit­fall bei der Umsatz­steu­er­erklä­rung, die von der Mit­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft als Unter­neh­me­rin abzu­ge­ben ist (§ 18 Abs. 3 des Umsatz­steu­er­ge­set­zes; hin­sicht­lich der Erklä­rung über die geson­der­te und ein­heit­li­che Fest­stel­lung von Besteue­rungs­grund­la­gen sind dage­gen die Mit­ei­gen­tü­mer gemäß § 181 Abs. 2 AO erklä­rungs­pflich­tig, so dass bereits aus die­sem Grund die Vor­aus­set­zung eines ein­zi­gen Ver­mö­gens­ge­gen­stands des Erklä­rungs­pflich­ti­gen fehlt). Denn auch in solch einem Fall ist der Inhalt der Umsatz­steu­er­erklä­rung nicht allein auf das Grund­stück beschränkt, son­dern ent­hält bei­spiels­wei­se Aus­sa­gen über den Umfang des umsatz­steu­er­li­chen Unter­neh­mens. Ent­spre­chen­des gäl­te bei der Erklä­rung über die geson­der­te und ein­heit­li­che Fest­stel­lung von Besteue­rungs­grund­la­gen, bei­spiels­wei­se im Hin­blick auf Aus­sa­gen über die Gewinn­ver­tei­lung und die per­sön­li­chen Wer­bungs­kos­ten der Betei­lig­ten. Die­se Fra­gen ste­hen nicht in einem aus­rei­chen­den sach­li­chen Zusam­men­hang mit dem ver­wal­te­ten Grund­stück. Außer­dem ist zu berück­sich­ti­gen, dass sich der Umfang des Ver­mö­gens ‑auch bei einer Grund­stücks­ge­mein­schaft, die zunächst nur ein Grund­stück erwirbt- jeder­zeit ändern kann, so dass eine Son­der­re­ge­lung für den Fall, dass ein Erklä­rungs­pflich­ti­ger nur einen ein­zi­gen Ver­mö­gens­ge­gen­stand in sei­nem Ver­mö­gen hält, zu Rechts­un­si­cher­heit füh­ren wür­de.

Die steu­er­li­chen Pflich­ten sind auch nicht nach § 34 Abs. 3 AO auf den Klä­ger als Haus­ver­wal­ter über­ge­gan­gen. Unab­hän­gig davon, ob die­se Vor­schrift über­haupt auf eine rechts­ge­schäft­lich über­tra­ge­ne Ver­mö­gens­ver­wal­tung Anwen­dung fin­den kann, sieht sie jeden­falls eine Beschrän­kung auf die Reich­wei­te der Ver­mö­gens­ver­wal­tung vor, die sich bei einer Haus­ver­wal­tung nur auf das betref­fen­de Grund­stück bezie­hen kann.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 10. März 2015 – VII R 12/​14

  1. BFH, Urteil vom 09.11.1982 – VIII R 217/​79[][]
  2. Thür. FG, Urteil vom 27.11.2013 – 3 K 649/​12[]
  3. BFH, Urteil vom 01.03.1983 – VII R 27/​82, BFHE 138, 129, BSt­Bl II 1983, 318[]
  4. Drüen in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 80 AO Rz 81; Riddermann/​Goez in Kuhls u.a., StBerG, 3. Aufl., § 4 Rz 30; a.A.: Gehre/​Koslowski, StBerG, 6. Aufl.2009, § 4 Rz 7; Rüs­ken in Beermann/​Gosch, AO, § 80 Rz 160; Söhn in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 80 AO Rz 337; eben­so zur Par­al­lel­re­ge­lung in Art. 1 § 5 Nr. 3 des ehe­ma­li­gen Rechts­be­ra­tungs­ge­set­zes ‑RBerG- Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Beschluss vom 25.05.1962 – II L 4.62, JR 1963, 434; Chemnitz/​Johnigk, Rechts­be­ra­tungs­ge­setz, 11. Aufl.2003, Art. 1 § 5 Nr. 3 RBerG Rz 607; Rennen/​Caliebe, RBerG, 3. Aufl.2001, Art. 1 § 5 Rz 88[]