Das letz­te Wort – und die Ein­las­sung zur Sache

Steht auf­grund der for­mel­len Beweis­kraft des Haupt­ver­hand­lungs­pro­to­kolls (§ 274 Satz 1 StPO) fest, dass sich der Ange­klag­te nicht zur Sache ein­ge­las­sen hat 1, stellt dies der Pro­to­koll­ein­trag "Der Ange­klag­te hat­te das letz­te Wort. Der Ange­klag­te wur­de befragt, ob er noch etwas zu sei­ner Ver­tei­di­gung aus­zu­füh­ren habe. Er mach­te ergän­zen­de Aus­füh­run­gen zu sei­ner Ver­tei­di­gung." nicht in Fra­ge.

Das letz­te Wort – und die Ein­las­sung zur Sache

Hier­durch wird eine Sach­ein­las­sung des Ange­klag­ten nicht bewie­sen.

Das am Geset­zes­wort­laut des § 258 Abs. 2 und 3 StPO aus­ge­rich­te­te Pro­to­koll belegt ledig­lich, dass dem Ange­klag­ten das Recht des letz­ten Wor­tes ein­ge­räumt wor­den ist und er von die­ser Mög­lich­keit Gebrauch gemacht hat. Da es ihm frei­steht, was er mit sei­nem letz­ten Wort zu sei­ner Ver­tei­di­gung vor­brin­gen will, beweist das Pro­to­koll nicht, dass er sich in sei­nem letz­ten Wort auch zur Sache ein­ge­las­sen hat 2.

Eine erst im Rah­men des letz­ten Wor­tes erfolg­te Sach­ein­las­sung hät­te viel­mehr als wei­ter gehen­de wesent­li­che Förm­lich­keit der aus­drück­li­chen Pro­to­kol­lie­rung bedurft 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. Janu­ar 2018 – 4 StR 471/​17

  1. vgl. Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 60. Aufl., § 274 Rn. 14[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 29.06.1995 – 4 StR 72/​95, BGHR StPO § 274 Beweis­kraft 18; Beschluss vom 28.10.1999 – 4 StR 370/​99, NStZ 2000, 217; LR-StPO/S­tu­cken­berg, 26. Aufl., § 258 Rn. 54[]
  3. Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, aaO, § 273 Rn. 7; KK-StPO/Ott, 7. Aufl., § 258 Rn. 21[]