Die zwangs­ents­tem­pel­ten Kenn­zei­chen – und die „täu­schend ähn­li­chen“ Zulas­sungs­stem­pel

Wer­den an einem zuvor zwangs­ents­tem­pel­ten Fahr­zeug ande­re Zulas­sungs­stem­pel ange­bracht, die den ech­ten Stem­peln täu­schend ähn­lich sehen, , „um bei etwai­gen poli­zei­li­chen Kon­trol­len einen Ver­si­che­rungs­schutz vor­zu­täu­schen“, erfüllt dies den Tat­be­stand der Urkun­den­fäl­schung in der Vari­an­te des Her­stel­lens einer unech­ten (zusam­men­ge­setz­ten) Urkun­de gemäß § 267 Abs. 1, 1. Alt. StGB [1].

Die zwangs­ents­tem­pel­ten Kenn­zei­chen – und die „täu­schend ähn­li­chen“ Zulas­sungs­stem­pel

Der Tat­be­stand des Gebrauch­ma­chens von einer unech­ten Urkun­de gemäß § 267 Abs. 1, 3. Alt. StGB wird ver­wirk­licht, indem das mit den mani­pu­lier­ten Kenn­zei­chen ver­se­he­ne Fahr­zeug im öffent­li­chen Stra­ßen­ver­kehr genutzt und dadurch den ande­ren Ver­kehrs­teil­neh­mern sowie mit der Ver­kehrs­über­wa­chung befass­ten Poli­zei­be­am­ten die unmit­tel­ba­re Kennt­nis­nah­me der am Fahr­zeug ange­brach­ten Kenn­zei­chen ermög­licht wird [2].

Aller­dings liegt nur eine Urkun­den­fäl­schung vor, wenn eine gefälsch­te Urkun­de mehr­fach gebraucht wird und die­ser mehr­fa­che Gebrauch dem schon bei der Fäl­schung bestehen­den kon­kre­ten Gesamt­vor­satz des Täters ent­spricht [3].

Vor­lie­gend hat­te der Ange­klag­te die fal­schen Kenn­zei­chen an sei­nem Fahr­zeug ange­bracht, um „bei etwai­gen poli­zei­li­chen Kon­trol­len“ einen Ver­si­che­rungs­schutz vor­zu­täu­schen. Damit hat­te er schon beim Anbrin­gen der Kenn­zei­chen den ein ein­heit­li­ches Urkund­s­de­likt im Sin­ne der vor­ge­nann­ten Recht­spre­chung kon­sti­tu­ie­ren­den kon­kre­ten Gesamt­vor­satz. Das hat zur Fol­ge, dass der mit bei­den Fahr­ten ver­wirk­lich­te Gebrauch einer unech­ten Urkun­de und deren vor­an­ge­gan­ge­ne Her­stel­lung als tat­be­stand­li­che Hand­lungs­ein­heit eine Tat der Urkun­den­fäl­schung bil­de­ten und damit auch die wei­te­ren wäh­rend der bei­den Fahr­ten began­ge­nen Delik­te hier­zu in Tat­ein­heit ste­hen [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Juli 2015 – 4 StR 279/​15

  1. vgl. OLG Stutt­gart, NStZ-RR 2001, 370[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 28.01.2014 – 4 StR 528/​13, NStZ 2014, 272[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 30.10.2008 – 3 StR 156/​08, BGHR StGB § 267 Abs. 1 Kon­kur­ren­zen 3; und vom 21.05.2015 – 4 StR 164/​15[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 21.05.2015 – 4 StR 164/​15[]