Die volks­ver­het­zen­den Wahl­wer­be­spots

Wer für die Her­stel­lung und Ver­brei­tung eines Wahl­wer­be­spots ver­ant­wort­lich ist, in dem den in Ber­lin leben­den Aus­län­dern pau­schal kri­mi­nel­le Nei­gun­gen unter­stellt wer­den, und der Ein­druck erweckt wird, dass sie für alle in Ber­lin began­ge­nen Straf­ta­ten ver­ant­wort­lich sind, macht sich der Volks­ver­het­zung schul­dig.

Die volks­ver­het­zen­den Wahl­wer­be­spots

Mit die­ser Begrün­dung hat das Land­ge­richt Ber­lin den ehe­ma­li­gen NPD-Bun­des­vor­sit­zen­den Udo Voigt und den frü­he­ren Lan­des­vor­sit­zen­den der NPD Ber­lin Uwe M. am 11. Okto­ber 2012 wegen Volks­ver­het­zung ver­ur­teilt. Die gegen das Urteil gerich­te­ten Revi­sio­nen der Ange­klag­ten sind vom Bun­des­ge­richts­hof als unbe­grün­det ver­wor­fen wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts Ber­lin waren die Ange­klag­ten gemein­sam für die Her­stel­lung und Ver­brei­tung eines Wahl­wer­be­spots ver­ant­wort­lich, den der Lan­des­ver­band Ber­lin der NPD vom 15. August bis 1. Sep­tem­ber für jeden frei abruf­bar ins Inter­net gestellt hat­te. Dar­in wur­den den in Ber­lin leben­den Aus­län­dern pau­schal kri­mi­nel­le Nei­gun­gen unter­stellt, und es wur­de der Ein­druck erweckt, dass sie für alle in Ber­lin began­ge­nen Straf­ta­ten ver­ant­wort­lich sei­en.

Der Ange­klag­te Udo Voigt hat­te zudem als Bezirks­ver­ord­ne­ter der NPD am 25. März 2010 in einer Sit­zung der Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung Trep­tow – Köpe­nick anläss­lich der von den übri­gen Frak­tio­nen bean­trag­ten Ver­an­stal­tung zum Geden­ken des 65. Jah­res­tag der Befrei­ung vom Natio­nal­so­zia­lis­mus geäu­ßert, dass die­se Befrei­ung mehr Opfer gekos­tet habe als der gesam­te Krieg und man sich daher auch vor den „tap­fe­ren Sol­da­ten der deut­schen Wehr­macht und der Waf­fen-SS” ver­nei­ge.

Das Land­ge­richt Ber­lin hat­te den Ange­klag­ten Udo Voigt wegen Volks­ver­het­zung in zwei Fäl­len zu einer Gesamt­frei­heits­stra­fe von zehn Mona­ten und den Ange­klag­ten Uwe M. wegen Volks­ver­het­zung in einem Fall zu einer Frei­heits­stra­fe von acht Mona­ten ver­ur­teilt. Die Voll­stre­ckung der Stra­fen war zur Bewäh­rung aus­ge­setzt wor­den. Nach­dem die Revi­sio­nen der Ange­klag­ten vor dem Bun­des­ge­richts­hof ohne Erfolg geblie­ben sind, sind die Ver­ur­tei­lun­gen rechts­kräf­tig.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. August 2013 – 5 StR 285/​13