DNA-Gut­ach­ten – un die Urteils­grün­de

Das Tat­ge­richt hat in den Fäl­len, in denen es dem Gut­ach­ten eines Sach­ver­stän­di­gen folgt, die wesent­li­chen Anknüp­fungs­tat­sa­chen und Aus­füh­run­gen des Gut­ach­ters so dar­zu­le­gen, dass das Rechts­mit­tel­ge­richt prü­fen kann, ob die Beweis­wür­di­gung auf einer trag­fä­hi­gen Tat­sa­chen­grund­la­ge beruht und die Schluss­fol­ge­run­gen nach den Geset­zen der Logik, den Erfah­rungs­sät­zen des täg­li­chen Lebens und den Erkennt­nis­sen der Wis­sen­schaft mög­lich sind.

DNA-Gut­ach­ten – un die Urteils­grün­de

Für die Dar­stel­lung des Ergeb­nis­ses einer auf einer mole­ku­lar­ge­ne­ti­schen Ver­gleichs­un­ter­su­chung beru­hen­den Wahr­schein­lich­keits­be­rech­nung ist danach erfor­der­lich, dass der Tatrich­ter mit­teilt, wie vie­le Sys­te­me unter­sucht wur­den, ob und inwie­weit sich Über­ein­stim­mun­gen in den unter­such­ten Sys­te­men erge­ben haben, mit wel­cher Wahr­schein­lich­keit die fest­ge­stell­te Merk­mals­kom­bi­na­ti­on zu erwar­ten ist und, sofern der Ange­klag­te einer frem­den Eth­nie ange­hört, inwie­weit die­ser Umstand bei der Aus­wahl der Ver­gleichs­po­pu­la­ti­on von Bedeu­tung war 1.

Die­sen Anfor­de­run­gen genügt ein Urteil nicht, dass ledig­lich die Ergeb­nis­se der bio­sta­tis­ti­schen Berech­nun­gen für ver­schie­de­ne unter­such­te Spu­ren ent­hält, die aber ohne Mit­tei­lung der Grund­la­gen der Berech­nung nicht nach­voll­zieh­bar sind. Dabei ist den Aus­füh­run­gen, bei­spiels­wei­se "So fan­den sich an der Unter­ho­se des Ange­klag­ten DNA-Antra­gun­gen, für die es 1, 5 Mil­li­ar­den mal wahr­schein­li­cher ist, dass sie von dem Ange­klag­ten, der Geschä­dig­ten und unbe­kann­ten Per­so­nen, als dass sie von dem Ange­klag­ten und aus­schließ­lich unbe­kann­ten Per­so­nen ver­ur­sacht wor­den ist ('höchst­wahr­schein­lich')", zu ent­neh­men, dass es sich offen­bar um Misch­spu­ren han­delt, für die über die oben genann­ten Dar­le­gungs­an­for­de­run­gen in "Nor­mal­fäl­len" hin­aus Beson­der­hei­ten gel­ten kön­nen 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Janu­ar 2016 – 4 StR 484/​15

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 05.06.2014 – 4 StR 439/​13, NJW 2014, 2454; vom 21.03.2013 – 3 StR 247/​12, BGHSt 58, 212, 217; Beschlüs­se vom 25.02.2015 – 4 StR 39/​15; und vom 22.10.2014 – 1 StR 364/​14, NStZ-RR 2015, 87, 88[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 05.06.2014 – 4 StR 439/​13, NJW 2014, 2454, 2455[]