Anord­nung des erwei­ter­ten Wert­er­satz­ver­falls

Die Vor­aus­set­zun­gen der Anord­nung des erwei­ter­ten Wert­er­satz­ver­falls sind nach der gesetz­li­chen Rege­lung erfüllt, wenn die Umstän­de die Annah­me recht­fer­ti­gen, dass die­se Gegen­stän­de für rechts­wid­ri­ge Taten oder aus ihnen erlangt wor­den sind (§ 73d Abs. 1 Satz 1 StGB).

Anord­nung des erwei­ter­ten Wert­er­satz­ver­falls

Für die­se Annah­me reicht aller­dings nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs auch eine "ganz hohe Wahr­schein­lich­keit" der delik­ti­schen Her­kunft nicht aus, viel­mehr ist für die Anord­nung des erwei­ter­ten Ver­falls erfor­der­lich, dass das Tat­ge­richt auf­grund erschöp­fen­der Beweis­erhe­bung und wür­di­gung die unein­ge­schränk­te Über­zeu­gung gewon­nen hat, der Ange­klag­te habe die von der Anord­nung erfass­ten Gegen­stän­de aus rechts­wid­ri­gen Taten erlangt, ohne dass die­se selbst im Ein­zel­nen fest­ge­stellt wer­den müss­ten 1.

Die Vor­schrift des § 73d StGB ist zudem gegen­über § 73 StGB sub­si­di­är 2. Eine Anwen­dung kommt erst in Betracht, wenn nach Aus­schöp­fung aller zuläs­si­gen Beweis­mit­tel aus­ge­schlos­sen wer­den kann, dass die Vor­aus­set­zun­gen des § 73 StGB erfüllt sind 3.

Dies hin­dert es, in dem Ver­fah­ren wegen einer Anlas­s­tat, die auf § 73d StGB ver­weist, Gegen­stän­de dem erwei­ter­ten Ver­fall zu unter­wer­fen, die der Ange­klag­te aus ande­ren, von der Ankla­ge­schrift nicht erfass­ten, aber zumin­dest mög­li­cher­wei­se kon­kre­ti­sier­ba­ren Straf­ta­ten erlangt hat; denn die­se Taten kön­nen und müs­sen zum Gegen­stand eines geson­der­ten Straf­ver­fah­rens gemacht wer­den, in dem die Vor­aus­set­zun­gen des vor­ran­gig anwend­ba­ren § 73 StGB zu prü­fen sind 4.

Zwar deu­tet der fest­ge­stell­te kon­spi­ra­ti­ve Trans­port von Bar­geld in Kof­fern auf eine beab­sich­tig­te Ver­schleie­rung hin. Dar­aus lässt sich jedoch nicht der allei­ni­ge Schluss auf eine delik­ti­sche Her­kunft des Gel­des zie­hen; eine eben­so nahe­lie­gen­de Erklä­rung kann ins­be­son­de­re bei Geld­trans­por­ten über Lan­des­gren­zen hin­weg etwa der Ver­such sein, (lega­le) Ein­künf­te ihrer Besteue­rung zu ent­zie­hen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Febru­ar 2016 – 3 StR 486/​15

  1. BGH, Beschluss vom 22.11.1994 – 4 StR 516/​94, BGHSt 40, 371, 372 f.; Urteil vom 07.07.2011 – 3 StR 144/​11, BGHR StGB § 73d Anwen­dungs­be­reich 3 mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 07.01.2003 – 3 StR 421/​02, NStZ 2003, 422, 423; Urteil vom 11.12 2008 – 4 StR 386/​08, BGHR StGB § 73a Anwen­dungs­be­reich 2; Beschluss vom 20.04.2010 – 4 StR 119/​10, NStZ-RR 2010, 255; LK/​Schmidt, StGB, 12. Aufl., § 73d Rn. 11[]
  3. BGH aaO[]
  4. BGH, Beschluss vom 08.08.2013 – 3 StR 226/​13, NStZ 2014, 82, 83[]