BTM-Han­del – und sei­ne zeit­li­chen Gren­zen

Der Begriff des uner­laub­ten Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln im Sin­ne des § 29 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BtMG umfasst nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs alle eigen­nüt­zi­gen Bemü­hun­gen, die dar­auf gerich­tet sind, den Umsatz von Betäu­bungs­mit­teln zu ermög­li­chen oder zu för­dern [1].

BTM-Han­del – und sei­ne zeit­li­chen Gren­zen

Vom wei­ten Begriff des Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln sind Hand­lun­gen weit im Vor­feld des eigent­li­chen Güter­um­sat­zes eben­so erfasst wie die dem Güter­um­satz nach­fol­gen­den Geld­flüs­se [2].

Die Tat des Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln ist "auf der unters­ten Ebe­ne der Han­dels­ket­te" mit­hin erst been­det, wenn der Lie­fe­rant das Ent­gelt erhal­ten hat, wenn also auch der Geld­fluss als Gegen­leis­tung für die Betäu­bungs­mit­tel­lie­fe­rung "zur Ruhe" gekom­men ist [3]. Betä­ti­gun­gen, die in die­sem wei­ten Sin­ne auf den Ver­trieb ein- und der­sel­ben Rausch­gift­men­ge bezo­gen sind, wer­den zu einer tat­be­stand­li­chen Bewer­tungs­ein­heit zusam­men­ge­fasst [4].

Dar­über hin­aus ent­spricht es stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass zwei oder meh­re­re an sich selbst­stän­di­ge Taten des Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln zur Tat­ein­heit im Sin­ne des § 52 Abs. 1 StGB ver­bun­den wer­den, wenn sie in einem Hand­lungs­teil zusam­men­tref­fen. Ist eine Hand­lung als eine tat­be­stand­li­che Aus­füh­rungs­hand­lung bei­der oder meh­re­rer Taten des Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln anzu­se­hen, so ist Tat­ein­heit anzu­neh­men.

Allein das zeit­li­che Zusam­men­tref­fen von Zah­lungs­vor­gän­gen in Bezug auf eine frü­he­re Dro­gen­be­schaf­fung mit der Abho­lung der nächs­ten Lie­fe­rung – die blo­ße Gleich­zei­tig­keit bei­der, ver­schie­de­ne Umsatz­ge­schäf­te för­dern­der Aus­füh­rungs­hand­lun­gen – genügt jedoch zur Annah­me gleich­ar­ti­ger Tat­ein­heit nicht [5].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 1. Juni 2016 – 2 StR 355/​15

  1. BGH, Urteil vom 17.07.1997 – 1 StR 791/​96, BGHSt 43, 158, 161 f.; Beschluss vom 26.10.2005 – GSSt 1/​05, BGHSt 50, 252, 256[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 25.04.2013 – 4 StR 418/​12, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Kon­kur­ren­zen 14[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 17.07.1997 – 1 StR 791/​96, BGHSt 43, 158, 162[]
  4. Kör­ner/­Patzack/­Volk­mer-Patzack, BtMG, 8. Aufl., § 29 Teil 4, Rn. 293 ff.[]
  5. BGH, Beschluss vom 13.04.1999 – 4 StR 42/​99, NStZ 1999, 411; BGH, Beschluss vom 24.10.2013 – 2 ARs 319/​13, NStZ-RR 2014, 81, 82; BGH, Beschluss vom 15.02.2011 – 3 StR 3/​11; Beschluss vom 06.02.2014 – 3 ARs 7/​13, NStZ-RR 2014, 146; vgl. auch BGH, Urteil vom 25.04.2013 – 4 StR 418/​12, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Kon­kur­ren­zen 14; BGH, Beschluss vom 22.01.2010 – 2 StR 563/​09, StV 2010, 684[]