Das Ver­wen­den von Kenn­zei­chen ver­fas­sungs­wid­ri­ger Organisationen

Die Ver­wen­dung des Haken­kreu­zes auf einem Bei­trag fällt unter die ver­bo­te­ne Ver­wen­dung der Kenn­zei­chen ver­fas­sungs­wid­ri­ger Orga­ni­sa­tio­nen. Das Glei­che kann für Abbil­dun­gen von Tätern des Natio­nal­so­zia­lis­mus gel­ten, wenn die­se eine posi­ti­ve Ein­stel­lung zu der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ideo­lo­gie vermitteln.

Das Ver­wen­den von Kenn­zei­chen ver­fas­sungs­wid­ri­ger Organisationen

Mit die­ser Begrün­dung hat das Land­ge­richt Osna­brück in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Ver­ur­tei­lung eines Ange­klag­ten wegen der Ver­wen­dung von Kenn­zei­chen ver­fas­sungs­wid­ri­ger Orga­ni­sa­tio­nen zu einer Geld­stra­fe durch das Amts­ge­richt Bad Iburg bestä­tigt. Im März 2020 ver­öf­fent­lich­te der heu­te 24 Jah­re alte Mann aus Bad Rothen­fel­de auf sei­nem öffent­lich zugäng­li­chen Face­book-Pro­fil ein Foto von Rudolf Heß. Das Foto zeig­te Heß, der zeit­wei­lig in der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Dik­ta­tur als Stell­ver­tre­ter Adolf Hit­lers agiert hat­te, in einer Uni­form mit Haken­kreuz-Arm­bin­de. Dazu zeig­te der Post den Schrift­zug „Rudolf Heß – Ich bereue nichts!“. Am 19. April 2020 ver­öf­fent­lich­te der Ange­klag­te auf sei­nem Face­book-Pro­fil ein Foto von Adolf Hit­ler unter Hin­weis auf des­sen Geburts­tag am 20. April. Dazu pos­te­te der Ange­klag­te einen Link zu einem Video. Die­ses zeig­te unkom­men­tiert pro­pa­gan­dis­ti­sches Bild­ma­te­ri­al aus der Zeit der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Dik­ta­tur, hin­ter­legt mit Ton­auf­nah­men von Reden Hitlers.

Vom Amts­ge­richt Bad Iburg ist der Ange­klag­te wegen die­ser Posts am 31. August 2020 wegen Ver­wen­dens von Kenn­zei­chen ver­fas­sungs­wid­ri­ger Orga­ni­sa­tio­nen in zwei Fäl­len zu einer Gesamt­geld­stra­fe von 50 Tages­sät­zen zu je 65,00 € ver­ur­teilt wor­den. Dage­gen hat sich der Ange­klag­te mit sei­ner Beru­fung gewehrt.

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In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Land­ge­richt Osna­brück die Ansicht des Amts­ge­richts bestä­tigt und auch bei­de Posts als ver­bo­te­ne Ver­wen­dung der Kenn­zei­chen ver­fas­sungs­wid­ri­ger Orga­ni­sa­tio­nen gewer­tet. Nach Mei­nung des Land­ge­richts Osna­brück gel­te das ohne Wei­te­res für das Haken­kreuz, das auf dem Bild von Rudolf Heß pro­mi­nent zu sehen sei. Dar­über hin­aus gel­te es aber eben­so für das Bild von Adolf Hit­ler. Denn der Ange­klag­te habe bewusst das Bild Hit­lers als Sym­bol und Inbe­griff für die ver­bo­te­ne NSDAP genutzt. Gesetz­li­che Aus­nah­men, die eine Ver­brei­tung ent­spre­chen­der Sym­bo­le und Auf­nah­men z.B. im Rah­men einer kri­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Natio­nal­so­zia­lis­mus erlau­ben, sei­en ein­deu­tig nicht einschlägig.

Nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts Osna­brück zei­ge viel­mehr der gesam­te Kon­text der Posts, dass der Ange­klag­te damit sei­ne posi­ti­ve Ein­stel­lung zu der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ideo­lo­gie habe kund­tun wollen.

Auch das vom Amts­ge­richt Bad Iburg ver­häng­te Straf­maß von 50 Tages­sät­zen bestä­tig­te das Land­ge­richt. Ledig­lich die Höhe des ein­zel­nen Tages­sat­zes redu­zier­te das Land­ge­richt Osna­brück auf 40,00 €, da das ver­füg­ba­re Ein­kom­men des Ange­klag­ten zwi­schen­zeit­lich gesun­ken war.

Land­ge­richt Osna­brück, Urteil vom 15. Janu­ar 2021 – 5 Ns 136/​20

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