Die das Leben Drit­ter in hohem Maße gefähr­den­de Tat – und der beding­te Tötungs­vor­satz

Bedingt vor­sätz­li­ches Han­deln setzt vor­aus, dass der Täter den Ein­tritt des tat­be­stand­li­chen Erfol­ges als mög­lich und nicht ganz fern­lie­gend erkennt (Wis­sens­ele­ment) und dass er ihn bil­ligt oder sich um des erstreb­ten Zie­les wil­len mit der Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung zumin­dest abfin­det (Wil­lens­ele­ment).

Die das Leben Drit­ter in hohem Maße gefähr­den­de Tat – und der beding­te Tötungs­vor­satz

Bei­de Ele­men­te der inne­ren Tat­sei­te, also sowohl das Wis­sens- als auch das Wil­lens­ele­ment, müs­sen in jedem Ein­zel­fall umfas­send geprüft, durch tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen belegt und in eine indi­vi­du­el­le Gesamt­schau ein­be­zo­gen und bewer­tet wer­den 1.

Begeht der Täter eine das Leben Drit­ter in hohem Maße gefähr­den­de Tat oder ver­an­lasst er – wie hier – eine sol­che, so liegt es – vor­be­halt­lich in die Gesamt­be­trach­tung ein­zu­stel­len­der gegen­läu­fi­ger Umstän­de des Ein­zel­falls – nahe, dass er den Ein­tritt des Todes als mög­li­che Fol­ge sei­nes Tuns erkennt und, da er gleich­wohl sein gefähr­li­ches Han­deln beginnt oder fort­setzt, den Todes­er­folg auch bil­li­gend in Kauf nimmt 2.

Kann das Tat­ge­richt auf der Grund­la­ge der gebo­te­nen Gesamt­be­wer­tung aller Umstän­de Zwei­fel an der sub­jek­ti­ven Tat­sei­te nicht über­win­den, so hat das Revi­si­ons­ge­richt dies zwar regel­mä­ßig hin­zu­neh­men, denn die Beweis­wür­di­gung ist vom Gesetz dem Tat­ge­richt über­tra­gen (§ 261 StPO). Das Revi­si­ons­ge­richt hat indes zu prü­fen, ob die Beweis­wür­di­gung des Tat­ge­richts mit Rechts­feh­lern behaf­tet ist, etwa weil sie Lücken oder Wider­sprü­che auf­weist, mit den Denk­ge­set­zen oder gesi­cher­tem Erfah­rungs­wis­sen nicht in Ein­klang steht oder an die Über­zeu­gung von der Schuld des Ange­klag­ten über­zo­ge­ne Anfor­de­run­gen gestellt wer­den 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. Novem­ber 2017 – 3 StR 315/​17

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 20.09.2012 – 3 StR 140/​12, NStZ-RR 2013, 75, 77; vom 22.03.2012 – 4 StR 558/​11, NJW 2012, 1524, 1525; vom 23.02.2012 – 4 StR 608/​11, NStZ 2012, 443, 444; vom 28.01.2010 – 3 StR 533/​09, NStZ-RR 2010, 144, 145; vom 27.08.2009 – 3 StR 246/​09, NStZ-RR 2009, 372[]
  2. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 01.12 2011 – 5 StR 360/​11, NStZ 2012, 207, 208 mwN[]
  3. st. Rspr.; vgl. BGH, Urtei­le vom 06.08.2015 – 3 StR 226/​15 5; vom 02.04.2015 – 3 StR 635/​14 3[]