Begüns­ti­gung trotz nicht gezahl­tem Tat­lohn

Vor­teil im Sin­ne der Straf­vor­schrift der Begüns­ti­gung (§ 257 Abs. 1 StGB) ist auch der an einen Tat­be­tei­lig­ten gezahl­te, nicht aber der ihm ver­spro­che­ne Tat­lohn.

Begüns­ti­gung trotz nicht gezahl­tem Tat­lohn

Die Begüns­ti­gung (§ 257 StGB) ver­langt, dass der Täter einem ande­ren, der eine rechts­wid­ri­ge Tat began­gen hat, in der Absicht Hil­fe leis­tet, die­sem die Vor­tei­le der Tat zu sichern. Nach dem Wort­laut der Straf­norm sind umfas­send „Vor­tei­le der Tat“ erfasst. Er unter­schei­det nicht zwi­schen Vor­tei­len „für“ und „aus“ der Tat, son­dern beinhal­tet jeg­li­chen Vor­teil, der sich im Zusam­men­hang mit der Tat­be­ge­hung ergibt. Nicht erfor­der­lich ist danach, dass die­ser „aus“ der Tat resul­tiert. Gemes­sen hier­an sind „Vor­tei­le der Tat“ nicht nur die Früch­te der Vor­tat, hier also die von den Kun­den der M. Haus­tech­nik GmbH betrü­ge­risch erlang­ten Gel­der. Einen Vor­teil im Sin­ne des § 257 StGB stellt viel­mehr auch der (vor­ab) an einen Tat­be­tei­lig­ten – wie vor­lie­gend von P. an Pu. – gezahl­te Tat­lohn dar. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ein­schrän­kend ver­langt wird, dass der Vor­teil unmit­tel­bar durch die Vor­tat erlangt ist [1]. Das Unmit­tel­bar­keits­er­for­der­nis dient dazu, Ersatz­vor­tei­le (Vor­teils­sur­ro­ga­te) aus­zu­klam­mern [2]. Bei der Ent­loh­nung für die Tat­be­tei­li­gung han­delt es sich jedoch nicht um einen der­ar­ti­gen Ersatz­vor­teil; viel­mehr ist auch der Tat­lohn ein unmit­tel­ba­rer „Vor­teil der Tat“ [3].

Die­ses Ergeb­nis steht auch mit der Bestim­mung des Rechts­guts der Begüns­ti­gung durch den Bun­des­ge­richts­hof in Ein­klang. Danach liegt das Wesen der Begüns­ti­gung in der Hem­mung der Rechts­pfle­ge, die dadurch bewirkt wird, dass der Täter die Wie­der­her­stel­lung des gesetz­mä­ßi­gen Zustan­des ver­hin­dert, der sonst durch ein Ein­grei­fen des Ver­letz­ten oder von Orga­nen des Staa­tes gegen den Vor­tä­ter wie­der­her­ge­stellt wer­den könn­te. Der Täter der Begüns­ti­gung besei­tigt oder min­dert die Mög­lich­keit, die Wie­der­gut­ma­chung des dem Ver­letz­ten zuge­füg­ten Scha­dens durch ein Ein­schrei­ten gegen den Vor­tä­ter zu errei­chen, das die­sem den durch die Vor­tat erlang­tem Vor­teil wie­der ent­zie­hen wür­de [4]. Die­ses trifft auch auf die vor­lie­gen­de Sach­ver­halts­kon­stel­la­ti­on zu. Der Täter der Begüns­ti­gung, der – wie hier – dem Vor­tä­ter den Tat­lohn sichert, min­dert die Mög­lich­kei­ten des durch die Vor­tat Geschä­dig­ten, im Wege des zivil­recht­li­chen Scha­dens­er­sat­zes – etwa gemäß §§ 823 ff. BGB – oder der straf­recht­li­chen Gewinn­ab­schöp­fung gemäß § 73 StGB Scha­dens­wie­der­gut­ma­chung zu erlan­gen.

Zwar ist ein Vor­teil im Sin­ne des § 257 Abs. 1 StGB nicht nur ein Ver­mö­gens­vor­teil, son­dern kann jede wirt­schaft­li­che, recht­li­che oder tat­säch­li­che Bes­ser­stel­lung für den Täter sein [5]. Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist jedoch Vor­aus­set­zung der Begüns­ti­gung, dass der Täter der Begüns­ti­gung gegen­über dem Ver­letz­ten der Vor­tat die Mög­lich­keit der Scha­dens­wie­der­gut­ma­chung besei­tigt oder min­dert, die durch die Ent­zie­hung der erlang­ten Vor­tei­le mög­lich wäre. Eine sol­che Mög­lich­keit der Scha­dens­wie­der­gut­ma­chung ist bei der blo­ßen Aus­sicht auf Erlan­gung eines ver­spro­che­nen Tat­lohns jedoch nicht gege­ben, da es sich nicht um einen ent­zieh­ba­ren Vor­teil han­delt. Ein sol­ches Zah­lungs­ver­spre­chen ist gemäß § 134 BGB nich­tig, führt zu kei­ner – auch nur wirt­schaft­li­chen – Bes­ser­stel­lung und stellt daher kei­nen rele­van­ten Tat­vor­teil im Sin­ne des § 257 StGB dar.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 3. Novem­ber 2011 – 2 StR 302/​11

  1. BGH, Urteil vom 16.06.1971 – 2 StR 191/​71, BGHSt 24, 166, 168; BGH, Urteil vom 01.08.2000 – 5 StR 624/​99, BGHSt 46, 107, 117; BGH, Urteil vom 27.08.1986 – 3 StR 256/​86, NStZ 1987, 22[]
  2. Wal­ter in LK 12. Aufl. § 257 Rn. 31[]
  3. vgl. auch BGH, Beschluss vom 15.12.1999 – 3 StR 448/​99, NStZ 2000, 259[]
  4. st. Rspr., vgl. u.a. BGH, Beschluss vom 16.11.1993 – 3 StR 458/​93, NStZ 1994, 187, 188[]
  5. vgl. Fischer StGB 58. Aufl. § 257 Rn. 6; Wal­ter in LK 12. Aufl. § 257 Rn. 25; Cra­mer in Münch­Komm-StGB § 257 Rn. 10; Alten­hain in NK-StGB 3. Aufl. § 257 Rn. 16[]