Das vom Ange­klag­ten zurück­ge­nom­me­ne Rechts­mit­tel

Für die Wirk­sam­keit einer Rechts­mit­tel­rück­nah­me ist ohne Bedeu­tung, dass das Rechts­mit­tel vom Ver­tei­di­ger ein­ge­legt wur­de, die Rück­nah­me indes der Ange­klag­te selbst erklärt hat (vgl. § 297 StPO; BGH NStZ-RR 2016, 180, 181).

Das vom Ange­klag­ten zurück­ge­nom­me­ne Rechts­mit­tel

Die Rück­nah­me­er­klä­rung muss ledig­lich die hier­für erfor­der­li­che Form 1 wah­ren und inhalt­lich ein­deu­tig und zwei­fels­frei auf eine Been­di­gung des Revi­si­ons­ver­fah­rens und damit den Ein­tritt der Rechts­kraft des Urteils des Land­ge­richts gerich­tet sein.

An die wirk­sa­me Rück­nah­me der Revi­si­on ist der Ange­klag­te gebun­den; sie ist unwi­der­ruf­lich und unan­fecht­bar 2, solan­ge nicht aus­nahms­wei­se ein von der Recht­spre­chung aner­kann­ter Aus­nah­me­fall 3 vor­liegt.

Ein Ange­klag­ter muss bei Abga­be einer Rechts­mit­tel­rück­nah­me­er­klä­rung in der Lage sein, sei­ne Inter­es­sen ver­nünf­tig wahr­zu­neh­men und bei hin­rei­chen­der Frei­heit der Wil­lens­ent­schlie­ßung und Wil­lens­be­tä­ti­gung die Bedeu­tung sei­ner Erklä­rung zu erken­nen 4. Dies wird, wie etwa § 415 Abs. 1 und 3 StPO für das Siche­rungs­ver­fah­ren gegen einen Schuld­un­fä­hi­gen belegt, allein durch eine Geschäfts- oder Schuld­un­fä­hig­keit des Beschul­dig­ten nicht not­wen­dig aus­ge­schlos­sen 5. Viel­mehr ist von einer Unwirk­sam­keit sei­ner Rück­nah­me­er­klä­rung erst aus­zu­ge­hen, wenn hin­rei­chen­de Anhalts­punk­te dafür vor­lie­gen, dass der Rechts­mit­tel­füh­rer nicht in der Lage war, die Bedeu­tung der von ihm abge­ge­be­nen Erklä­rung zu erfas­sen. Ver­blei­ben Zwei­fel an sei­ner pro­zes­sua­len Hand­lungs­fä­hig­keit, geht dies zu sei­nen Las­ten 6.

Hat­te das Tat­ge­richt kei­ne Zwei­fel an der Ver­hand­lungs­fä­hig­keit des Ange­klag­ten, so kann die­se grund­sätz­lich auch vom Revi­si­ons­ge­richt bejaht wer­den 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Juni 2018 – 3 StR 61/​18

  1. vgl. Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 60. Aufl., § 302, Rn. 7 m.w.N.[]
  2. st. Rspr., vgl. nur BGH NStZ-RR 2016, 180, 181 m.w.N.[]
  3. vgl. BGHSt 45, 51, 53[]
  4. vgl. Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, a.a.O., Einl. Rn. 97, § 302 Rn. 8a[]
  5. Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, a.a.O., § 302 Rn. 8a m.w.N.[]
  6. BGH, Beschluss vom 11.10.2007 – 3 StR 368/​07, BeckRS 2007, 18798 Rn. 6 m.w.N.[]
  7. BGH NStZ 2002, 101 f. [rich­tig: BGH bei Becker, NStZ-RR 2002, 97, 101 f.][]