DNA-Gut­ach­ten – und die wesent­li­chen Anknüp­fungs­tat­sa­chen

Das Tat­ge­richt hat in den Fäl­len, in denen es dem Gut­ach­ten eines Sach­ver­stän­di­gen folgt, die wesent­li­chen Anknüp­fungs­tat­sa­chen und Aus­füh­run­gen des Gut­ach­ters so dar­zu­le­gen, dass das Rechts­mit­tel­ge­richt prü­fen kann, ob die Beweis­wür­di­gung auf einer trag­fä­hi­gen Tat­sa­chen­grund­la­ge beruht und die Schluss­fol­ge­run­gen nach den Geset­zen der Logik, den Erfah­rungs­sät­zen des täg­li­chen Lebens und den Erkennt­nis­sen der Wis­sen­schaft mög­lich sind.

DNA-Gut­ach­ten – und die wesent­li­chen Anknüp­fungs­tat­sa­chen

Für die Dar­stel­lung des Ergeb­nis­ses einer auf einer mole­ku­lar­ge­ne­ti­schen Ver­gleichs­un­ter­su­chung beru­hen­den Wahr­schein­lich­keits­be­rech­nung ist danach erfor­der­lich, dass der Tatrich­ter mit­teilt, wie vie­le Sys­te­me unter­sucht wur­den, ob und inwie­weit sich Über­ein­stim­mun­gen in den unter­such­ten Sys­te­men erge­ben haben, mit wel­cher Wahr­schein­lich­keit die fest­ge­stell­te Merk­mals­kom­bi­na­ti­on zu erwar­ten ist und, sofern der Ange­klag­te einer frem­den Eth­nie ange­hört, inwie­weit die­ser Umstand bei der Aus­wahl der Ver­gleichs­po­pu­la­ti­on von Bedeu­tung war 1.

Die­sen Anfor­de­run­gen an eine rechts­feh­ler­freie Beweis­wür­di­gung genüg­te das land­ge­richt­li­che Urteil in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall nicht: Aus den Dar­le­gun­gen der Straf­kam­mer zu der DNA-Misch­spur an dem Roll­ga­bel­schlüs­sel ergibt sich nicht, wie vie­le Sys­te­me detek­tiert und schließ­lich unter­sucht wer­den konn­ten. Glei­ches gilt für die Misch­spur an der auf­ge­fun­de­nen Geld­bör­se. Auch lässt sich den Urteils­grün­den nicht ent­neh­men, ob und inwie­weit sich Über­ein­stim­mun­gen in den unter­such­ten Sys­te­men erge­ben haben. Schließ­lich fehlt es auch an einer Dar­le­gung, inwie­weit die alba­ni­sche Volks­zu­ge­hö­rig­keit des Ange­klag­ten bei der Aus­wahl der Ver­gleichs­po­pu­la­ti­on von Bedeu­tung war.

Da das Land­ge­richt sei­ne Über­zeu­gung von der Spu­ren­le­ger­schaft des Ange­klag­ten hin­sicht­lich der drei Spu­ren allein auf das Ergeb­nis der DNA-Ver­gleichs­un­ter­su­chun­gen gestützt und die­ser Spu­ren­le­ger­schaft jeweils eine maß­geb­li­che Indi­zwir­kung ("gewich­ti­ges Indiz", "mit ent­schei­den­des Indiz", "gewich­tig für die Täter­schaft spricht …") bei­gemes­sen hat, kann der Bun­des­ge­richts­hof auch ein Beru­hen des Urteils auf die­sem Dar­stel­lungs­man­gel nicht aus­schlie­ßen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. April 2016 – 4 StR 18/​16

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 01.12 2015 – 4 StR 397/​15, Rn. 4 zitiert nach juris; Beschluss vom 25.02.2015 – 4 StR 39/​15; Beschluss vom 22.10.2014 – 1 StR 364/​14, NStZ-RR 2015, 87, 88; Urteil vom 05.06.2014 – 4 StR 439/​13, NJW 2014, 2454; Urteil vom 21.03.2013 – 3 StR 247/​12, BGHSt 58, 212, 217[]