Der Dea­ler und sein Füh­rer­schein

Die Nut­zung des Fahr­zeugs zur Bege­hung der Betäu­bungs­mit­tel­straf­ta­ten allein begrün­det das Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen von § 69 Abs. 1 StGB nicht.

Der Dea­ler und sein Füh­rer­schein

Unge­eig­net­heit im Sin­ne die­ser Vor­schrift liegt vor, wenn eine Wür­di­gung der kör­per­li­chen, geis­ti­gen oder cha­rak­ter­li­chen Vor­aus­set­zun­gen und der sie wesent­lich bestim­men­den objek­ti­ven und sub­jek­ti­ven Umstän­de ergibt, dass die Teil­nah­me des Tat­be­tei­lig­ten am Kraft­fahr­zeug­ver­kehr zu einer nicht hin­nehm­ba­ren Gefähr­dung der Ver­kehrs­si­cher­heit füh­ren wür­de 1.

Dabei muss sich die Unge­eig­net­heit gera­de aus der ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Tat bzw. den Taten erge­ben. Kommt – wie hier – aus­schließ­lich eine cha­rak­ter­li­che Unge­eig­net­heit in Betracht, muss die Anlas­s­tat selbst trag­fä­hi­ge Rück­schlüs­se auf die Bereit­schaft des Täters zulas­sen, die Sicher­heit des Stra­ßen­ver­kehrs sei­nen eige­nen kri­mi­nel­len Zie­len unter­zu­ord­nen 2.

Die Annah­me, die Durch­füh­rung der Dro­gen­aus­lie­fe­run­gen sowie der damit ver­bun­de­nen Vor­gän­ge mit einem Kraft­fahr­zeug als sol­che wür­de die Unge­eig­net­heit begrün­den, ver­kennt in recht­li­cher Hin­sicht, dass die Belan­ge der Ver­kehrs­si­cher­heit in Kurier­fäl­len, in denen – wie auch vor­lie­gend – der Tat­be­tei­lig­te in sei­nem Fahr­zeug ledig­lich Rausch­gift trans­por­tiert, gera­de nicht ohne Wei­te­res beein­träch­tigt sind 3. Ein all­ge­mei­ner Erfah­rungs­satz, dass Rausch­gift­trans­por­teu­re bei Ver­kehrs­kon­trol­len zu beson­ders ris­kan­ter Fahr­wei­se ent­schlos­sen sind, besteht nicht 4.

Über die blo­ße Nut­zung des Fahr­zeugs als Trans­port­mit­tel der Betäu­bungs­mit­tel sowie bei dem Ver­ein­nah­men der Ent­gel­te hin­aus­ge­hen­de Umstän­de, aus denen eine Unge­eig­net­heit abge­lei­tet wer­den könn­te, oder Anhalts­punk­te für durch Dro­gen­kon­sum beding­te Beein­träch­ti­gun­gen der Eig­nung des Ange­klag­ten zum Füh­ren eines Kraft­fahr­zeugs bei den der Ver­ur­tei­lung zugrun­de lie­gen­den Taten sind im vor­lie­gen­den Fall nicht erkenn­bar. Im Gegen­teil spre­chen die zu den per­sön­li­chen Ver­hält­nis­sen des Ange­klag­ten getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen über die gerin­ge Häu­fig­keit des Kon­sums von Koka­in und die Anläs­se für die­sen Kon­sum dage­gen, dass es bei dem Ange­klag­ten zu einem den Aus­lie­fe­rungs­fahr­ten vor­aus­ge­gan­ge­nen Gebrauch von Koka­in oder sons­ti­gen Betäu­bungs­mit­teln gekom­men sein könn­te. Es fehlt damit an trag­fä­hi­gen Fest­stel­lun­gen für das Vor­lie­gen ver­kehrs­si­cher­heits­re­le­van­ter Eig­nungs­män­gel bei dem Ange­klag­ten. Sol­cher Män­gel bedarf es aber für die Maß­re­gel der Ent­zie­hung der Fahr­erlaub­nis.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 4. Novem­ber 2014 – 1 StR 233/​14

  1. Fischer, StGB, 61. Aufl., § 69 Rn. 14[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 27.04.2005 – GSSt 2/​04, BGHSt 50, 93, 102 f.; vom 23.05.2012 – 5 StR 185/​12, Stra­Fo 2012, 282 mwN; sie­he auch BVerfG, Beschluss vom 20.06.2002 – 1 BvR 2062/​96, NJW 2002, 2378, 2380[]
  3. BGH jeweils aaO[]
  4. BGH, Beschluss vom 03.12 2002 – 4 StR 458/​02, NStZ 2003, 311 sowie BGH jeweils aaO[]