Umsatz­steu­er­pflich­ti­ge Wert­pa­pier­ver­wal­tung für aus­län­di­sche Anle­ger?

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat­te über die Fra­ge zu ent­schei­den, ob es sich bei der im eige­nen Ermes­sen aus­ge­üb­ten Ver­wal­tung von Wert­pa­pie­ren und Ter­min­gel­dern durch ein deut­sches Kre­dit­in­sti­tut für aus­län­di­sche Anle­ger aus Luxem­burg, Kuwait und Oman um Leis­tun­gen han­delt, die in Deutsch­land der Umsatz­be­steue­rung unter­lie­gen.

Umsatz­steu­er­pflich­ti­ge Wert­pa­pier­ver­wal­tung für aus­län­di­sche Anle­ger?

Dem Urteil des BFH zufol­ge setzt das deut­sche Umsatz­steu­er­recht mit den Rege­lun­gen zum Leis­tungs­ort bei Bank‑, Finanz- und Ver­si­che­rungs­um­sät­zen (§ 3a Abs. 4 Nr. 6 Buchst a UStG) das euro­päi­sche Gemein­schafts­recht (Art. 9 Abs. 2 der 6. EG-Richt­li­nie) nicht zutref­fend um. Das Gemein­schafts­recht regelt den Ort der Leis­tung für Bank‑, Finanz- und Ver­si­che­rungs­um­sät­ze umfas­send und ein­heit­lich: Maß­geb­lich ist, wo der Leis­tungs­emp­fän­ger – hier der jewei­li­ge Anle­ger – sein Unter­neh­men betreibt bzw. sei­nen Wohn­sitz hat. Das deut­sche Umsatz­steu­er­recht kommt über eine Ver­wei­sung auf die Steu­er­be­frei­ungs­vor­schrif­ten in § 4 Nr. 8 UStG nur für einen Teil der dort im Ein­zel­nen defi­nier­ten Bank‑, Finanz- und Ver­si­che­rungs­um­sät­ze zu die­sem Ergeb­nis. Im Streit­fall führ­te die man­geln­de Umset­zung des Gemein­schafts­rechts im deut­schen Umsatz­steu­errecht aber zu kei­nem abwei­chen­den Ergeb­nis.

Der BFH hat die Sache aller­dings an das Finanz­ge­richt zur erneu­ten Ent­schei­dung zurück­ver­wie­sen, weil noch auf­zu­klä­ren war, in wel­chem Umfang ein Aus­schluss des Vor­steu­er­ab­zugs für in Rech­nung gestell­te Umsatz­steu­er bei der Klä­ge­rin in Betracht kommt. Vom Vor­steu­er­ab­zug ist u.a. aus­ge­schlos­sen die Steu­er für Leis­tun­gen, die der Unter­neh­mer zur Aus­füh­rung von Umsät­zen im Aus­land ver­wen­det hat, die aber steu­er­frei wären, wenn sie im Inland aus­ge­führt wür­den.

Inso­weit war zu dif­fe­ren­zie­ren zwi­schen der Ver­mö­gens­ver­wal­tung für Anle­ger aus EU-Mit­glied­staa­ten, für die ein Vor­steu­er­ab­zug aus­ge­schlos­sen ist, und sol­chen aus Nicht EU-Län­dern, bei denen ein Vor­steu­er­ab­zug mög­lich wäre. Die Ein­zel­hei­ten hier­zu wird das Finanz­ge­richt erneut prü­fen müs­sen.

1. Die Rege­lung über den Leis­tungs­ort in § 3a Abs. 4 UStG umfasst, anders als die gemein­schafts­recht­li­che Rege­lung in Art. 9 Abs. 2 Buchst. e der Richt­li­nie 77/​388/​EWG, nicht alle Bank- und Finanz­um­sät­ze.

2. Die “bank­mä­ßi­ge Ver­mö­gens­ver­wal­tung” im Sin­ne einer Ver­wal­tung von aus Wert­pa­pie­ren und Ter­min­gel­dern bestehen­den Ver­mö­gen nach eige­nem Ermes­sen wird ent­we­der vom Begriff der Bank- und Finanz­um­sät­ze i.S. des Art. 9 Abs. 2 Buchst. e fünf­ter Gedan­ken­strich der Richt­li­nie 77/​388/​EWG umfasst oder fällt als Leis­tung von Bera­tern u.a. unter die Rege­lung in Art. 9 Abs. 2 Buchst. e drit­ter Gedan­ken­strich der Richt­li­nie 77/​388/​EWG.

3. Die Steu­er­be­frei­ung nach § 4 Nr. 8 Buchst. h UStG kommt nicht nur für Leis­tun­gen der Kapi­tal­an­la­gegesell­schaft selbst in Betracht, son­dern bei richt­li­ni­en­kon­for­mer Aus­le­gung auch für Leis­tun­gen eines außen­ste­hen­den Ver­wal­ters.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 11. Okto­ber 07 – V R 22/​04