Das Kopf­kis­sen als gefähr­li­ches Werk­zeug

Ein gefähr­li­ches Werk­zeug im Sin­ne von § 177 Abs. 4 Nr. 1 StGB wird nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs nicht nur dann benutzt, wenn der Täter ein gene­rell gefähr­li­ches Tat­mit­tel ein­setzt, son­dern auch, wenn sich die objek­ti­ve Gefähr­lich­keit des ein­ge­setz­ten Gegen­stan­des erst aus der kon­kre­ten Art sei­ner Ver­wen­dung ergibt, die geeig­net ist, erheb­li­che Ver­let­zun­gen her­bei­zu­füh­ren.

Das Kopf­kis­sen als gefähr­li­ches Werk­zeug

Werk­zeug ist dabei jeder beweg­li­che Gegen­stand, mit dem gleich auf wel­che Wei­se auf den Kör­per des Opfers ein­ge­wirkt wer­den kann. Die Gefähr­lich­keit des Tat­mit­tels kann sich gera­de dar­aus erge­ben, dass ein Gegen­stand bestim­mungs­wid­rig gebraucht wird.

Damit ist gefähr­li­ches Werk­zeug im Sin­ne von § 177 Abs. 4 Nr. 1 StGB ein belie­bi­ger Gegen­stand immer schon dann, wenn er – wie hier – sei­ne objek­ti­ve Gefähr­lich­keit durch die kon­kre­te Art und Wei­se sei­ner (zweck­wid­ri­gen) Ver­wen­dung erhält 1.

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall bedeu­te­te dies: Indem der Ange­klag­te der 86 Jah­re alten Geschä­dig­ten ein 80 x 80 cm gro­ßes Kopf­kis­sen über min­des­tens eine Minu­te lang der­art auf das Gesicht drück­te, dass die­se unter star­ker, quä­len­der Atem­not und Todes­angst litt, kurz vor der Bewusst­lo­sig­keit stand und infol­ge der Atem­not Ein­blu­tun­gen im gesam­ten Gesichts­be­reich (u.a. den Lidin­nen- und Bin­de­häu­ten und im Augen­weiß) ein­tra­ten, hat er ein gefähr­li­ches Werk­zeug im Sin­ne von § 177 Abs. 4 Nr. 1 StGB ver­wen­det.

Zudem bejah­te der Bun­des­ge­richts­hof in die­sem Fall Tat­ein­heit zwi­schen einer beson­ders schwe­ren Ver­ge­wal­ti­gung nach § 177 Abs. 4 Nr. 1, Nr. 2a StGB und einer gefähr­li­chen Kör­per­ver­let­zung mit­tels einer das Leben gefähr­den­den Behand­lung nach § 224 Abs. 1 Nr. 5 StGB aus­ge­gan­gen 2. Der Unrechts­ge­halt des poten­ti­el­len Gefähr­dungs­de­likts in § 224 Abs. 1 Nr. 5 StGB geht nicht in dem Unrechts­ge­halt von § 177 Abs. 4 Nr. 1, Nr. 2a StGB auf, so dass die Klar­stel­lungs­funk­ti­on der Ide­al­kon­kur­renz 3 für die Annah­me von Tat­ein­heit spricht 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Novem­ber 2014 – 1 StR 503/​14

  1. st. Rspr.; vgl. aus­führ­lich dazu BGH, Urteil vom 27.01.2011 – 4 StR 487/​10, NStZ-RR 2011, 275, 276 mwN[]
  2. vgl. Hörn­le, in: LK-StGB, 12. Aufl.2009, § 177 Rn. 323[]
  3. vgl. Stern­berg-Lie­ben/Bosch, in: Schönke/​Schröder, StGB, 29. Aufl.2014, § 52 Rn. 2[]
  4. vgl. auch zum Ver­hält­nis von § 224 Abs. 1 Nr. 5 StGB zu § 250 Abs. 2 Nr. 3 StGB: BGH, Beschluss vom 09.07.2004 – 2 StR 170/​04, Stra­Fo 2004, 396; und vom 12.08.2005 – 2 StR 317/​05, NStZ 2006, 449[]