Auf­he­bung im Straf­aus­spruch – und die tatrich­ter­li­chen Sach­ver­halts­fest­stel­lun­gem

Hebt das Revi­si­ons­ge­richt ein Urteil in Anwen­dung des § 353 Abs. 2 StPO im Straf­aus­spruch mit den (dazu­ge­hö­ri­gen) Fest­stel­lun­gen auf, so bezieht sich die­se Auf­he­bung auf sol­che Umstän­de tatrich­ter­li­cher Sach­ver­halts­fest­stel­lung, die aus­schließ­lich die Straf­fra­ge betref­fen.

Auf­he­bung im Straf­aus­spruch – und die tatrich­ter­li­chen Sach­ver­halts­fest­stel­lun­gem

Hin­sicht­lich des nicht bean­stan­de­ten Schuld­spruchs tritt Teil­rechts­kraft ein.

Fest­stel­lun­gen, die aus­schließ­lich die Schuld­fra­ge betref­fen, und sol­che, die als dop­pel­re­le­van­te Umstän­de zugleich für Schuld- und Straf­fra­ge von Bedeu­tung sind, blei­ben auf­recht­erhal­ten und sind für das wei­te­re Ver­fah­ren bin­dend. Hier­zu zäh­len nicht die Fest­stel­lun­gen zur Ver­min­de­rung der Schuld­fä­hig­keit des Ange­klag­ten; die­se gehö­ren nur zum Rechts­fol­gen­aus­spruch.

Daher bezieht sich die Auf­he­bung des Straf­aus­spruchs mit den zuge­hö­ri­gen Fest­stel­lun­gen auch auf die Fest­stel­lun­gen und die Ent­schei­dung des frü­he­ren Tat­ge­richts zur Fra­ge einer ver­min­der­ten Schuld­fä­hig­keit des Täters im Sin­ne von § 21 StGB [1].

Die neu ent­schei­den­de Straf­kam­mer hät­te des­halb ohne Bin­dung an das auf­ge­ho­be­ne Urteil in pro­zess­ord­nungs­ge­mä­ßer Wei­se eige­ne Fest­stel­lun­gen zu den Vor­aus­set­zun­gen des § 21 StGB tref­fen und in den Urteils­grün­den mit­tei­len müs­sen.

Dar­über hin­aus hät­te das Land­ge­richt nicht die Fest­stel­lun­gen zu den per­sön­li­chen Ver­hält­nis­sen des in der Haupt­ver­hand­lung schwei­gen­den Ange­klag­ten aus dem auf­ge­ho­be­nen Urteil über­neh­men dür­fen.

Nach Auf­he­bung des Straf­aus­spruchs mit den zuge­hö­ri­gen Fest­stel­lun­gen durch das Revi­si­ons­ge­richt ist das neu zur Ent­schei­dung beru­fe­ne Tat­ge­richt gehal­ten, eige­ne Fest­stel­lun­gen zu den per­sön­li­chen Ver­hält­nis­sen des Ange­klag­ten zu tref­fen und die­se im Urteil mit­zu­tei­len. Hat ein Ange­klag­ter in dem neu­en Ver­fah­ren die­sel­ben Anga­ben gemacht, wie sie in dem frü­he­ren, jedoch inso­weit auf­ge­ho­be­nen Urteil ent­hal­ten sind, kön­nen sie zwar – auch im Wort­laut – in das neue Urteil über­nom­men wer­den. Vor­aus­set­zung ist jedoch, dass es sich unzwei­fel­haft um neue, eigen­stän­dig getrof­fe­ne Fest­stel­lun­gen han­delt [2].

Die­ser Anfor­de­rung hat im vor­lie­gen­den Fall das Land­ge­richt nicht ent­spro­chen, indem es die Fest­stel­lun­gen zu den per­sön­li­chen Ver­hält­nis­sen aus dem frü­he­ren aus­zugs­wei­se ver­le­se­nen Urteil wört­lich über­nom­men und in der Beweis­wür­di­gung hier­zu aus­ge­führt hat, dass sich die­se Fest­stel­lun­gen aus den bereits vom frü­he­ren Tat­ge­richt hier­zu getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen ergä­ben.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. März 2017 – 5 StR 81/​17

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 15.04.1997 – 5 StR 24/​97, NStZ-RR 1997, 237; vom 04.11.2008 – 3 StR 336/​08, NStZ-RR 2009, 148 mwN; vom 17.12 2013 – 2 StR 335/​13; und vom 27.10.2015 – 3 StR 363/​15; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 59. Aufl., § 353 Rn.20 mwN[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 16.02.2000 – 3 StR 24/​00, BGHR StPO § 267 Abs. 1 Satz 1 Bezug­nah­me 3; vom 14.10.2008 – 4 StR 167/​08, NStZ-RR 2009, 148, 149; und vom 08.09.2015 – 2 StR 136/​15 mwN[]