Ankla­ge und Tat­zeit­raum

Gemäß § 264 Abs. 1 StPO ist Gegen­stand der Urteils­fin­dung die in der Ankla­ge bezeich­ne­te Tat, wie sie sich nach dem Ergeb­nis der Ver­hand­lung dar­stellt. Auf die­se Taten erstreck­te sich die Kogni­ti­ons­pflicht des Gerichts.

Ankla­ge und Tat­zeit­raum

Zeit­raum. Zwar braucht eine Ver­än­de­rung oder Erwei­te­rung des Tat­zeit­raums die Iden­ti­tät zwi­schen Ankla­ge und abge­ur­teil­ter Tat nicht auf­zu­he­ben 1, wenn die in der Ankla­ge beschrie­be­ne Tat unab­hän­gig von der Tat­zeit nach ande­ren Merk­ma­len indi­vi­dua­li­siert und dadurch wei­ter­hin als ein­ma­li­ges, unver­wech­sel­ba­res Gesche­hen gekenn­zeich­net ist 2.

Bei gleich­ar­ti­gen, nicht durch ande­re indi­vi­du­el­le Tat­merk­ma­le als die Tat­zeit unter­scheid­ba­ren Seri­en­ta­ten heben dage­gen Ver­än­de­run­gen und Erwei­te­run­gen des Tat­zeit­rau­mes die Iden­ti­tät zwi­schen ange­klag­ten und abge­ur­teil­ten Taten auf.

So ver­hielt es sich auch im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall: Die ange­klag­ten Taten sind durch eine jeweils gleich­för­mi­ge Tat­aus­füh­rung an einem jeweils iden­ti­schen Tat­ort gekenn­zeich­net und nicht auf ande­re Wei­se unab­hän­gig von der Tat­zeit nach indi­vi­du­el­len Merk­ma­len unver­wech­sel­bar cha­rak­te­ri­siert. Inso­fern kommt dem in der Ankla­ge­schrift genann­ten Tat­zeit­raum eine wesent­li­che, die Kogni­ti­ons­pflicht des Gerichts im Sin­ne des § 264 Abs. 1 StPO bestim­men­de und vor allem begren­zen­de Funk­ti­on zu.

Da eine Nach­trags­an­kla­ge nicht erho­ben ist, muss das Ver­fah­ren in die­sem Fall wegen des von Amts wegen zu beach­ten­den Ver­fah­rens­hin­der­nis­ses feh­len­der Ankla­ge ein­ge­stellt wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. Novem­ber 2014 – 4 StR 153/​14

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 22.06.1994 – 3 StR 457/​93, BGHR StPO § 200 Abs. 1 Satz 1 Tat 8[]
  2. st. Rspr., vgl. BGH, Beschluss vom 21.08.2013 – 2 StR 311/​13 Rn. 4; Urteil vom 17.08.2000 – 4 StR 245/​00, BGHSt 46, 130, 133; Beschluss vom 13.03.1996 – 3 StR 43/​96, BGHR StPO § 200 Abs. 1 Satz 1 Tat 19[]