Das gewalt­sam erzwun­ge­ne Pfand

Der Täter, der die Her­aus­ga­be eines Gegen­stands als Pfand für eine tat­säch­lich nicht bestehen­de For­de­rung erzwingt, ver­schafft sich dadurch unmit­tel­bar einen dem Besitz­ent­zug stoff­glei­chen ver­mö­gens­wer­ten Vor­teil [1].

Das gewalt­sam erzwun­ge­ne Pfand

Anders kann es jedoch in Fall­kon­stel­la­tio­nen der zwangs­wei­sen Inpfand­nah­me einer Sache bei tat­säch­lich bestehen­der For­de­rung oder in Fäl­len lie­gen, in denen der Täter irrig vom Bestehen einer For­de­rung aus­geht [2].

Unge­ach­tet des Umstands, dass ein Gläu­bi­ger auch bei Bestehen einer fäl­li­gen und ein­re­de­frei­en For­de­rung von Rechts wegen nicht berech­tigt ist, den Schuld­ner zur Her­aus­ga­be eines Siche­rungs­mit­tels zu nöti­gen, schei­det eine Straf­bar­keit wegen Erpres­sung in der Regel aus, weil der Täter nicht in der Absicht han­delt, sich oder einen Drit­ten rechts­wid­rig zu berei­chern [3].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Juli 2017 – 2 StR 512/​16

  1. BGH, Beschluss vom 13.04.2011 – 3 StR 70/​11, BGHR StGB § 253 Abs. 1 Berei­che­rungs­ab­sicht 19[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 14.06.1982 – 4 StR 255/​82, NJW 1982, 2265; Urteil vom 17.12 1987 – 4 StR 628/​87, NStZ 1988, 216; Beschluss vom 26.02.1998 – 4 StR 54/​98, NStZ-RR 1998, 235, 236; LK-StGB/Vogel, 12. Aufl. § 253 Rn. 29; dif­fe­ren­zie­rend Berns­mann, NJW 1982, 2214[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 23.11.1989 – 2 StR 540/​89 3; BGH, Beschluss vom 14.06.1982 – 4 StR 255/​82, NJW 1982, 2265; Urteil vom 17.12 1987 – 4 StR 628/​87, NStZ 1988, 216; Beschluss vom 26.02.1998 – 4 StR 54/​98, NStZ-RR 1998, 235, 236[]