Der fehl­ge­schla­ge­ne Ver­such – und die sub­jek­ti­ve Sicht des Täters

Ein Ver­such ist fehl­ge­schla­gen, wenn der Täter nach der letz­ten von ihm vor­ge­nom­me­nen Tat­hand­lung erkennt, dass mit den bereits ein­ge­setz­ten oder den ihm sonst zur Hand lie­gen­den Mit­teln der erstreb­te Tat­er­folg nicht mehr her­bei­ge­führt wer­den kann, ohne dass er eine neue Hand­lungs- und Kau­sal­ket­te in Gang setzt 1.

Der fehl­ge­schla­ge­ne Ver­such – und die sub­jek­ti­ve Sicht des Täters

Die sub­jek­ti­ve Sicht des Täters ist auch dann maß­geb­lich, wenn der Ver­such zwar objek­tiv fehl­ge­schla­gen ist, der Täter dies aber nicht erkennt; zumin­dest soll ein frei­wil­li­ger Ver­zicht auf wei­te­re Tat­hand­lun­gen zur Straf­frei­heit nach § 24 Abs. 1 Satz 2 StGB füh­ren 2.

Auch für die Prü­fung, ob ein Ver­such unbe­en­det oder been­det ist, kommt es maß­geb­lich dar­auf an, wel­che Vor­stel­lung der Täter nach sei­ner letz­ten Aus­füh­rungs­hand­lung von der Tat hat (sog. Rück­tritts­ho­ri­zont) 3. Danach liegt ein unbe­en­de­ter Ver­such vor, wenn der Täter nach sei­ner Vor­stel­lung noch nicht alles getan hat, was zur Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung erfor­der­lich ist; in die­sem Fall kann er allein durch das frei­wil­li­ge Unter­las­sen wei­te­rer auf den Tat­er­folg abzie­len­der Hand­lun­gen straf­be­frei­end vom Ver­such zurück­tre­ten (§ 24 Abs. 1 Satz 1 Alter­na­ti­ve 1 StGB). Hält er dage­gen den Ein­tritt des Tat­er­folgs für mög­lich, so ist der Ver­such been­det; der straf­be­frei­en­de Rück­tritt setzt dann vor­aus, dass der Täter den Tat­er­folg frei­wil­lig durch akti­ves Tun ver­hin­dert (§ 24 Abs. 1 Satz 1 Alter­na­ti­ve 2 StGB) oder zumin­dest ent­spre­chen­de ernst­haf­te Bemü­hun­gen ent­fal­tet, wenn der Erfolg ohne sein Zutun aus­bleibt (§ 24 Abs. 1 Satz 2 StGB) 4. Lässt sich das Vor­stel­lungs­bild des Täters, das auch für die Beur­tei­lung der Frei­wil­lig­keit eines Rück­tritts von Bedeu­tung ist, im maß­geb­li­chen Zeit­punkt den Fest­stel­lun­gen nicht ent­neh­men, so hält das Urteil inso­weit sach­lich­recht­li­cher Prü­fung regel­mä­ßig nicht stand, weil es die revi­si­ons­recht­li­che Prü­fung des Vor­lie­gens eines frei­wil­li­gen Rück­tritts nicht ermög­licht 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 31. Mai 2016 – 3 StR 135/​16

  1. st. Rspr.; s. etwa nur BGH, Urteil vom 30.11.1995 – 5 StR 465/​95, BGHSt 41, 368, 369; Urteil vom 19.05.2010 – 2 StR 278/​09, NStZ 2010, 690, 691 mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 24.11.2004 – 5 StR 239/​04, NStZ-RR 2005, 70, 71[]
  3. s. nur BGH, Urteil vom 19.03.2013 – 1 StR 647/​12, NStZ-RR 2013, 273, 274 mwN[]
  4. s. BGH, Beschluss vom 19.05.1993 – GSSt 1/​93, BGHSt 39, 221, 227 mwN[]
  5. BGH, Urteil vom 19.03.2013 – 1 StR 647/​12, aaO, vgl. auch BGH, Beschlüs­se vom 13.11.2012 – 3 StR 411/​12 3 ff.; und vom 29.09.2011 – 3 StR 298/​11, NStZ 2012, 263, sowie Urteil vom 12.06.2014 – 3 StR 154/​14, NStZ 2014, 507, 509 mwN[]