Die teil­wei­se Auf­he­bung eines Straf­ur­teils in der Revi­si­ons­in­stanz

Das Revi­si­ons­ge­richt muss bei jeder auf­he­ben­den Ent­schei­dung prü­fen, ob und inwie­weit die gefun­de­ne Geset­zes­ver­let­zung auf die dem Urteil zugrun­de lie­gen­den Fest­stel­lun­gen ein­wirkt; in die­sem Umfan­ge müs­sen auch die Fest­stel­lun­gen auf­ge­ho­ben wer­den 1.

Die teil­wei­se Auf­he­bung eines Straf­ur­teils in der Revi­si­ons­in­stanz

Wird nur ein Teil der Ver­ur­tei­lung mit den dies­be­züg­li­chen tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen auf­ge­ho­ben, wer­den die übri­gen Tei­le der Ent­schei­dung bestands­kräf­tig mit der Fol­ge der Bin­dung des mit der zurück­ge­wie­se­nen Sache befass­ten Tatrich­ters an die ihnen zugrun­de lie­gen­den nicht auf­ge­ho­be­nen tat­säch­li­chen Grund­la­gen.

Dies gilt auch, wenn das Revi­si­ons­ge­richt den Schuld­spruch und einen Teil der Ein­zel­stra­fen bestä­tigt, wei­te­re Ein­zel­stra­fen (sowie die Gesamt­stra­fe) dage­gen mit den zuge­hö­ri­gen Fest­stel­lun­gen auf­ge­ho­ben hat. Die teil­wei­se Auf­he­bung erfass­te in die­sem Fall die Fest­stel­lun­gen zu den per­sön­li­chen Ver­hält­nis­sen und zu den Vor­stra­fen des Ange­klag­ten nicht, weil die­se Umstän­de zugleich für die rechts­kräf­tig abge­schlos­se­nen Fäl­le von Bedeu­tung waren und eine Auf­he­bung den rechts­kräf­ti­gen Ein­zel­stra­fen ihre Grund­la­ge ent­zo­gen hät­te 2.

Bei einer sol­chen Fall­ge­stal­tung sind ledig­lich ergän­zen­de Fest­stel­lun­gen zuge­las­sen, die mit den bin­dend gewor­de­nen ein ein­heit­li­ches und wider­spruchs­frei­es Gan­zes bil­den müs­sen.

Dies folgt auch aus dem Grund­satz der Ein­heit­lich­keit (inne­ren Ein­heit) und damit not­wen­di­gen Wider­spruchs­frei­heit der Ent­schei­dung, der unab­hän­gig davon Gül­tig­keit bean­sprucht, ob ein Urteil über die Schuld- und Straf­fra­ge gleich­zei­tig ent­schei­det, oder ob nach rechts­kräf­ti­gem Schuld­spruch die Stra­fe auf­grund einer zum Straf­aus­spruch erfolg­rei­chen Revi­si­on neu fest­ge­setzt wird. Der Grund­satz der Ein­heit­lich­keit des Urteils ver­bie­tet selbst dann wider­sprüch­li­che Fest­stel­lun­gen zur Per­son des Ange­klag­ten und sei­nen Vor­stra­fen, wenn von der Teil­auf­he­bung pro­zes­su­al selb­stän­di­ge Taten betrof­fen waren 3. Der neue Tatrich­ter muss die bestehen geblie­be­nen Fest­stel­lun­gen weder wie­der­ho­len noch hier­auf Bezug neh­men 4.

Das Land­ge­richt durf­te daher die aus dem frü­he­ren Urteil – wört­lich in Anfüh­rungs­stri­che gesetzt – wie­der­ge­ge­be­nen Fest­stel­lun­gen zur Per­son des Ange­klag­ten, die auch die für die Gesamt­stra­fen­bil­dung not­wen­di­gen Anga­ben zu der ein­zu­be­zie­hen­den Ver­ur­tei­lung ent­hal­ten, bei der eige­nen Straf­zu­mes­sung berück­sich­ti­gen. Dar­über hin­aus hat es im vor­lie­gen­den Fall eige­ne ergän­zen­de Fest­stel­lun­gen zur Per­son des Ange­klag­ten im Rah­men der Straf­zu­mes­sung getrof­fen und hier­bei die posi­ti­ve Ent­wick­lung des Ange­klag­ten nach der Ent­las­sung aus der Unter­su­chungs­haft berück­sich­tigt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. April 2015 – 4 StR 585/​14

  1. BGH, Urteil vom 27.11.1959 – 4 StR 394/​59, BGHSt 14, 30, 34[]
  2. offen gelas­sen von BGH, Urteil vom 13.10.1981 – 1 StR 471/​81, BGHSt 30, 225, 227[]
  3. vgl. zu den Tat­fest­stel­lun­gen BGH, Beschluss vom 28.03.2007 – 2 StR 62/​07, NJW 2007, 1540, 1541; Urteil vom 10.05.2007 – 4 StR 11/​07[]
  4. BGH, Beschluss vom 13.05.2003 – 1 StR 133/​03, Stra­Fo 03, 384[]